Geldern: Stele am Nordwall erinnert an jüdisches Leben in der Stadt

Extra vorm 9. November aufgestellt : Stele am Nordwall erinnert an jüdisches Leben in Geldern

Am Freitag wurde in Geldern die erste von zwölf Geschichtsstelen aufgestellt. Sie soll der ehemaligen jüdischen Mitbürger gedenken.

Der Fall der Berliner Mauer, die Reichspogromnacht, der Hitler-Putsch oder die Novemberrevolution: Es gibt wohl kein Datum in der deutschen Geschichte, das so geschichtsträchtig ist wie der 9. November. Ein Datum, das leider auch in der Gelderner Historie einen festen Platz hat. Es war in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, heute vor 81 Jahren, als sich SA-Männer während der Reichspogromnacht Zugang zur Synagoge am Nordwall verschafften und sie in Brand steckten. Wie die Synagogen vieler anderer Städte, brannte auch das Gebäude in Geldern nieder. Ein Tag, der nie vergessen werden sollte, damit sich solche Taten niemals wiederholen.

Auch deshalb hat die Stadt Geldern, speziell vor dem 9. November, am Freitag am Nordwall eine Informationsstele aufstellen lassen, die an das jüdische Leben in der Stadt erinnern soll. Direkt daneben hatte der Künstler Gunter Demnig für die Synagoge vor einigen Jahren bereits einen der sogenannten „Stolpersteine“ verlegt. „Wir wollten die Stele am Nordwall in Erinnerung an die Geschehnisse der Reichspogromnacht bewusst als erste aufstellen“, sagte Bürgermeister Sven Kaiser. Gerade in Zeiten rechtsextremistischer Anschläge wie vor einiger Zeit in Halle wolle man so auch ein Zeichen setzen, sagte der Verwaltungschef.

Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes werden in der Innenstadt zwölf Informationsstelen an historisch bedeutsamen Orten aufgestellt. „Spätestens bis 2021 sollen alle Stelen stehen“, sagt Amina Bojkic vom Stadtplanungsamt. In Kürze werden die nächsten zwei Stelen aufgestellt: Die Stele „Das alte Gelderner Rathaus“ am Markt sowie eine weitere am „kleinen Markt“, neben dem Marktrelief. Die Kosten pro Stele liegen circa bei rund 1900 Euro. Alle werden von Unternehmen aus Geldern hergestellt.

Mit den Stelen soll bewusst auf die Historie der Stadt Geldern aufmerksam gemacht werden. Jede Stele enthält zum historischen Sachverhalt einen kurzen Text, Abbildungen sowie einen QR-Code, über den man auf die Website der Stadt Geldern gelangt. Auf der Website gibt es zudem weitere inhaltliche Darstellungen in Deutsch, Englisch und künftig auch auf Niederländisch sowie weitere Abbildungen. „Die Texte auf den Tafeln haben verschiedene Autoren aus Geldern geschrieben, die wir dafür angesprochen haben“, sagte Stadtarchivarin Yvonne Bergerfurth.

Der Text für die Stele am Nordwall stammt vom langjährigen Grünen-Fraktionschef Bernd Bianchi, der in diesem Jahr überraschend verstorben ist. „Es ist deshalb wirklich sehr schade, dass er das Aufstellen der Stele am Nordwall nicht mehr miterleben konnte“, sagte Bergerfurth.

Die alljährliche Mahnwache zum Jahrestag der Reichspogromnacht war Bianchi stets ein wichtiges Anliegen. Die Gedenkveranstaltung war Anfang der 90er-Jahre vom damaligen Gelderner SPD-Vorsitzenden Heinz-Dieter Linnenberg ins Leben gerufen worden, die dann die SPD viele Jahre lang durchführte. Bernd Bianchi übernahm dann die Gedenkveranstaltung in Form einer Mahnwache.

Gabriele Fritz (Vorsitzende des Kulturausschusses), Yvonne Bergerfurth (Stadtarchivarin), Sven Kaiser und Amina Bojkic vor der Stele (v.l.). Foto: Norbert Prümen (nop)

Wer Bianchis Text auf der Stele liest, der wird spätestens dann verstehen, warum ihm das Thema so am Herzen lag. Nach der Reichspogromnacht, so ist dort geschrieben, „gelang einer Handvoll Juden rechtzeitig die Flucht ins Ausland. Die übrigen wurden seit Dezember 1941 deportiert. 33 Gelderner Juden wurden in KZs ermordet. Im Januar 1942 meldete der Bürgermeister: ,In der Stadt Geldern wohnen keine Juden mehr.’“

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