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Fynn Kliemann Skandal: Geschäftspartner Tom Illbruck von Global Tactics bedroht - nach Böhmermann-Sendung

Wirbel um Masken von Fynn Kliemann : Geschäftsführer von Global Tactics wird nach Böhmermann-Sendung bedroht

Die massiven Vorwürfe im „ZDF Magazin Royale“ gegen Fynn Kliemann und seinen Geschäftspartner Tom Illbruck haben erste Konsequenzen für die Firma Global Tactics aus Kerken. Kunden haben bereits Aufträge storniert. Illbruck selbst wird nach eigener Aussage bedroht.

Das riesige Medienecho auf die Vorwürfe aus der Böhmermann-Show „ZDF Magazin Royale“ hat die Firma Global Tactics in Kerken förmlich überrollt. Geschäftsführer Tom Illbruck schaltete inzwischen eine Kommunikations-Agentur ein, weil er die zahlreichen Anfragen nicht mehr selbst bewältigen kann. Zudem ist Illbruck nach eigenen Angaben bereits persönlich bedroht worden. Die Drohungen habe es per E-Mail und in den sozialen Netzwerken gegeben.

Maskenaffäre: Das sind die Konsequenzen für Fynn Kliemann und Tom Illbruck

Kostenpflichtiger Inhalt Wie berichtet, hatte Böhmermann in der Sendung schwere Vorwürfe gegen Global Tactics und den prominenten Influencer und Musiker Fynn Kliemann erhoben. Masken, die als fair und in Europa hergestellt deklariert waren, sollen ursprünglich in Bangladesch und Vietnam hergestellt worden sein. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Kliemann und Global Tactics hätten 100.000 fehlerhafte Masken an Flüchtlingslager gespendet.

 Fynn Kliemann ist auch als Musiker populär und preisgekrönt (Archivfoto).
Fynn Kliemann ist auch als Musiker populär und preisgekrönt (Archivfoto). Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die Sendung löste eine Welle der Empörung aus. Einige Kunden von Global Tactics hätten die Geschäftsbeziehungen inzwischen beendet, einige ließen sie ruhen, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

 Global Tactics Geschäftsführer Tom Illbruck wird nach den Vorwürfen in der Sendung jetzt bedroht (Archivfoto).
Global Tactics Geschäftsführer Tom Illbruck wird nach den Vorwürfen in der Sendung jetzt bedroht (Archivfoto). Foto: Illbruck

So schreibt der FC St. Pauli als Kunde von Global Tactics auf seiner Internetseite: „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und befinden uns aktuell mit Hochdruck in der internen Aufarbeitung. Was wir zum jetzigen Zeitpunkt jedoch sagen können: Eine geplante weitere Zusammenarbeit des FC St. Pauli mit Global Tactics hinsichtlich eines anderen Projekts wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits gestoppt.“ Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde man „sämtliche zur Verfügung stehenden juristischen Konsequenzen prüfen lassen“.

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Juristische Konsequenzen will der Kreis Wesel dagegen nicht ziehen, wie er auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Der Kreis hatte 2020 Kostenpflichtiger Inhalt 20.000 Stoffmasken bei Global Tactics gekauft. Stückpreis: 93 Cent. Der Gesamtpreis des Auftrags lag inklusive Mehrwertsteuer und Versand bei 22.134 Euro. „Im April 2020 waren die weltweiten Warenwege für Hygieneprodukte wie Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel im Rahmen der Corona-Pandemie so gut wie zusammengebrochen. Da medizinische Mund-Nasen-Masken kaum bis gar nicht mehr erhältlich waren, hat der Kreis Wesel – wie viele andere Behörden – wiederverwendbare textile Mund-Nasen-Schutzmasken bei verschiedensten Herstellern eingekauft“, so Eva Richard, Sprecherin des Kreises Wesel. Die Masken seien bei entsprechendem Bedarf unter anderem an Schulen und Altenheime verteilt worden. Ausschlaggebend für den Kauf seien in erster Linie Preis, Verfügbarkeit und Produktqualität gewesen.

Der Kreis Kleve dagegen hat keine Masken von Global Tactics bestellt. Man habe auch nie textile Masken geordert, so Kreissprecherin Ruth Keuken.

Wie viele Masken Global Tactics überhaupt bezogen hat und aus welchen Ländern, das ist auch Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Der Hersteller der Masken hat Global Tactics verklagt und in erster Instanz beim Landgericht Kleve Recht bekommen. Im Grunde sei es in dem Verfahren darum gegangen, zu klären, ob bestimmte Waren geliefert und auch bezahlt wurden, so Christina Klein Reesink, Sprecherin des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Dort liegt das Verfahren jetzt, weil der Hersteller in erster Instanz Recht bekam und Global Tactics dagegen Berufung einlegte. Im Kern geht es um einen Streit darüber, wie viele Masken geliefert wurden. Das Gericht hat Global Tactics verurteilt, rund 400.000 Euro plus Zinsen nachzuzahlen.

Pikant ist, dass auch im Schriftsatz des Gerichts zum Urteil folgender Satz auftaucht: „Die Masken aus Bangladesch waren von unzureichender Qualität und wurden im Einvernehmen der beiden Parteien gespendet.“ Hier geht es um eben jene Masken, die in die Flüchtlingslager geliefert wurden. Der Satz sei nur zur Einordnung des Gesamtkontextes aufgenommen worden, er spiele für das Urteil aber keine Rolle, hieß es von Seiten des Gerichts. Die Qualität der Masken sei nicht Gegenstand des Verfahrens.

Gleichwohl ist gerade die Frage der schadhaften Masken eine entscheidende, die auch für viel Wirbel in der Öffentlichkeit sorgt. Die „ZDF Magazin Royale“-Redaktion hatte Fotos veröffentlicht, die schadhafte Masken mit gerissenen Nähten zeigten.

„Tom Illbruck legt Wert auf die Feststellung, dass Tom Illbruck und Global Tactics zum Zeitpunkt des Versands der betroffenen Masken an ein Flüchtlingscamp in Griechenland und im Zeitraum danach nicht über die genauen Qualitätsmängel informiert wurden. Der Produzent der betroffenen Masken sprach in seiner Kommunikation über diese Mängel mit Tom Illbruck von abweichenden Schnittmustern, ohne dies weiter auszuführen. Er selbst regte an, diese Masken zu spenden. Tom Illbruck stimmte dem zu“, schreibt ein Sprecher von Global Tactics in einer Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion.

„Erst lange Zeit später - im Jahr 2021 - wurde Tom Illbruck gewahr, um welche Mängel es sich im Detail handelte, und führte diesen Umstand auch in einem Verfahren mit dem damaligen Produzenten der Masken an“, heißt es weiter. „Der Eindruck, der in den Beiträgen des ,ZDF Magazin Royale‘ möglicherweise vermittelt wird, Tom Illbruck oder Global Tactics seien schon zum Zeitpunkt des Versands an das Flüchtlingscamp informiert gewesen, ist unzutreffend. Die Korrespondenz, die in der Berichterstattung gezeigt wird, fand zwischen anderen Parteien als Tom Illbruck oder Global Tactics statt.“

Global Tactics lieferte im Jahr 2020 3,3 Millionen Masken. Wie viele davon aus Bangladesch kamen, ist Teil des Rechtsstreits. Illbruck hatte gegenüber der Redaktion gesagt: „Wir haben eine deutlich geringere Menge als die im ,ZDF Magazin Royale‘ genannten 2.300.000 Masken in Bangladesh in Auftrag gegeben.“ Diese Aussage bestätigte ein Sprecher des Unternehmens jetzt noch einmal.

Fynn Kliemann ist mit 20 Prozent an Global Tactics beteiligt. Diese Zusammenarbeit bestehe immer noch, heißt es.

„Zu jener Zeit hat die ganze Welt ,nach Masken geschrien‘. 500 Mails am Tag aus zig verschiedenen Vorgängen und Verläufen gehörten zur Normalität. Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte. Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung. Durch diese Versäumnisse, mich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe ich viele enttäuscht“, hatte Kliemann in einer schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion erklärt.

Global Tactics hat am Niederrhein Standorte in Kerken und Kamp-Lintfort. Der ehemalige Basketball-Nationalspieler Tom Illbruck ist der Kopf des Unternehmens. Seit Jahren gestaltet und produziert er Textilkollektionen für Künstler, Modelabels oder Vereine sowie Sportkleidung. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Textilmanufaktur für faire und nachhaltige Bekleidung – hergestellt in Europa“. Eben deshalb werden die Vorwürfe so aufmerksam verfolgt.