Geldern: Erste „Fridays for Future“-Demonstration mit 500 Teilnehmern

„Fridays for Future“-Demonstration in Geldern : „Weil ihr unsere Zukunft klaut“

Erste "Fridays for Future"-Demo in Geldern

„Fridays for Future“: Am Freitag sind in Geldern zum ersten Mal junge Demonstranten für das Klima auf die Straße gegangen. Sie haben konkrete Forderungen für die Stadt.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, rufen die jungen Demonstranten auf dem Gelderner Marktplatz. Viele haben sich vorbereitet, halten Plakate und Banner in die Höhe. „Es gibt keinen Planet B“ steht darauf oder „Opa, was ist ein Eisbär?“. Andere nehmen es mit Humor. „The climate is hotter than my boyfriend“ steht auf dem Plakat eines Mädchens, auf Deutsch: „Das Klima ist heißer als mein Freund“.

Dabei haben sich die etwa 500 Protestler wegen eines ernsten Anliegens versammelt. Unter dem Namen „Fridays for Future“ gehen junge Menschen, vor allem Schüler und Studenten, auf die Straße und setzen sich für den Klimaschutz ein. In Geldern war der Protestmarsch am Freitag der erste in der Stadt.

Jannik Berbalk aus Pont hat die Demonstration organisiert. Der 20-jährige Abiturient engagiert sich seit Februar in der „Fridays for Future“-Ortsgruppe Kleve. „Ich habe vergangenes Jahr den Dürresommer miterlebt und war im Hambacher Forst“, erzählt er. „Da habe ich gemerkt, dass etwas getan werden muss.“ Ihm ist wichtig, dass sich nicht nur in Großstädten demonstriert wird, sondern auch in kleineren Kommunen. „Es geht darum, dass jeder einzelne Bürger davon angesprochen ist, nachhaltig zu leben. Zum Beispiel, Plastik zu vermeiden oder das Auto mal stehen zu lassen. Wir erhoffen uns, dass viele kleine Städte mitmachen und dann eine Revolution von unten kommt.“

Das Ziel der Demonstranten: Das Abkommen von Paris einhalten, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Aber auch für Geldern haben die Aktivisten konkrete Forderungen: zum Beispiel erneuerbare Energien für alle öffentlichen Gebäude und ein kostenloses ÖPNV-Netz für Schüler und Senioren.

Dass es viele Kritiker gibt, ist auch Jannik Berbalk bewusst. Dabei betreffe der Klimaschutz die Niederrheiner ganz direkt: „Wenn wieder so ein Sommer wie letztes Jahr kommt, werden hier ein Drittel der Bäume absterben“, schätzt der 20-Jährigen. „Wir sind davon betroffen, da uns das Wasser ausgehen wird.“ Das Problem, sagt Berbalk, sei viel zu lange verschlafen worden: „Jetzt ist die Zeit zum Handeln.“

Schüler und Erwachsene sind für den Klimaschutz in Geldern auf die Straße gegangen – einige mit einfallsreichen Kostümen und Plakaten. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Gerechnet hatten die Veranstalter mit etwa 1000 Demonstranten, laut Polizei waren es gut 500. Dennoch machte die Truppe viel Lärm bei ihrem Zug durch die Gelderner Innenstadt, vom Markt zum Rathaus. Dort kamen Birgitt Höhn von der Grünen-Fraktion im Kreistag und Bürgermeister Sven Kaiser zu Wort. Wer an diesem Tag zum ersten Mal auf einer Demo ist, will Höhn wissen. Fast alle Schüler heben die Hand. „Ihr werdet merken, dass ihr damit richtig was bewegen könnt, und es wird bestimmt nicht eure letzte Demo sein“, sagt die Grünen-Politikerin.

Auch Sven Kaiser zeigt sich beeindruckt von dem Engagement der Jugendlichen. „Ich unterstütze euer Engagement in einer Zeit, in der der Jugend häufig vorgeworfen wird, sich nicht für gesellschaftliche Themen zu interessieren“, sagt der Bürgermeister. „Die Demo zeigt das Gegenteil.“ Er wolle die Forderungen der Aktivisten in der Politik besprechen. Eine Änderung konnte er bereits ankündigen: Der Steingarten vor dem Bürgerforum soll verschwinden und für eine bienenfreundliche Bepflanzung weichen.

„Fridays for Future“-Demonstration in Geldern. Foto: Verena Kensbock

In der kommenden Woche wird in Geldern keine Demonstration stattfinden, heißt es von der Ortsgruppe. Da konzentrieren sich die Aktivisten auf Kleve mit der bevorstehenden Europawahl. Es sei aber geplant, auch in der Drachenstadt zukünftig weitere Demos auf die Beine zu stellen, eventuell auch mit einer eigenen Ortsgruppe.

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