Gastbeitrag von Heinz Deselaers, Landwirt im Ruhestand Auskiesung zerstört landwirtschaftliche Flächen

Gelderland · Heinz Deselaers, Landwirt im Ruhestand, sieht die Pläne der Kiesindustrie sehr kritisch. Er hofft auf den nötigen Druck auf Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, um die Ausweisung neuer Baggerlöcher zu verhindern.

 Heinz Deselaers, Landwirt im Ruhestand.

Heinz Deselaers, Landwirt im Ruhestand.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der niederländische Aufbereiter hat das schon richtig gesehen, als er zu mir sagte: „Solange die Deutschen so blöd sind, baggern wir weiter.“ Unsere Genehmigungsbehörden übernehmen ihre Verantwortung nicht. Das Jammern der Kiesindustrie hat in den letzten mehr als 20 Jahren immer Erfolg gehabt. Ergebnis: Heute wird ein Vielfaches von vor 20 Jahren abgebaggert.

Man muss doch nur mal den Abtransport auf dem Rhein beobachten. Rechts und links vom Rhein sind keine natürlichen Seen, nur Baggerlöcher. Die Stadt Rees besteht heute schon ohne den Rhein zu 25 Prozent aus Wasser, und die Kies-Unternehmen haben erklärt, dass die Kiesgruben dem Hochwasserschutz dienen. Sicher können die Kiesgruben im Hinterland Mengen von Wasser aufnehmen. Allerdings ist es doch schon vorgekommen, dass das Hochwasser in den Kiesgruben über die Ufer gegangen ist und den üblichen Dreck auf den angrenzenden Flächen hinterlassen hat. Neben dem Transport über den Rhein fahren viele Lkw Richtung Niederlande. Brauchen die Niederlande so viel Kies? Nein. Dort darf seit Jahren nur so viel Kies abgegraben werden, wie im Land auch tatsächlich gebraucht wird. Was macht man in den Niederlanden mit dem Kies? Er wird aufbereitet und geht in alle Welt – der Exportartikel wird billig eingekauft und teuer verkauft. Es wird erzählt, dass man einem Scheich auch schon mit deutschem Sand einen Sandstrand gebaut habe. Wie sagte mir ein Unternehmer einer Aufbereitungsanlage: „Solange die Deutschen so blöd sind, baggern wir weiter“.

Jetzt will man in Bedburg-Hau eine Fläche von 16 Hektar für den Kiesabbau. Dazu muss man wissen, dass 16 Hektar nur der Anfang sind. Wenn man den Anfang schon mal hat, dann geht das auch weiter. Die Kiesindustrie spricht von Arbeitsplätzen. Man schaue sich mal in einer Kiesgrube um. Es gibt nur eine Handvoll Arbeitsplätze. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze befindet sich auf der Straße, es sind die Lkw-Fahrer. Am Niederrhein will die Kiesindustrie aktuell 300 Hektar. Wirtschaftsminister Pinkwart hat der Kiesindustrie sehr viel Freiheiten gegeben. In den letzten 20 Jahren hat sich der Kiesabbau pro Jahr bis heute verdreifacht. Wenn ich das richtig sehe, war zeitweise auch die derzeitige Opposition an der Regierung. Wenn man bedenkt, dass in NRW 20 Hektar pro Tag der Landwirtschaft genommen werden, so hatten wir 2016 die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen seit 1960 verbraucht. Können wir uns das leisten? Für die Bauern ist der Acker sowieso nicht mehr bezahlbar. Es werden viele Betriebe zugemacht, weil die nächste Generation nicht mehr einsteigt. Die Gründe sind vielfältig. Viele Höfe haben jetzt Eigentümer, die in anderen Berufen tätig sind und sich mit dem landwirtschaftlichen Grundbesitz nicht so verbunden fühlen wie die Generationen vor ihnen. Die Kiesindustrie nutzt dies und kauft Höfe zu horrenden Summen.

Die Bevölkerung muss sich endlich melden, muss laut werden. Unser Wirtschaftsminister ist der Mann, der der Kiesindustrie Einhalt bieten muss. Für den Rest der Welt muss der Niederrhein nicht zu den Masuren des Westens gemacht werden. Wir versuchen seit mehr als 20 Jahren, dem Treiben Einhalt zu bieten. Der Wirtschaftsminister hat die Möglichkeit, den Wahnsinn zu beenden. Denn wie sagte mir der Chef der Aufbereitungsanlage in Arcen: „Solange die Deutschen so blöd sind, baggern wir weiter.“ Wer mich im Kampf gegen die massive Auskiesung unterstützen will, melde sich bitte unter juettenhof@t-online.de. Es grüßt der Altbauer vom Jüttenhof, Heinz Deselaers.

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