Geldern: Flaschenpost aus Walbeck

Geldern: Flaschenpost aus Walbeck

Vor 20 Jahren warfen Maria und Theo van Stephaudt eine Botschaft in den Atlantik. Jetzt kam die Antwort aus Florida ins Spargeldorf.

Maria und Theo van Stephaudt blättern in zwei dicken Fotoalben. Glanzvolle Szenen ihrer zweiten Kreuzfahrt auf der "Maxim Gorki" vor mehr als 20 Jahren von Genua nach Bremerhaven werden lebendig, wenn sie die Bordausweise mit ihrem jüngeren Konterfei erblicken, fein säuberlich neben dem Passageticket eingeklebt. Der Grund, warum das Rentnerpaar aus Walbeck in Erinnerungen an seine Seefahrt in Kabine 239 schwelgt: Es hat Post bekommen. Nicht einfach nur einen Brief mit US-Mail-Poststempel aus Florida, sondern die Antwort auf eine Flaschenpost, die sie am 23. Mai 1990 nahe Portugal dem Wind und den Wellen des Atlantiks überließen.

Erst übersetzen

"Wir konnten den Brief erst nicht lesen, weil wir kein Englisch können. Darum mussten wir auf eine Übersetzung warten. Was wir aber sofort wiedererkannt haben, war eine Kopie meiner Visitenkarte, die wir in die leere Flasche gelegt hatten. Da haben wir uns nur angeschaut und gefragt: Ist das wohl möglich?", berichtet der 85-jährige Theo van Stephaudt. "Der Kapitän der 'Maxim Gorki' hatte uns wegen der Strömung den Tipp gegeben, bei Portugal eine Flaschenpost ins Meer zu werfen", erzählt Maria van Stephaudt, die in diesen Tagen ihre Geschichte oft wiederholen musste, weil sie viele Gäste zum 80. Geburtstag empfing. "Aber wir hatten gerade nichts griffbereit. Nur die Visitenkarte vom Friseursalon hatte mein Mann im Jackett."

Es ist schon erstaunlich, dass der kleine handschriftliche Vermerk auf der Rückseite "Schreib mal nach Deutschland" nach 20 Jahren immer noch zu lesen ist. Die Flasche wurde von Natalie und Kevin Goff unversehrt am 28. Dezember 2009 aus dem glasklaren Wasser gefischt. Das Paar aus Florida machte auf den Bahamas einen vierwöchigen Urlaub, und Natalie Goff hatte mit dem Boot eine kleine Insel bei Bucaroon Bay angesteuert, um Kokosnüsse zu sammeln. Es dauerte noch eine kleine Weile, bis der Antwortbrief über den großen Teich, diesmal per Luftpost, geschickt wurde, weil ihrerseits die Amerikaner jemanden finden mussten, der die vier deutschen Worte übersetzte. "Ein dickes Lob gilt der deutschen Post", sagt Johannes van Stephaudt, denn die Briefboten mussten noch die alte Postleitzahl zuordnen. Für den Sohn ist die Geschichte der Flaschenpost eine Rückschau auf den Start des "Ein-Mann-Reisebüros" im Keller seines Elternhauses. "Meine Eltern zählten zu meinen ersten Kunden. Im Gegensatz zu heute war eine Kreuzfahrt damals noch sehr teuer", weiß der Reiseexperte. Der Unternehmergeist verwandelte sich in eine Erfolgsstory: Heute bedient er ein Nischenprodukt mit dem Internetauftritt www.Erlebe-diewelt.de, beschäftigt knapp 50 Mitarbeiter.

Den Kirchturm sehen

Warum es bei zwei Kreuzfahrten des Rentnerehepaares blieb, erklärt der 85-Jährige: "Wie das so ist bei einem alten Ehepaar: Man arrangiert sich. Der eine möchte reisen, der andere ist unglücklich, wenn er abends den Kirchturm von Walbeck nicht sieht."

(RP)