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Geldern: Hängepartie bei der Kapuzinerkirche

Kommt das Kolumbarium in Geldern? : Hängepartie bei der Kapuzinerkirche

Ein Kolumbarium könnte in der leerstehenden Kapuzinerkirche eingerichtet werden, hieß es zuletzt – eine Bestattungsstätte für Urnen. Die Verwaltung sieht es kritisch, dass diese Einrichtung einem Privatmann gehören soll.

Als es hieß, dass aus der ehemaligen Kapuzinerkirche ein Bestattungsort für Urnen werden könnte, ein so genanntes „Kolumbarium“, waren zunächst mal viele Menschen sehr angetan. Der Eigentümer der profanierten Kirche, Georg Müller, fand die Idee gut und tut das nach wie vor: „Ich stehe hinter dem Kolumbarium“, betonte er auf RP-Anfrage. Bürgermeister Sven Kaiser sah den Ansatz grundsätzlich positiv. Und viele Bürger ebenfalls – die Stadt Geldern spricht von „zahlreichen Mails und Schreiben“, die das Ansinnen unterstützten. Das war im Frühjahr und im Sommer 2017. Getan hat sich seitdem aber nichts.

Im Rathaus hat man deutliche Vorbehalte. „Als nach wie vor kritisch bewertet die Verwaltung, dass diese mögliche Friedhofsstätte sich im Eigentum eines Dritten befindet“, erklärte Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt die Bedenken.

Nach den ursprünglich vorgestellten Plänen sollte die Stadt Geldern die Trägerschaft für das Kolumbarium übernehmen. Nach geltendem Recht dürften Friedhöfe nur von Kommunen oder religiöse Gemeinschaften geführt werden, hieß es dazu. Auch sei der Rechtsbeistand der Stadt Geldern der Auffassung, dass auch für eine Beisetzung im Kolumbarium – selbst, wenn dieses privat geführt wird – Friedhofsgebüren erhoben werden müssten, denn schließlich handele es sich um eine Friedhofsstätte. Sowohl die Stadt Geldern als auch Georg Müller werden durch Anwälte vertreten, die Büros stehen im Austausch.

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Die Stadtverwaltung kann sich nicht damit anfreunden, unter Umständen keine Rechte und keinen Zugriff aufs Gebäude zu haben, wenn Eigentümer oder Betreiber das nicht möchten. „Das ist aus unserer Sicht so nur schwierig haltbar“, meint Bürgermeister Sven Kaiser: „Welche Einflussmöglichkeiten habe ich denn, wenn da irgendwas passiert?“ Die Stadt würde in der Verantwortung stehen, ohne die nötigen Rechte zu haben, meint er.

Man habe ein „Stiftungsmodell“ vorgeschlagen, an dem Georg Müller, die Stadt Geldern und die katholische Gemeinde beteiligt sein könnten, erklärt Stadt-Sprecher van Stephoudt. Das sei aber für Müller nicht infrage gekommen: „Er will alleiniger Eigentümer bleiben. Da lässt er nicht mit sich reden“. Zur Erörterung von Einzelheiten darüber, wie so eine Stiftung im Einzelnen gestaltet sein sollte, sei man daher auch gar nicht erst gekommen. Man habe sich noch nicht über die mögliche Verteilung von Besitzverhältnissen an der Immobilie oder die Gewährung von Rechten unterhalten.

Die kritische Grundhaltung der Gelderner Stadtverwaltung bedeutet jedoch noch nicht, dass die Planung für ein Kolumbarium dadurch unbedingt aufgehalten wird. „Die Entscheidung über das weitere Vorgehen trifft selbstverständlich die Politik, der der Sachverhalt geschildert werden wird“, heißt es aus dem Rathaus. „Vorgesehen ist derzeit, dass die politische Beratung nach der Sommerpause erfolgt.“

Die Kapuzinerkirche steht seit bald zwei Jahrzehnten leer. Bürgermeister Sven Kaiser hatte in seinem Bürgermeister-Wahlkampf das Ziel vorgestellt, diesen Zustand kurzfristig zu beenden. Generell finde er die Idee für ein Kolumbarium immer noch gut, so Kaiser: „Das Objekt an sich passt natürlich zu so einer Stätte.“