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Gasthof Lünebörger in Geldern-Pont nun Unterkunft für Erntearbeiter

Familie Deckers hat Gasthof in Pont renoviert : Lünebörger wird Zuhause für Erntehelfer

In dem renovierten Gebäude in Pont bringt Familie Deckers polnische Mitarbeiter der Rheinischen Pilz-Zentrale (RPZ) unter. Die Gaststätte bleibt dem Dorf dank der Ehrenamtler des Heimat- und Fördervereins erhalten.

Ein wahres Schmuckstück ist das markante Gebäude des Lünebörgers in Pont direkt an der B 58 nach der aufwändigen Sanierung geworden. Die verfallenen Anbauten haben sich in einladend geklinkerte Flügel verwandelt, in denen 45 Appartements zum Wohnen einladen. In den beiden großen Küchen findet man einige Hinweise auf Polnisch, denn das ist die Muttersprache der meisten Bewohner der neuen Zimmer. Familie Deckers bringt hier Erntearbeiter ihrer Rheinischen Pilz-Zentrale (RPZ), rund um Pont besser als Champion Deckers bekannt, unter.

Sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe hat man mit dem Umbau des seit 2013 nicht mehr kommerziell genutzten Gasthofes geschlagen. Zum einen braucht man dringend moderne und gut ausgestattete Wohnangebote für die Mitarbeiter, die sonst nicht mehr an den Niederrhein kämen. „Früher fragten die Bewerber, wie viel sie verdienen können, heute geht es vor allem um das Wohnen und das leistungsfähige Wlan“, weiß Patrick Deckers zu berichten. Gemeinsam mit Bruder Marco und Vater Hans führt er das Unternehmen. Zum Zweiten hat man für Pont ein bauliches Kleinod erhalten und einen wichtigen Baustein des Dorflebens. Denn seit Familie Deckers das Gebäude gekauft hat, sorgt ein ehrenamtliches Team des Heimat- und Fördervereins dafür, dass Pont noch eine echte Kneipe mit Kegelbahn und Gesellschaftsraum hat.

Zurück zum Unternehmen. Seit Hans Deckers vor 46 Jahren mit sechs Aushilfskräften mit der Pilzzucht begonnen hat, hat sich das Unternehmen „ein bisschen vergrößert“, wie er es gern formuliert. Das heißt: Man braucht heute gut 600 Mitarbeiter, um den Betrieb in Pont und in der Dependance „Rhein Neckar Pilze“ (RNP) in Bürstadt aufrecht zu halten. Und Mitarbeiter sind für das Unternehmen, in dem alles in reiner Handarbeit geerntet wird, ein ebenso wichtiges wie knappes Gut. „Natürlich haben wir auch viele Mitarbeiter aus der Gegend. Aber wir benötigen dringend auch die Mitarbeiter aus Polen. Und um die konkurrieren wir mit Betrieben in ganz Europa“, sagt Hans Deckers.Und offensichtlich macht Familie Deckers einiges richtig: Denn die Großzahl der Erntehelfer, fast 90 Prozent, kommt immer wieder an den Niederrhein, meist im Rhythmus: zwei Monate arbeiten, dann für einen Monat in der Heimat sein. Zu den Standards bei Deckers gehört, dass alle sozialversicherungspflichtig arbeiten, krankenversichert sind und mehr als den Mindestlohn verdienen. Ohne Werkverträge, direkt beim Unternehmen beschäftigt. Auch um die Akquise kümmert man sich selbst. „Nur in wenigen Spitzenzeiten greifen wir zusätzlich auf Zeitarbeitanbieter zurück“, so Patrick Deckers. Und die Chefs sprechen übrigens auch Polnisch, sicherlich nicht für jeden Arbeitgeber selbstverständlich.

Marco, Patrick und Hans Deckers mit Clara in der großen Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Dass die Mitarbeiter auch vernünftig wohnen, gehört seit langem zu den Prinzipien. „Wenn wir die Menschen im Dorf unterbringen, soll es auch für die Ponter passen. Für uns ist es ganz wichtig, dass auch die Nachbarn zufrieden sind. Wir sind Ponter und der Ort liegt uns am Herzen. Gute Nachbarschaft ist alles“, so Hans Deckers. Mit dem Lünebörger wurde nun eine neue Qualitätsstufe erreicht. „Wir mussten alles nach den Kriterien für Beherbergungsbetriebe planen, was natürlich so manche Kosten nach oben getrieben hat“, sagt Patrick Deckers. Das Ergebnis sind die modernen Zweibettzimmer mit eigenem Bad, dazu die beiden Küchen, Gemeinschaftsräume und großzügige Außenanlagen. „Leider können wir derzeit wegen Corona nicht alles nutzen“, so Patrick Deckers. Nur im Hauptgebäude gibt es noch die alten Hotelzimmer, die noch modernisiert werden müssen. Dass die Mitarbeiter das Haus zu schätzen wissen, zeigt der Spitznamen, den sie dem Lünebörger gegeben haben: „Belvedere“, frei nach dem Schloss in Warschau, das dem polnischen Präsidenten als Wohnsitz dient.

Corona verhindert momentan auch den Kneipenbetrieb, die Kegelbahn wird gerade auf Vordermann gebracht. Seit 2015 ist die ehrenamtlich geführte Gaststätte ein echter Treffpunkt für die Ponter geworden. Und ein wichtiger Baustein in einem Dorf, in dem mittlerweile vieles geschlossen ist.

(möw)