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Führen durch Dienen als alternativer Führungsstil in Unternehmen

Unternehmer vom Niederrhein im Gespräch : Wenn Chefs dienen

Jesus als Vorbild. Hans Jürgen Arens aus Emmerich und Michael vom Ende stellen einen alternativen Führungsstil vor. Christiane Underberg und Nicolai Müller erklären als Unternehmer, was die Vorteile sind.

Was ist, wenn Arbeitnehmer mehr sind als eine Stelle in der Kostenabrechnung? Wenn es nach Hans Jürgen Arens aus Emmerich geht, sind die Zeiten, in denen Menschen in Unternehmen nur Mittel zum Zweck sind, vorbei. Gemeinsam mit Michael vom Ende hat er das Praxishandbuch „Führen durch Dienen“ geschrieben. Unterstützung bekommt er durch Gastbeiträge im Buch unter anderem durch Christiane Underberg und Katrin Keller sowie Nicolai Müller aus Straelen.

Der Zeitpunkt, sich die Frage nach dem Wert des Menschen in Unternehmen zu stellen, könnte kein besserer sein. Das Coronavirus habe mit Macht viele Fragen an die Oberfläche gespült, sinnieren die Herausgeber des Buches. Dazu zählt auch die Unternehmensführung. Entscheidungen nach der Devise „par ordre du mufti“ seien nicht mehr zeitgemäß, sind sich die Autoren einig, also da, wo der Rang mehr zählt als die Erkenntnis. Oder: „Die Zeit der Muftis ist vorbei“, fasst es Christiane Underberg salopp zusammen. Wer sich als Chef als „the greatest“ sieht und seine Mitarbeiter vergisst, der habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Als ausgebildete Sozialarbeiterin haben für sie schon immer die Menschen im Vordergrund gestanden. Das wurde mit in die Unternehmensphilosophie vom international agierenden Spirituosen-Hersteller mit Sitz in Rheinberg aufgenommen. Die Stärken fördern, Weiterbildung sei wichtig, „sonst bleiben Mitarbeiter auf der Strecke“, sagt die Unternehmerin. Es sei Zeit für einen Perspektivwechsel, dahingehend, die Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten, als wichtige Ressource zu entdecken.

 Christiane Underberg vom gleichnamigen Unternehmen.
Christiane Underberg vom gleichnamigen Unternehmen. Foto: Semper idem Underberg AG
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Dienen als Führungskraft, der Kern des Buches, würde in vielen Betrieben den bisherigen Umgang mit den Mitarbeitern auf den Kopf stellen, ist der Autor überzeugt. Die „dienende Führung“ werde in Deutschland massiv abgelehnt, sagt Arens. Der Vorreiter von „Servant Leadership“, Robert Greenleaf, stammt aus den USA. Dabei ist die Vorlage dafür noch umfassender: die Bibel, erklärt Arens. Jesus hat es vorgemacht. „Der Größte unter euch aber soll euer Diener sein“, heißt es im Matthäus-Evangelium. Dabei geht es vor allem auch um das „Hirtenprinzip“, also Menschen anzuleiten und das Beste in ihnen zu aktivieren, sie umsorgen.

 Nicolai Müller von der Steuerberatungsgesellschaft Dr. Müller,Hufschmidt aus Straelen.
Nicolai Müller von der Steuerberatungsgesellschaft Dr. Müller,Hufschmidt aus Straelen. Foto: Stiftung/Claudius Holzmann

Arens hat darüber auch Erfahrungen in der Praxis gesammelt. „Man muss die Menschen herausfordern und motivieren, dann kommt man zu hervorragenden Ergebnissen“, lautet sein Fazit. Im Vorwort seines Buches betont er: „Wer dienend führt, ist wirtschaftlich erfolgreicher.“ Weil dies einem aber nicht in die Wiege gelegt wird und auch bei Unternehmensseminaren eher weniger Thema ist, wird auf externe Hilfe gesetzt.

Christiane Underberg holte Katrin Keller, Professorin für Gesundheitspädagogik und Personalentwicklung, mit ins Boot, Nicolai Müller von der gleichnamigen Steuerberatungsgesellschaft hat eine Sozialpädagogin und Reittherapeutin mit angestellt. Als Steuerberater lerne man das rein Fachliche, aber nicht das Entscheidende, wie man Menschen führt. Er plädiert für mehr Mut und Demut im Umgang mit den Mitarbeitern. Das falle ihm leicht, wenn er in den Himmel schaut. „Wenn man die Komplexität des Universums sieht, sollte man sich selbst nicht so wichtig nehmen.“

Im Gespräch mit der RP und Autoren des Buches berichtet Christiane Underberg von den positiven Auswirkungen. Die lassen sich mit Zahlen belegten. „Das Wachstum der Firma kann nur mit Wachstum der Menschen einhergehen“, lautet die Devise von Christiane Underberg. In ihrem Unternehmen wurden schon vor langer Zeit „Kulturvereinbarungen“ getroffen. Vielleicht ist es Zeit, dass andere nachziehen. „Unsere Wirtschaft und Gesellschaft brauchen Mutige, die auf neuen Wegen vorangehen. Mutige wie Sie“, lautet die Aufforderung und das Schlusswort der Autoren.