Geldern: Klimaschutzmanager soll für grünere Stadt sorgen

Stelle für Umwelt : Geldern sucht Klimaschutzmanager

Alle Aktivitäten für eine grünere Stadt sollen in einer Stelle gebündelt werden. Auch die Forderungen der „Fridays for Future“-Demo stehen noch zur Debatte. Eine erste Änderung gibt es bereits: Einwegbecher sollen bald tabu sein.

Damit in Geldern mehr Pflanzen und Blumen blühen, damit möglichst wenig Müll auf den Straßen liegt und wenig Energie verbraucht wird, damit auch die Kleinen lernen, wie Klimaschutz funktioniert, soll es in der Verwaltung eine Person geben, die das alles in die Hand nimmt. Die Stadt hat eine „Stabsstelle Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit“ ausgeschrieben.

„Der Klimaschutz beschäftigt nicht nur die Bürger, wie die Ergebnisse der Europawahl gezeigt haben, sondern auch uns als Kommune“, sagt Bürgermeister Sven Kaiser. „Wir haben schon viele verschiedene Aktivitäten zu Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, die wir nun gerne bündeln wollen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt einen Klimaschutzmanager beschäftigt. Bis vor etwa fünf Jahren hat es die Stelle schon einmal gegeben, damals mit befristeter Förderung. Aktuell kümmern sich mehrere Angestellte verstreut bei der Verwaltung um Umweltthemen. Nun soll die Stelle fest im technischen Dezernat angesiedelt sein unter dem neuen Beigeordneten Tim van Hees-Clanzett, der im Juli sein Amt antritt. Auch der Klimaschutzmanager könnte schon im kommenden Monat starten.

Zu den Aufgaben gehören laut Ausschreibung die Steigerung der Biodiversität im Stadtgebiet, Ausbau der Elektromobilität, Müllvermeidung, die städtische CO2-Bilanz, die Aktion „Geldern blüht auf“ und die Kampagne „Fair Trade Town“. Auch mit Schulen, Kindergärten, Vereinen, Verbänden, Betrieben und Nachbarkommunen soll es einen Austausch geben. So soll der Manager ein Klimabündnis mit anderen Kommunen aufbauen.

Auch der „European Energy Award“, mit dem die Stadt 2016 zertifiziert wurde, liegt dann in der Hand des Klimaschutzmanagers. Mit diesem Programm stellt die Verwaltung ihr eigenes Umweltverhalten auf den Prüfstand. Ebenso das „Energiepolitische Arbeitspapier“, das ein Klimaschutzkonzept für die Stadt und ihre Bürger in Zusammenarbeit mit Externen auf die Beine stellt.

Tim van Hees-Clanzett wünscht sich aber eine Person für die Stelle, die neben den laufenden Projekten auch eigene Ideen mitbringt. Etwa Bildungsarbeit in Schulen, Kindergärten und Vereinen – und auch den Austausch mit Externen, wie den Organisatoren der „Fridays for Future“. Die jungen Demonstranten hatten bei ihrer Aktion auch einen Antrag an die Stadt Geldern mit klimapolitischen Forderungen eingereicht: zum Beispiel erneuerbare Energien für alle öffentlichen Gebäude und ein kostenloses ÖPNV-Netz für Schüler und Senioren. „Wir werden uns mit dem Antragssteller noch mal zusammensetzen und die Punkte auch politisch diskutieren“, sagt van Hees-Clanzett. „Uns ist wichtig, nichts vorab auszuschließen.“

Der Bürgermeister und der zukünftige Beigeordnete betonen aber auch, dass die Stadt bereits viele der geforderten Punkte erfüllt. „Ökostrom, Grünstreifen, Solaranlagen, Elektroautos – wir haben schon viele Themen umgesetzt und angestoßen“, sagt Kaiser. Wichtig sei, nicht alle bundesweiten Forderungen zu übernehmen, sondern auf Geldern anzupassen. „Der öffentliche Nahverkehr zum Beispiel ist in Großstädten ganz anders als bei uns“, sagt van Hees-Clanzett. „Da müssen wir Geldern-spezifische Lösungen finden.“

Offensichtlich ist, dass das Interesse und die Sensibilität der Gelderner für Umweltthemen wächst. Darum können Kaiser und van Hees-Clanzett auch die Beschwerden von Bürgern nach dem Street-Food-Festival verstehen. Dort gab es Getränke in Plastikbechern. „Wir wollen eine grundsätzliche Satzung erlassen, die Mehrwegbecher verpflichtend macht“, stellt van Hees-Clanzett klar. „Einweg wird es bei uns nicht mehr geben.“

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