Fortsetzung des Prozesses über die Drogenküche in Wachtendonk

Drogenprozess: Vom Glücksspieler zum Drogenkoch

Der Prozess um Herstellung von Amphetaminöl auf einem Hof in Wachtendonk wird fortgesetzt.

Am Klever Landgericht ist am Donnerstag der Prozess gegen sechs Angeklagte fortgesetzt worden, die von Januar bis April 2018 mehr als 2000 Liter Amphetaminöl auf einem Wachtendonker Hof hergestellt haben sollen (wir berichteten mehrfach).

Im Prozess ging es am Donnerstag um die Frage, ob der 40-jährige niederländische Angeklagte aufgrund einer langjährigen Spielsucht nicht voll schuldfähig gewesen ist. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Jack Kreutz stellte in seinem 64-seitigen Gutachten fest, dass der Angeklagte zwar die Kriterien für die Diagnose „pathologisches Glücksspiel“ erfülle. Eine Deformierung der Persönlichkeit des Angeklagten aufgrund der Spielsucht sei jedoch nicht festzustellen, so Kreutz, auch seien Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten wohl im Tatzeitraum ausreichend erhalten gewesen.

Hilfe brauche der Angeklagte trotzdem, wünsche sich auch selbst eine Therapie, so der Gutachter, der in der JVA Kleve Gespräche mit dem Niederländer geführt hat. Der Angeklagte habe ihm erzählt, dass er mit 16 Jahren erstmals mit dem Glücksspiel in Kontakt gekommen sei: 30 Gulden habe er anfangs an einem Gaststätten-Automaten gewonnen und Feuer gefangen. Ab dem 18. Lebensjahr sei er zunehmend in Spielhallen und Casinos gegangen, vorzugsweise zum Roulettespiel. In den Niederlanden habe der Angeklagte bereits eine Therapie gemacht, allerdings ohne dauerhaften Erfolg, so der Gutachter. Regeln, die der Angeklagte sich selbst auferlegte, habe er nicht einhalten können, auch selbst beantragte Casinosperren haben ihn nicht dauerhaft vom Roulettetisch fernhalten können.

Er habe sich Geld bei Freunden und Bekannten geliehen, später dann auch „bei den falschen Leuten“, wie der Angeklagte sagt. 100.000 Euro soll er diesen Personen geschuldet haben, die ihn schließlich unter Androhung von Gewalt gedrängt haben sollen, das Amphetaminlabor in Wachtendonk einzurichten und zur Schuldentilgung zu betreiben. Genannt hat der Angeklagte die Namen seiner Hintermänner trotz Geständnis nicht. Durch die Identifizierung könnte er zwar im Falle einer Verurteilung auf Strafminderung hoffen – doch die Furcht vor den Konsequenzen scheint zu überwiegen.

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