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Geldern: Ostern in den Gelderner Seniorenheimen

Zwei Gelderner Seniorenheime berichten : Osterfest hinter verschlossenen Türen

Gute Stimmung bei den Mitarbeitern und Bewohnern melden die Gelderner Seniorenheime Haus Boeckelt und Bellini vor den Feiertagen. Die Nachbarn bringen kleine Geschenke vorbei. Der Speiseplan sieht Festmenüs vor.

Die festliche Ostertafel ist schon einmal gesichert. Am Sonntag steht Schweinefilet im Schinkenmantel mit Spargel auf dem Speiseplan. Einen Tag später wird Rinderbraten mit Rosenkohl und Klößen serviert. Die 44 Frauen und Männer, die im Gelderner „Haus Boeckelt“ ihren Lebensabend verbringen und Pflege benötigen, sollen ein schönes Osterfest erleben. Trotz Kontaktverbot und strikter Ausgangssperre. Niemand (außer natürlich dem Personal) darf rein, keiner darf raus – so lässt sich das Leben in einem Pflegeheim in Corona-Zeiten auf den Punkt bringen.

Dass gerade die kulinarische Versorgung in diesen Tagen besonders wichtig ist, bestätigt auch Einrichtungsleiterin Anke Bartels-Sprenger von der Seniorenresidenz Bellini in Geldern. Mit viel Mühe habe die Küche bereits die Frühstücksbüfetts für Ostersonntag in Vorbereitung. Denn gegessen wird nicht im Restaurant im Erdgeschoss direkt an der Wasserfläche des Niersparks, sondern auf den Stationen. „Das ist ein großer Aufwand“, so Bartels-Sprenger, sei aber in Corona-Zeiten für die Sicherheit der Bewohner unabdingbar. Nur die Mieter aus den Wohnungen kommen im Clubraum zusammen – natürlich mit genug Abstand zueinander.

Die Stimmung ist in beiden Häusern trotz der besonderen Bedingungen gut. „Ich bin beeindruckt, wie souverän unsere Bewohner mit der schwierigen Situation umgehen“, sagt Maik Wilmsen, Leiter der Gelderner Einrichtung. Wehklagen sind die absolute Ausnahme. Obwohl Besuche von Familie, Freunden und Bekannten momentan und wahrscheinlich noch längere Zeit nicht erlaubt sind. Der Grund dafür ist hinlänglich bekannt. Wilmsen: „Die Menschen sind wegen ihres Alters und diverser Vorerkrankungen besonders gefährdet. Deshalb müssen wir besondere Vorkehrungen treffen, damit sich niemand mit dem Coronavirus infiziert.“

Geldern, Haus Boeckelt v.l. Marisa Herberhold (stv. Geshäftsleitung), Natalie Lindner und Claudia Kuse (Ltg. soziale Betreuung) Foto: Norbert Prümen/Norbert Prümen (nop)

Doch gleichzeitig tun die Mitarbeiter von „Haus Boeckelt“ alles dafür, um den Senioren folgendes Signal zu senden: „Die Welt da draußen hat euch nicht vergessen.“ Am Anfang stand ein Aufruf an die Menschen in Geldern und Umgebung, die Einrichtung mit Sachspenden zu versorgen. Der Appell hatte durchschlagenden Erfolg. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, so viele Schutzmasken, Hygiene-Handschuhe oder Kittel zu bekommen. Einige Menschen haben auch Stoffe vorbeigebracht, damit wir die Masken selber nähen konnten. Viele Menschen zeigen sich in der Krise solidarisch“, meint Wilmsen.

Soweit die praktische Seite. Was mit Schutzmasken funktioniert, muss doch auch mit den schönen Dingen des Lebens gehen, dachte sich Natalie Lindner. Die Pflegedienst-Leiterin der Einrichtung an der Gelderner Lessingstraße startete über „Facebook“ einen Aufruf mit der Bitte, Ostergrüße an die Senioren zu senden, die zurzeit mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten sind. In Form von selbst gemalten Bildern, Fotos vom Niederrhein und aus dem Gelderland oder Bastelarbeiten. Und auch diese Initiative stößt auf große Resonanz. Seit einigen Tagen klingelt es regelmäßig an der Eingangstür, vor der die Menschen ihre Geschenke ablegen. „Es ist ein schönes Zeichen, dass sich auch viele Kinder an der Aktion beteiligen. Wir dekorieren mit den Präsenten die Aufenthaltsräume. Die Bewohner freuen sich sehr darüber“, sagt Lindner.

Zum Glück seien die Mitarbeiter hoch motiviert und guter Stimmung, heißt es auch in der Seniorenresidenz Bellini. Das übertrage sich auf die Bewohner. Und man biete viele Aktivitäten an, um der Gefahr der Vereinsamung vorzubeugen. So wurde für Ostern fleißig gebastelt, einiges an Dekoration ist dabei entstanden. Das schöne Wetter der vergangenen Tage wurde genutzt, um in kleinen Gruppen in den Garten und vor die Haustür zu kommen. „Wir werden auch die Feiertage gut um bekommen“, ist Anke Bartels-Sprenger sicher. Fertig sind auch schon die Osterkörbchen, die alle Bewohner am Sonntag geschenkt bekommen werden.

Familienbesuch gibt es dann teilweise an den großen Fenstern zum Nierspark hin — natürlich ohne direkten Kontakt. „Das haben wir in den vergangenen Wochen schon ganz gut hinbekommen“, so Anke Bartels-Sprenger. „Haus Boeckelt“ nutzt an den Ostertagen auch die moderne Technik. Maik Wilmsen: „Wir haben ein Tab­let angeschafft, damit die Bewohner ihre Lieben wenigstens beim Telefonieren auf dem Bildschirm sehen können.“ Technisch hat man sich auch im Bellini darauf vorbereitet. „Für die meisten unserer Bewohner ist das aber doch sehr ungewohnt“, so Anke Bartels-Sprenger.