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Geldern: Fleuth-Realschule fürchtet wieder das Aus

Geldern : Fleuth-Realschule fürchtet wieder das Aus

Erst haben Elternvertreter der Gymnasien gegen die Vorschläge rund um die Gesamtschul-Gründung protestiert. Jetzt schlägt die Realschule Alarm: Die vorliegenden Konzepte seien der "schleichende Tod" für sie, sagt der Schulleiter.

Schulleiter Wilfried Schönherr zeigt sich bestürzt über die neuen Ansätze zur Gründung der Gesamtschule. Das überarbeitete Gutachten zur Schulentwicklung in Geldern empfiehlt, dass die Realschule an der Fleuth in Zukunft "zweizügig" werden soll, das heißt: Es soll pro neuem Jahrgang nur noch zwei Klassen geben. "Das halte ich für den schleichenden Tod der Realschule", sagt Schönherr.

Die Idee hinter dem Vorschlag ist, dass dadurch weniger Kinder auf der Realschule landen und stattdessen mehr Kinder an der Gesamtschule angemeldet würden. Mit dem gleichen Hintergedanken wird auch eine - wesentlich moderatere - Einschränkung der Anmeldezahlen an den Gymnasien diskutiert. Bei einer Zweizügigkeit gäbe es aber an der Realschule kaum noch Differenzierungsmöglichkeiten für die Kinder, sagt Rektor Wilfried Schönherr.

Aus seiner Sicht wäre das Schicksal seiner Einrichtung damit zwar nicht von jetzt auf gleich besiegelt, wie es im ersten Gutachten zur Schulentwicklung noch vorgesehen war. Aber dafür würde das gleiche quasi zeitverzögert und durch die Hintertür erzielt. Angesichts der derzeitigen Größe seiner Schule findet Schönherr die Idee einfach absurd: "Sie geben uns in diesem Jahr die Fünfzügigkeit und wollen uns dann auf Zweizügigkeit zurückstufen?", fragt er ungläubig.

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Der Schul-Gutachter Heinfried Habeck hält die Fleuth-Realschule auch bei dauerhafter Zweizügigkeit für langfristig gesichert. Aber Schönherr glaubt daran nicht - und auch nicht daran, dass so eine Einschränkung wirklich dem "Elternwillen" in Geldern entspricht. Zudem sei das Ganze für die Lehrer seines Kollegiums eine Zumutung. Es würde bedeuten, dass der Personalbestand im Laufe der kommenden sechs Jahre von 60 auf 20 bis 25 Lehrer reduziert werden müsse. "Das ist doch keine Perspektive", ärgert er sich. Selbstverständlich würde bei so einer Aussicht die Entwicklung einsetzen, dass Lehrer "abwandern".

Nicht zuletzt bereitet ihm die Raumplanung Kopfzerbrechen. Im Gutachten stehe nämlich, die neue Gesamtschule könne "im Campus an der Fleuth" untergebracht sein. Schönherr glaubt, dass damit die Realschule sozusagen aus ihren eigenen Gebäuden verdrängt werden könnte. "Damit kann doch nur unser Anbau gemeint sein, wo wir acht Klassen und einen Multimediaraum haben", mutmaßt er.

Er fürchtet, dass "seine" Jugendlichen dann gezwungen wären, in die Schulgebäude am Standort Westwall auszuweichen. Und das gegebenenfalls im laufenden Schuljahr, wenn in dem Gebäude an der Fleuth größere Umbau-Arbeiten stattfinden müssten. "Kann man das Schülern der zehnten Klassen zumuten, die kurz vor der Zentralprüfung stehen?", fragt der Rektor.

Weil er nicht wisse, wie und wo auf längere Sicht in seiner Schule unterrichtet wird, könne er auch in anderer Hinsicht kaum planen. Investitionen in neue Technik für die Klassen zum Beispiel verzögerten sich: "Wir nehmen doch kein Geld in die Hand, bevor wir wissen, wie es weitergeht."

Sein Appell: Die Politik möge seine Schule dreizügig lassen. Damit könne er leben, "das war ja unser eigener Vorschlag". Er kritisiert auch die Stadt für ihre Informationspolitik. Die Realschule werde an den Überlegungen im Vorfeld kaum beteiligt, nicht um ihre Einschätzung gebeten. Bürgermeister Sven Kaiser war gestern Nachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme zum Thema zu erreichen.

(RP)