Geldern: Drei neue Sirenen für die Innenstadt

Drei Anlagen für die Innenstadt : In Geldern ertönen bald neue Sirenen

Auf dem Dach der Feuerwehr steht sie schon: eine von drei neuen Sirenenanlagen zur Warnung der Bevölkerung. Das Besondere: Die Signalhörner funktionieren mit Solarstrom.

Schwindelfrei mussten Johannes Lörcks und Johannes Dercks sein, als sie auf das Dach der Feuerwache stiegen. Der Chef der Gelderner Feuerwehr und der Leiter des städtischen Ordnungsamtes hatten aber eine wichtige Mission: Die erste von drei neuen Sirenenanlagen in Betrieb nehmen.

Bis in die 1980er Jahre war Geldern mit einem Netz von Sirenen ausgestattet. 86 Anlagen waren in der Stadt und in den Ortschaften verteilt, um die Bevölkerung im Brand- und Katastrophenfall warnen zu können. Allerdings waren die Gebäude, auf denen die Sirenen installiert waren, zum Teil so alt, dass die Wartungskosten in die Höhe schossen. So steht es in der Beschlussvorlage des Stadtrates.

Auch die Alarmierung der Feuerwehr sei zu dieser Zeit über analoge Meldeempfänger sichergestellt gewesen. Die Warnung der Bevölkerung über Sirenen wurde nach der entspannten politischen Lage und der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland nicht mehr für notwendig gehalten – die Anlagen wurden vollständig abgebaut.

Johannes Dercks (vorne) und Johannes Lörcks begutachten die neuen Sirenenanlage auf der Feuerwache in Geidern. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)

Im Dezember 2016 hat es aber eine landesweite Gesetzesänderung gegeben. Dem Gesetz über Brandschutz, Hilfeleistung und Katastrophenschutz zufolge sind die Gemeinden nun mit den Kreisen für die Warnung der Bevölkerung verantwortlich und verpflichtet, diese insbesondere bei einem nuklearen Störfall sicherzustellen.

Der Kreis Kleve ist in so einem Fall die zuständige Behörde für den Katastrophenschutz. In einem Katastrophenschutzplan ist zudem die analoge und digitale Warnung über Sirenen vorgesehen. Aus diesem Plan ergeben sich auch weitere Maßnahmen – zum Beispiel das Verteilen von Jodtabletten für die Gemeinden für den Fall, dass bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod in die Umwelt austritt. Für den Kreis Kleve gebe es kein einheitliches Warnkonzept, heißt es in der Beschlussvorlage. Es bleibe den Kommunen überlassen, wie die Warnung der Bevölkerung funktioniert.

Bereits 2014 hatte die Stadt Geldern vom NRW-Innenministerium eine Förderung in Höhe von rund 22.600 Euro erhalten. Von diesem Geld und etwa 5700 Euro Eigenanteil wurden Warnsysteme angeschafft, die auf städtische Fahrzeuge angebracht wurden. Das Problem: Die Anlagen haben sich offenbar als nicht effektiv erwiesen und erfüllen auch nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen. 2017 hat die Stadt Geldern einen weiteren Zuschuss des Landes bekommen, diesmal in Höhe von 22.300 Euro. Dieser sei zum Ausbau der Warnsysteme zu verwenden und dient nun als Startkapital für die neuen Sirenen.

Die Anlagen kosten jeweils 7000 Euro. Die ersten drei Warnsysteme in der Gelderner Innenstadt können damit also finanziert werden. Das Besondere: Die Signalhörner funktionieren mit Solarstrom, aus ökologischen Gründen habe man sich bewusst dafür entschieden, sagte Dercks. Um auch die Ortschaften abzudecken, seien aber insgesamt 20 Sirenen notwendig. Ob es für die restlichen Anlagen weitere Förderungen vom Land gibt, sei noch unklar. Ansonsten müsste die Stadt etwa 120.000 Euro für die 17 weiteren Warnanlagen investieren. Alle Anlagen sollen auf städtischen Gebäuden – wie auf der Feuerwache – installiert werden. So könne man die Wartungsarbeiten vereinfachen. Wenn es an einem Standort kein städtisches Gebäude gibt, könnte die Sirene auch auf einem Mast eingerichtet werden.

Die Entscheidung für den Ausbau des Warnsystems hatte der Rat der Stadt Geldern im April 2018 getroffen. Nun kommen die ersten Anlagen auf die Dächer. Weitere Sirenen sollen auf das Verwaltungsgebäude am Issumer Tor und das Berufskolleg im Nierspark gesetzt werden. Damit sei die Gelderner Innenstadt abgedeckt, sagt Johannes Dercks. Danach stehe die Ausstattung der Ortschaften an. Bevor die neuen Sirenen getestet werden, werde die Bevölkerung erst noch informiert, teilte Dercks mit.

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