Drama in Geldern Kind überlebte den Sturz aus 7. Stock wie durch ein Wunder

Geldern · Der Sechsjährige, der bei einem Mehrfamilienhaus aus dem Fenster fiel, muss mehr als einen Schutzengel gehabt haben. Dass jemand einen Sturz aus dem siebten Stock überlebt, grenzt an ein Wunder.

In diesem Hochhaus stürzte der Junge aus dem siebten Stock, er landete auf der Rasenfläche, die sich um das Gebäude zieht.

In diesem Hochhaus stürzte der Junge aus dem siebten Stock, er landete auf der Rasenfläche, die sich um das Gebäude zieht.

Foto: Norbert Prümen

Der tragische Sturz eines Kindes aus dem Fenster macht viele betroffen. Dass der Sechsjährige den Sturz aus dem siebten Stock überhaupt überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Die Polizei will das Wort „Wunder“ zwar nicht verwenden, spricht aber davon, dass das Kind ganz viel Glück gehabt haben muss.

„Bei einem Sturz aus dieser Höhe von mehr als 20 Metern spielt es eigentlich auch gar keine Rolle mehr, auf welchen Untergrund jemand fällt“, sagt Polizeisprecher Philipp Pütz. Jeder, der vom Zehn-Meter-Brett springe und auf der Wasseroberfläche falsch aufkomme, spüre ja bereits, welche Schmerzen ein solcher Sturz verursachen könne. Wenn man auf harten Untergrund falle, seien die Folgen ja noch massiver. Der Junge war nach Angaben der Polizei auf eine Rasenfläche gefallen, aber auch das wird die Wucht des Aufpralls nur ein bisschen verringert haben.

Geldern: Kind fällt im sechsten Stock aus dem Fenster
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Kind wird bei Sturz aus Fenster schwer verletzt

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Foto: Norbert Prümen

Versorgt worden war der Junge vom Rettungsdienst des Kreises. Sobald ein Sturz aus mindestens drei Metern Höhe vorliegt, schickt die Leitstelle des Kreises Kleve in jedem Fall eine Notärztin oder einen Notarzt zum Einsatz mit. „Drei Meter sind eine Höhe, bei der auch schwerere gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden können. Mit zunehmender Höhe nimmt das Risiko einer schweren Verletzung zu“, so Kreissprecher Benedikt Giesbers. Beim Vorfall in Geldern stürzte das Kind ja noch aus weitaus größerer Höhe in die Tiefe. Ein Sturz aus mehreren Stockwerken Höhe sei in der Regel mit sehr schweren oder gar tödlichen Verletzungen verbunden, so Giesbers. Das zeigt, dass der Junge einen Schutzengel gehabt haben muss.

Wie berichtet, hatte sich das Unglück am Samstagabend gegen 19.15 Uhr an einem Mehrfamilienhaus an der Straße Am Bollwerk ereignet.

Das Kind wurde durch den Sturz schwer verletzt, Lebensgefahr bestehe glücklicherweise nicht, bestätigte der Polizeisprecher auch am Montagmorgen noch einmal. Das Kind war zuerst im Krankenhaus behandelt worden, dann hatte ein Rettungshubschrauber den Sechsjährigen in eine Spezialklinik geflogen.

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Junge das Fenster selbst geöffnet, ohne dass die Mutter das bemerkt hat. Die Mutter befand sich zur Zeit des Unfalls ebenfalls in der Wohnung und kümmerte sich um den jüngeren Bruder des Sechsjährigen. Der Vater war zu dieser Zeit nicht in der Wohnung.

Der Junge hat wohl das Fenster geöffnet, war auf den Fenstersims geklettert und hatte dann das Gleichgewicht verloren. Er war aus dem siebten Stock des Hauses in die Tiefe gestürzt. Ein Nachbar hatte den Unfall bemerkt und sofort die Rettungskräfte verständigt, die bereits wenige Minuten später von Ort waren.

Der Vorfall belastet die Familie natürlich sehr. Sie wurde nach dem Unglück vom polizeilichen Opferschutz betreut. Diese Betreuung wird auch weitergehen. „Wir lassen nach einem so schweren Unglück die Familie nicht allein“, sagt der Polizeisprecher. Das Ehepaar habe das Angebot, sich jederzeit bei der Polizei zu melden, wenn es Unterstützung brauche. Gleichzeitig werde der Opferschutz telefonischen Kontakt halten, um auf dem Laufenden zu bleiben, wie es der Familie geht.

Wie viel Glück der Junge in Geldern hatte, zeigen ähnliche Fälle aus dem vergangenen Jahr. Im November hatte ein Kind in Berlin den Sturz aus dem fünften Stock nicht überlebt. In Hamburg waren gleich zwei Kinder kurz hintereinander bei Stürzen aus mehrstöckigen Häusern ums Leben gekommen.

(zel)
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