Geldern: Frust über neu umgestalteten Bahnhofsplatz

Umgestaltung in Geldern : Frust über neuen Bahnhofsplatz

Asphalt und Betonstein dominieren den Vorplatz des Gelderner Bahnhofs, der gerade erst umgestaltet wurde. Der Bürgermeister sagt klar: „Mir gefällt es da überhaupt nicht.“ Nun stellt er die Planung für die Innenstadt in Frage.

Der Umbau der Bahnhofstraße und des Vorplatzes ist noch nicht ganz abgeschlossen. Und schon jetzt gibt es die große Kehrtwende. „Ich habe gedacht, ich sehe hier nur Asphalt“, erzählt Bürgermeister Sven Kaiser von seinem ersten Eindruck des Vorplatzes. „Mir gefällt es da überhaupt nicht.“

Betonstein und Asphalt dazwischen einige Bäume – das hatten Politik und Stadtverwaltung in Workshops und Auschusssitzungen so ausgearbeitet, so wurde es umgesetzt. Wirklich zufrieden scheint aber keiner damit zu sein. Zugegeben: Die Umgestaltung ist noch nicht ganz abgeschlossen, Pflanzen und weitere Bäume sollen noch folgen, im April soll alles fertig sein. Trotzdem stellt die Stadtverwaltung nun die gesamten Gestaltungspläne in Frage. „Wenn man es live sieht, muss man sich fragen, ob wir das so weiterführen wollen“, sagt Kaiser. Er sei schon von Bürgern angesprochen worden, ob sich dort überhaupt etwas verändert habe.

Denn eigentlich, so war es geplant, sollte sich die neue Gestaltung vom Bahnhof bis in die Innenstadt ziehen. Vor allem die Kapuziner Straße, die Heilig-Geist-Gasse und der Kapuzinerplatz sollen ein neues Gesicht bekommen. Hier sollten eigentlich ein Wasserspiel entstehen, eine Einfassung für die Müllbehälter, die Einfahrt in die Tiefgarage soll überdacht werden. Die Ausschreibung dafür hat die Stadtverwaltung aber erst einmal aufgehoben, weil die Kosten das Budget überschreiten. Die Umgestaltung des Kapuzinerplatzes sollte doppelt so teuer werden, wie von der Stadt veranschlagt.

Wegen der hohen Kosten und dem Frust über die Ergebnisse am Bahnhof wollen die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung nun alles neu überdenken. Der Beigeordnete Tim van Hees-Clanzett spricht von einem „Innehalten“ und Überprüfen der Zielsetzungen, vor allem damit sich die Gelderner mit ihrer Innenstadt auch nach einem neuen Anstrich identifizieren können. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt.

Darum hatte Tim van Hees-Clanzett einen unabhängigen Experten hinzugezogen. René Rheims vom Büro „Kraftraum“ aus Krefeld hatte mit dem Beigeordneten mehrere Stadtspaziergänge gemacht und eine Ideenskizze ausgearbeitet. Die stellte der Landschaftsarchitekt am Mittwoch dem Bauauschuss vor.

Das große Thema: Material. Ein einheitliches Bild an Bodenbelägen gebe es derzeit nicht in Geldern, sagt Rheims und spricht vorsichtig von einer „Materialschlacht“. Charakteristisch für den Niederrhein seien jedoch die rostroten Klinkersteine, wie es sie auch in der Glockengasse gibt. Er schlägt in der Skizze daher vor, den Ortskern innerhalb der Wälle mit Klinker zu gestalten. Das käme vor allem Fußgängern und Radfahrern zugute. Außerhalb davon, wo auch viele Autos unterwegs sind, könne man auch mit Asphalt arbeiten. Um mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, könne man Hochbeete mit integrierten Sitzbänken aufstellen – auch am Bahnhofsvorplatz. Zudem schlägt er eine zusätzliche Begrünung an der Bahnhofstraße vor. Auch die Pläne, die es bisher für den Kapuzinerplatz gibt, hält René Rheims nicht für ideal. Das angedachte Wasserspiel sei an der Stelle nicht angemessen, dafür sei der Platz zu klein. Um Kosten zu sparen, schlägt der Stadtplaner außerdem vor, keine Behälter für die Mülltonnen anzuschaffen, sondern sie in der Tiefgarage aufzubewahren. Vor allem aber kritisiert er die Pläne für die Einfahrt zu der Garage in der Mitte des Platzes. Die wolle er nicht noch mehr in den Vordergrund rücken, sondern lieber kaschieren – mit einer Rund-um-Begrünung und Sitzgelegenheiten.

Obwohl der Vorstoß der Stadtverwaltung die bisherigen Pläne über den Haufen wirft, nahmen die Politiker die Ideenskizze positiv auf. Anfang des Jahres soll es einen neuen Workshop zur Umgestaltung der Innenstadt geben.