Frauen streiken in der Kirche bei der Aktion Maria 2.0

Kirche in Geldern : „Möge ein Ruck durch die Kirche gehen“

Bei der Aktion „Maria 2.0“ fordern Frauen die unbedingte Aufklärung der Missbrauchsfälle und Zugang zu allen Ämtern in der katholischen Kirche. Im Mai wird zum Streik aufgerufen. Gelderns Pastoralreferentin streikt nicht.

Es könnte in einigen Kirche im Mai ziemlich leer werden. Vom 11. bis 18. Mai ruft eine Gruppe katholischer Frauen aus Münster zum Streik auf. Die deutschlandweite Aktion nennt sich „Maria 2.0“. Gelderns Pastoralreferentin Monika Eyll-Naton unterstützt das Anliegen der Frauen. Sie liest aus dem offenen Brief vor, der an Papst Franziskus und die Synode der Bischöfe geht. Darin beklagen die Frauen die unaufgeklärten Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche, das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen und echter Hilfe für alle, denen Gewalt angetan wurde. „Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen“, heißt es in dem Brief.

Auch Monika Eyll-Naton sagt: „Ich liebe und leide an dieser Kirche.“ Sie stellt aber auch klar: Streiken wird sie nicht. Sie will ihre Kommunionkinder nicht im Stich lassen. Und es gehe auch nicht um die Kritik an ihrer Pfarrgemeinde. „Wir haben ein sehr gutes Team“, sagt sie über St. Maria Magdalena Geldern. Die Kritik richte sich gegen die Zustände in der Kirche im Allgemeinen. „Es ist Zeit aufzudecken, weltweit“, lautet ihre Forderung. „Weil das die Botschaft des Glaubens verdunkelt hat.“ Denn viele Menschen könnten nicht mehr unterscheiden zwischen christlichem Glauben und der Kirche mit ihrer Fehlerhaftigkeit.

„Erst einmal brauche ich eine Gottesbeziehung“, erklärt Heidi Pauels, wie Glaube funktioniert. Sie arbeitet ehrenamtlich in Gelderns Pfarrgemeinde. Dass eine Freundin ihr prophezeite, dass sie bestimmt in zehn Jahren aus der Kirche austreten werde, stimmt sie nachdenklich und traurig. „Es muss schon ein Ruck rein, damit Kirche wieder lebenswert ist“, sagt sie und unterstützt das Engagement der Frauen.

Die fordern in ihrem Brief auch den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche. „Ich muss keine Priesterin werden, weil ich meinen Glauben schon lebe“, sagt Heidi Pauels. Sie hat es als Kompliment aufgefasst, als sie beim Sport gefragt wurde, ob sie immer schon katholisch sei. Umso mehr stört sie das negative Licht, das auf „ihre“ Kirche fällt. Sie vergleicht die Kirche mit einer guten Freundschaft. „Da darf man auch mal kritisieren.“ Genau das macht der Brief der katholischen Frauen aus Münster auch. Die Kritik solle laut Pauels zum Wohle aller sein.

Pastoralreferentin Monika Eyll-Naton lenkt den Blick auf den Glauben: „Die eigentliche Botschaft ist, dass Jesus uns den Auftrag gibt einander zu lieben, Frieden zu halten und dass wir durch die Beziehung zu ihm Gottes Kinder sind. Das heißt aber nicht, Frieden um jeden Preis, sondern nach Lösungen zu suchen“, betont sie. Einige werden in dem offenen Brief angeboten. Dass Priester eben kein Amt mehr bekleiden dürfen, wenn sie sexuellen Missbrauch begangen haben. Die Petition der Frauen aus Münster haben sie und ihr Mann schon unterschrieben.

„Es passiert gerade ganz viel“, sagt Arndt Thielen, Pfarrer von St. Maria Magdalena. Die Mitarbeiter besuchen Präventionsschulungen und die Pfarrgemeinde ist dabei, ein institutionelles Schutzkonzept zu erstellen. Die Möglichkeit, dass Frauen auch Priester werden könnten, sieht er kritisch. „Das geht nur auf gesamtkirchlicher Ebene, sonst wird es Spaltungen geben. Es gibt Kulturkreise, die denken anders darüber. Das geht nur Schritt für Schritt.“ Sicher ist: „Ohne Frauen geht in der Kirche gar nichts mehr. Sie haben viele Ehrenämter besetzt und sollten auch mehr Verantwortung bekommen.“

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