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Geldern: Flickwerk an maroder Unterführung?

Geldern : Flickwerk an maroder Unterführung?

An der Eisenbahnbrücke über der Krefelder Straße wird zwar gearbeitet. Die Bahn spricht von Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk. Allerdings wäre eine Grunderneuerung der ganzen Konstruktion nötig, meint ein Fachmann.

Gestrüpp, das aus dem Mauerwerk wächst. Beulen in korrodierten Stahlteilen, breite Risse in den Pfeilern, heraussickerndes Wasser: Rein vorsorgliche "Instandsetzungsarbeiten" reichen an der Eisenbahnbrücke an der Krefelder Straße einfach nicht aus. Das meint der Gelderner Ingenieur und Brückenbau-Experte Josef de Mülder. "Mein Eindruck ist, dass da nur der Anstrich erneuert wird - nur Schönheitsreparaturen", sagt er. Er mache sich aber keine Sorgen um eine ansehnliche Optik: "Meine Kritik geht in Richtung ,Standsicherheit des ganzen Bauwerkes'."

Was genau am Mauerwerk gemacht wird - wie umfassend die Reparaturen also sind - teilte die Bahn auf Anfrage nicht mit. Allerdings hatte das Unternehmen selbst schon vor genau zehn Jahren, im September 2004, noch eine "Erneuerung des Überbaus und eine Grunderneuerung der Unterbauten" in Aussicht gestellt. Das heißt: umfassende Sanierung beziehungsweise Neubau, und die Erneuerung auch von Metallteilen. Und zwar, wie es damals hieß, "mittelfristig". Das war, nachdem Josef de Mülder das Unternehmen wegen der Mängel angeschrieben hatte.

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Er beobachtet die Entwicklung der Brücke schon seit Jahrzehnten. "In den vergangenen 25 Jahren werde ich fast regelmäßig von Leuten auf den Zustand des Bauwerkes angesprochen", sagt er. "Auch für einen Laien ist offensichtlich, dass die Bundesbahn da mangelnde Unterhaltung betreibt." Seit 2004 hat er immer wieder Kontakt mit der Bahn aufgenommen, um zu erfragen, was denn aus den Sanierungsplänen geworden sei. Laufend hat er dokumentiert, wie sich an den Mängeln, von Bäumchen, die ihre Wurzeln ins Mauerwerk getrieben haben, bis zum "Wasseraustritt" am Unterbau nichts tat. "Man sieht heute noch die gleichen Mängel wie vor zehn Jahren", kritisiert er.

Im Oktober 2009 teilte der Konzern auf seine Anfrage mit: "Mit einer Erneuerung des Gesamtbauwerkes ist derzeit nicht vor 2014 zu rechnen." Wenn aber in nun absehbarer Zeit eine "Gesamterneuerung" geplant ist - warum steckt die Bahn jetzt noch Geld in oberflächlichere Reparaturen?

Die Bahn selbst nahm darauf auf Anfrage nicht Stellung. Sie deutete lediglich in einer allgemein gehaltenen Erklärung an, dass bei Brücken offenbar ganz generell ein gewisser Sanierungsstau besteht. "Aktuell sind 262 Brücken in NRW dringend sanierungsbedürftig und sollen in den kommenden zehn bis 15 Jahren erneuert werden", teilte der Konzern mit. "240 davon sind bis zum Jahr 2024 zum Neubau eingeplant." Bei der Bahn gebe es bundesweit knapp 25 000 Brücken. "Davon sind knapp 10 000 Brücken älter als 100 Jahre. Hier gibt es in der Tat einen Sanierungsbedarf." Allerdings würden Brückenbauwerke mindestens alle drei Jahre geprüft und jährlich in Augenschein genommen. "Die betriebliche Sicherheit jeder einzelnen Brücke ist damit jederzeit gewährleistet."

Die Arbeiten an der Brücke an der Krefelder Straße sollen jetzt noch gut vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Kosten belaufen sich auf rund 178 000 Euro, so die Bahn.

(RP)