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Gartenbau begeht mit neuen Ideen der Corona-bedingten Absatzprobleme

Neue Wege in der Corona-Krise : Gartenbau entdeckt den Online-Handel

Die grüne Branche reagiert auf die durch Corona bedingten Absatzprobleme.

Für den Gartenbau im Gelderland ist die Corona-Epidemie nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich eine Katastrophe. Nach einer Mitgliederbefragung schätzt der Landesverband Gartenbau NRW allein bis Juni den Umsatzverlust seiner Mitgliedsbetriebe auf 200 Millionen Euro. Doch die Gartenbaubetriebe stecken nicht den Kopf in den Sand, sondern antworten mit kreativen Ideen.

Pellens Hortensien aus Geldern beispielsweise ist ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, das normalerweise nur über den Großhandel an Weiterverkäufer liefert. Einen Endverkauf gab es bislang nicht. Das ist seit kurzem anders. „Wir hatten wirklich enorme Verluste durch Stornierungen aus dem In- und Ausland“, berichtet Firmeninhaber Andreas Pellens. „Das belief sich an nur einem Tag auch schon mal auf bis zu 80.000 Euro Umsatzverlust. Und das große Problem unserer Branche ist, dass wir unsere Ware nicht für ein paar Wochen auf Lager legen können. Wir müssen wegwerfen, was nicht verkaufbar ist, und bleiben auf den Kosten sitzen. Das ist existenzbedrohend – und das geht einem als Inhaber dann schon extrem an die Nieren“, sagt er offen. „Wir sind alle Menschen und niemand möchte Geld über Menschenleben stellen. Aber wenn man gerade noch ein gut gehendes Unternehmen führt und einem dann die Hände komplett gebunden werden. Wenn man fürchten muss, lange Jahre bei uns beschäftigte Mitarbeiter entlassen zu müssen oder gar in Konkurs zu gehen, dann kommen schlaflose Nächte. Und weil niemand wusste, wie weit die Ausgangssperren oder Verkaufsverbote gehen würden, konnte man in den ersten Tagen auch überhaupt nicht reagieren.“

Doch dann kam der Punkt, an dem die ersten Ideen für Gegenmaßnahmen reiften. Viele Gartenbaubetriebe der Region boten als schnelle Maßnahme einen kontaktlosen Selbstbedienungs-Verkauf ab Hof an. Darunter auch Pellens. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt der Inhaber. „Die meisten Kunden sind offenbar froh, dass sie trotz Corona Pflanzen kaufen können.“ Vor allem aber befeuert die Pandemie auch das Online-Geschäft. „Bislang hatten viele Gartenbaubetriebe wegen der Lieferstrukturen gar keinen Grund, sich damit zu beschäftigen“, sagt Pellens. Der Produzent lieferte an Endverkaufsbetriebe, die in ihren Geschäften sowie auch über Online-Plattformen die Pflanzen verkauften. Jetzt, wo die üblichen Verkaufsketten stillstehen oder zumindest stark ausgebremst sind, gehen einige Produzenten selbst online. Neben Pellens Hortensien zum Beispiel auch Bremkens Orchids aus Walbeck.

 „Einen Versand einzurichten bedeutet schon einige Umstellungen im Betriebsablauf“, erklärt Andreas Pellens. „Personal muss anders eingesetzt werden, Arbeitsplätze müssen neu eingerichtet, passende Verpackungsmaterialien eingekauft werden. Die technische Seite ist da noch fast der geringste Aufwand.“

 Inwieweit all die Maßnahmen tatsächlich ausreichen, muss sich nun in den nächsten Wochen zeigen. Pellens: „Der Gartenbau hat jetzt Saison. In den nächsten drei, vier Monaten müssen wir unseren Jahresumsatz machen, denn im Winter haben wir nur Kosten. Wir alle versuchen, positiv zu denken und Dinge anzustoßen. Und eins muss man sagen: Ob unter Berufskollegen, die Ideen und Erfahrungen austauschen, oder den Kunden, die lokale Betriebe unterstützen wollen, wir merken insgesamt eine große Solidarität.“ 
www.pellens-hortensien.de
www.bremkens-orchids.de

Auch die Rheinische Post leistet mit der Plattform „RP-gemeinsam-stark“ ihren Anteil: www.rp-gemeinsamstark.de.