Gemeindeleben Vier Pfarrer, vier Lieder

Niederrhein · Die Botschaften, die sich hinter gesungenen Texten verbergen, darum geht es in den Liedpredigten. Die Geistlichen haben Liedgut ausgesucht, mal mehr, mal weniger bekannt, aber immer mit einer persönlichen Note.

 Ulrike Stürmlinger, Yvonne Brück, Karin Latour, Harry Itrich (v.l.) und Christian Werner an der Gitarre sind startbereit für das Projekt „Gesungene Botschaft— vier nachdenkliche Liedpredigten.

Ulrike Stürmlinger, Yvonne Brück, Karin Latour, Harry Itrich (v.l.) und Christian Werner an der Gitarre sind startbereit für das Projekt „Gesungene Botschaft— vier nachdenkliche Liedpredigten.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

In den nächsten zwei Monaten wird es in den evangelischen Kirchen in Niederdorf, Straelen, Issum, Aldekerk und Wachtendonk musikalisch, vielleicht mehr als sonst. Die Kirchengemeinden machen gemeinsame Sache. Und die heißt: „Gesungene Botschaft – vier nachdenkliche Liedpredigten“. Dabei kooperieren die evangelischen Kirchengemeinden in Issum, Kerken und Straelen-Wachtendonk miteinander. Jede gestaltet es ein bisschen anders, aber in jeder wird jede der vier Liedpredigten mit dem entsprechenden Pfarrer zu hören sein. So gesehen ist ein bisschen ein musikalischer Kanzeltausch.

Schon einmal haben die drei Kirchengemeinden zusammengearbeitet, damals ging es um eine Predigtreihe zu Luther, und das Miteinander kam gut an. Die Lieder, um die es in der anstehenden Reihe geht, sind mal mehr, mal weniger bekannt. Sinn ist es, mehr auf den Inhalt des Liedes, den Text, zu achten. Oft wird das gesungene Lied als ein Musikstück wahrgenommen, aber welche Kostbarkeiten es in sich verbirgt, das komme beim Singen vielleicht manchmal zu wenig zum Tragen, erklärt Pfarrerin Ulrike Stürmlinger den Nutzen der Liedpredigten. Zu den Liedern gibt es jeweils eine persönliche Geschichte.

Schon immer begleitet Issums Pfarrerin Yvonne Brück das Lied mit der Nummer 488 im evangelischen Gesangbuch: „Bleib‘ bei mir, Herr!“ „Das ist mit eins der schönsten Abendlieder, das auch wert ist, morgens gesungen zu werden“, sagt die Pfarrerin fröhlich. Außerdem sei es ein Lied, dass in ganz viele Situationen passt.

In Situationen der Trauer, ob gesungen oder gesprochen, passe ihr Lied, stellt Pfarrerin Ulrike Stürmlinger ihr ausgesuchtes Stück vor. Mit „Ich steh‘ vor Dir mit leeren Händen, Herr“, habe sie etwas herausgesucht, was die Verlorenheit des Menschen in der heutigen Sprache ausdrücke. Es ist ein Lied, dass sie in ihrer beruflichen Arbeit als Seelsorgerin kennen und schätzen gelernt hat. Nichts in den Händen halten, wenn uns Schicksalsschläge überrollen, das Getrenntsein von Gott, all dies drücken Text und Melodie aus. Das Lied gebe aber auch den Blick frei für die andere Wahrheit, die Fürsprache Gottes, dass es ein Sich-Aufgehoben-Wissen gibt, auch wenn es sich anders in der momentanen Situation anfühlt. „Zuspruch“, dass wird den Menschen gereicht, die das Lied aufmerksam hören.

Die Friedensbotschaft Gottes spiegelt das Lied wider, mit dem sich Pfarrerin Karin Latour aus Kerken beschäftigt. Da ist auf der einen Seite das, was Tagesthemen in den Nachrichten sind, die vielen Kriege, Terror und fliehende Menschen. Auf der anderen Seite steht die Friedensbotschaft in den letzten Tagen. So heißt auch der Titel: „Es wird sein in den letzten Tagen“. „Ich kenne das Lied relativ lange, es ist nicht so leicht zu singen“, sagt die Kerkener Pfarrerin. „Aber ich finde es wunderschön.“

„Genial“ lautet Pfarrer Christian Werners Einschätzung zu Paul Gerhards „Befiehl Du Deine Wege“. Zwölf Strophen hat das Lied, das der Straelener Pfarrer für seine Liedpredigt herausgesucht hat. Um sich die Reihenfolge zu merken, griff Gerhard zu einem Kniff. Jede Strophe beginnt mit einem Wort aus dem Psalm 37,5. Der lautet „Befiehl dem Herrn Deine Wege und hoff‘ auf ihn, Er wird’s wohl machen“. Der Text erreicht die Menschen heute noch und enthält die essentielle Botschaft, ganz zu vertrauen. Es ist eine gesungene Botschaft. „Der evangelische Gemeindegesang hat eine besondere Tradition“, sagt Werner. Mit den Liedpredigten gibt es dazu den passenden theologischen Hintergrund. „Das Liedgut ist eine Interpretation des göttlichen Wortes aus unterschiedlichen Zeiten“, erklärt Werner. „Singen hat nicht nur etwas Befreiendes, sondern ist auch etwas, an dem sich die Gemeinde aktiv beteiligen kann“, sagt Stürmlinger. „Gerade durch die Melodien, die die Texte begleiten, werden Bereiche in den Menschen zum Klingen gebracht, die mit dem reinen Wort, das über den Verstand geht, nicht erreicht werden“, erklärt Yvonne Brück die hohe Bedeutung christlicher Lieder.

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