Geldern: Gestohlenes Kunstwerk taucht wieder auf

Kleinstes Straßenmalerbild der Welt: Gestohlenes Kunstwerk ist wieder da

Vor 32 Jahren wurde das kleinste Straßenmalerbild der Welt in Geldern gestohlen. Nun ist es wie aus dem Nichts aufgetaucht und in guten Händen. Peter Busch, damals zu Unrecht als Dieb verdächtigt, erzählt die Geschichte.

Peter Busch, Künstler aus Geldern, staunte am Mittwochnachmittag nicht schlecht, als ein guter Bekannter in seinem Atelier erschien und ihm einen in ein weißes Stofftuch gewickelten Pflasterstein überreichte. Auf der Vorderseite sind die „Betenden Hände“ von Dürer zu sehen, auf der Rückseite steht aufgemalt –Willi Klümpen 7.9.1986–. „Mit diesem Stein hat es eine ganz besondere Bewandtnis“, so Busch, „damals wurde ich völlig zu Unrecht des Diebstahls beschuldigt.“

Peter Busch erinnert sich: Straßenmaler 1986 – also vor 32 Jahren. Zum achten Mal fand der durch den damaligen Werbeleiter der Stadt Geldern, Herbert Winnenburg, ins Leben gerufene Wettbewerb statt. Busch gehörte wie immer zu den Juroren.

Hinter der Pfarrkirche Maria Magdalena sollte für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde das größte bisher gemalte Straßenbild entstehen. Eine perfekte Ideenvorlage für Willi Klümpen, um zur gleichen Zeit vor der Kirche das kleinste Straßenbild der Welt zu malen.

Die Straßenführung vor der Kirche war damals noch eine andere als heute. Den kleinen Kreisverkehr um die große Platane gab es nicht, der normale Bürgersteig verlief vor dem Baum und war plattiert und stellenweise mit Pflastersteinen ausgebessert. Und auf einem dieser Pflastersteine hat Klümpen, der vor Jahren verstorben ist, gemalt.

„Stundenlang hat der da auf den Knien gelegen“, wusste Busch genau zu berichten, „und mit ganz feinen weißen und grauen Kreidestiften hat er da gearbeitet, ganz filigran. Und zum Schluss hat er mit schwarzer Tusche die Hände umrandet, um sie besser hervorzuheben.“

Die Jury mit Busch, Winnenburg als Veranstalter und dem Guinnessbuch-Komitee standen nun staunend vor Klümpens Werk, dem Pflasterstein mit den betenden Hände – der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde mit dem kleinsten je gemalten Straßenbild war Willi Klümpen gelungen.

Peter Busch, auch heute noch für seine flotten Sprüche bekannt, wusste es noch, als wäre es gestern gewesen: „Ich sagte noch zu Herbert, der Stein ist nicht lange da.“ Und Herbert konterte scherzhaft: „Ja, dann wissen wir ja, wer ihn hat.“

Und wie der Teufel es will – am nächsten Tag war das Kunstwerk weg, einfach verschwunden. Unbekannte hatten den Stein aus dem Boden gekratzt und mitgenommen. „Sie glauben gar nicht, was da auf einmal los war. Ich hatte den Stein nicht, aber keiner hat es mir geglaubt“, erzählte Busch weiter. „Sogar die Rheinische Post hat groß davon berichtet.“

Nun ist er ja wieder da und in guten Händen. Zum Überbringer des wertvollen Pflastersteins und wie dieser in den Besitz gekommen war, wollte Busch nicht näher eingehen. Auch nach dem Hinweis, dass die Straftat längst verjährt sei, wollte er sich nicht weiter zu den genaueren Umständen einlassen. Er wüsste, wovon er rede, und hatte dabei noch zu gut in Erinnerung, wie es ihm vor 32 Jahren ergangen war, als man ihn des Diebstahls bezichtigt hatte.

Busch ließ lediglich durchsickern, dass der Überbringer den „geklauten Stein“ zu Hause gefunden und nicht gewusst habe, welche Geschichte sich hinter dem Stein verbirgt. Er habe nur gedacht: „Der könnte was für Peter sein.“

„Natürlich ist er was für mich, dieser Stein ist was ganz Besonderes, sowohl aus künstlerischer Sicht, aber auch für mich persönlich“, schwärmte Busch. „Mit dem Stein verbinde ich sehr viele Erinnerungen.“

Busch wäre nicht Busch, wenn er sich nicht schon auf ein Wiedersehen mit Herbert Winnenburg freuen würde, möglichst anlässlich des 40. Straßenmalerwettbewerbs am 25. und 26. August, um ihm dann den „gestohlenen Stein“ unter die Nase zu halten

Selbstverständlich würde er bei entsprechendem Interesse den Pflasterstein für die Öffentlichkeit zugänglich machen – vielleicht in einer Vitrine an einem geeigneten Ort. Aber nur leihweise, denn er möchte den Stein gerne in seinem Besitz halten.