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Geldern: Geldern: 90 Meldungen über gefährdete Kinder

Geldern : Geldern: 90 Meldungen über gefährdete Kinder

Das Jugendamt der Stadt hat in diesem Jahr so viel zu tun wie noch nie. In vier Monaten mussten 14 Kinder aus den Familien genommen werden. Auch die Alarmierungen nehmen drastisch zu.

Es ist das allerletzte Mittel, das dem Jugendamt bleibt, um ein Kind zu schützen: In 14 Fällen mussten die Mitarbeiter alleine in den Monaten Mai bis August die Entscheidung treffen, das Kind aus der Familie zu nehmen und, wahrscheinlich dauerhaft, an einem anderen Ort unterzubringen.

Helmut Holla, Leiter des Jugendamtes: "Das ist jedes Mal eine sehr schwere Entscheidung, die auch immer erst beraten wird. Kein Mitarbeiter muss oder kann das alleine entscheiden." Denn diese Maßnahme werde für die Kinder zu einer traumatischen Erfahrung — sie würden auch dann trauern, wenn es ihnen eigentlich vorher nicht gut ging. Oft werde ihnen erst nach einiger Zeit klar, in welchen Verhältnissen sie lebten und dass das nicht der normale Zustand sei, so Holla.

Wobei die endgültige Entscheidung sowieso nicht das Amt, sondern ein Familiengericht trifft, wie Walburga Bons, Leiterin der Abteilung Pädagogische Dienste, betont. "Wenn wir ein Kind vor konkreter Gefahr schützen müssen, dann muss das innerhalb eines Tages vom Gericht bestätigt werden", erklärt sie. Das ist nur dann nicht nötig, wenn die Eltern zustimmen, dass das Kind zunächst durch das Jugendamt in Obhut genommen wird. "Da reagieren die Eltern sehr unterschiedlich", wissen Holla und Bons, "einige stimmen zu, dass ihr Kind zur Krisenintervention zumindest für einige Zeit aus der Familie genommen wird." Dass es derzeit so viele Fälle sind, "das habe ich so auch noch nicht erlebt", sagt Holla.

Drastisch gestiegen sind auch die Meldungen über eine sogenannte "Kindeswohlgefährdung". Nach 74 im vergangenen Jahr, waren es allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres schon 90. An manchen Tagen gebe es "drei bis vier Anrufe", merkt Holla an. Dafür verantwortlich macht er eine gesteigerte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung, aber auch die gute Netzwerkarbeit des Jugendamtes, das sich zum Ziel gesetzt hat, schon vorbeugend zu handeln, damit es gar nicht erst zur letzten Maßnahme kommen muss.

Walburga Bons: "Wir arbeiten mit Hebammen, Gynäkologen, Kindergärten und Schulen zusammen. Wenn von dort Hinweise kommen, dann werden wir tätig. Wir bauen auf ein Netzwerk für frühe Hilfen." Zunächst gehe das Jugendamt nach einem festen Schema allen Hinweisen nach. Sollten tatsächlich Probleme festgestellt werden, werde mit den Eltern eine Lösung gesucht. Bons: "Wir bieten unsere Hilfe an und kümmern uns um die Familie."

Die gestiegenen Fallzahlen sind für die Mitarbeiter des Jugendamtes nicht nur eine emotionale Belastung, auch die Arbeit nimmt zu. Auch deshalb hat der Rat der Stadt in dieser Woche zugestimmt, dort neue Stellen zu schaffen. Genehmigt wurden eine halbe Stelle im Bereich des Pflegekinderdienstes und eine Stelle im Bereich der Amtsvormundschaften. Kosten allein für diese beiden Stellen: 72 1000 Euro.

(RP)