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Geldern: Für Recht und Ordnung

Geldern : Für Recht und Ordnung

Stephanie Günther wollte einen „Büro-Job“ – jetzt lernt sie in der Kanzlei Scholten, Oberem und Partner Rechtsanwaltsfachangestellte: Büroorganisation, Rechtspflege und natürlich die Mandanten stehen im Mittelpunkt.

kleve Morgens um acht ist die Welt von Stephanie Günther aus Louisendorf eine andere: Sie geht nicht ins Büro, sie kommt in die Kanzlei. Wenn jemand gewinnt, dann obsiegt er. Und wichtige Dinge sind vordringlich. Stephanie Günther ist auszubildende Rechtsanwaltsfachangestellte in der Kanzlei Scholten, Oberem und Partner. Wenn sie sagt, dass sie mit Akten zu tun hat, ist das gar nicht trocken . . .

Viel Verantwortung

„Ich wollte einen Büro-Job“, sagt Stephanie Günther – den hat sie bekommen. Mit viel Verantwortung, mit Menschen, die betreut werden wollen, mit Schriftverkehr, der geführt wird, mit einer Sprache aber auch, die eine andere, eine sehr präzise ist. „Daran gewöhnt man sich schnell“, sagt die angehende Rechtsanwaltsfachangestellte. Später wird sie Verantwortung für die Kunden tragen, die hier Mandanten oder Klienten sind. Wenn sie einen wichtigen Termin nicht als „vordringlich“ einstuft, bleibt die Akte womöglich zu lange liegen, verstreichen gesetzte Fristen. „Das Aufgabengebiet heißt dann Fristenkontrolle“, sagt Rechtsanwalt Heribert Oberem. Das ist mehr, als nur Post sortieren. Sie muss später auch den Schriftverkehr eigenständig führen, Honorare für die Rechtsanwälte einfordern ebenso wie Vollstreckungsaufträge aus „Titeln“ für die Mandanten herausschicken.

Bleibt der Umgang mit den Mandanten. „Wer die Zähne nicht auseinander bekommt oder mufflig am Telefon ist, den können wir nicht gebrauchen“, sagt Heribert Oberem. Weil eine künftige Rechtsanwaltsfachangestellte Diktate schreiben muss, sollte sie sicher in Orthografie sein. „Deshalb machen wir zur Einstellung ein Probediktat, die Kandidaten müssen Zinsrechnung können und über ein gutes Allgemeinwissen verfügen“, sagt Oberem. Da kann auch, so der Rechtsanwalt, ein guter Hauptschulabschluss reichen. Es gibt aber auch Kanzleien, die verlangen ein Abitur.

Erzählen von dem, was sie am Tag erlebt hat, kann Stephanie Günther nicht viel: „Wir haben eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben“, sagt die Auszubildende. Schnell habe sie gelernt, Beruf und Privates klar zu trennen. „Das hat ja auch Vorteile“, sagt sie.

Neben Kenntnissen über die Stellung des Rechtsanwalts lernt sie Büropraxis und -organisation, setzt sich mit der Rechtspflege auseinander. Dann geht’s aber auch schon an die fallbezogene Rechtsanwendung: „Ich muss wissen, was das BGB ist, Mahn- und Kündigungsschreiben entwerfen“, sagt Günther. Martialisch hört sich dagegen ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld für die Rechtsanwaltsfachangestellte an: „Bearbeitung von Zwangsvollstreckungsangelegenheiten“. Da kann sogar ein Verhaftungsauftrag erteilt werden. Auf Geheiß – versteht sich. „Eine gut ausgebildete Fachkraft hat Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Oberem. Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen gibt es viele.

(RP)