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Issum: Festbankett verbindet die Nationen

Issum : Festbankett verbindet die Nationen

Gänsebrust, Klöße und Rotkohl standen in Issum beim Essen der Initiative "Kochen International" auf der Speisekarte.

Rot-grüne Tischdecken verschönerten die riesige Tafel, die, zusammengesetzt aus vielen Tischen, von einer Ecke der Jugendbegegnungsstätte zur anderen reichte. Zahlreiche Teelichter erleuchteten das Festbankett im Schatten eines großen und buntgeschmückten Weihnachtsbaumes. Viele Flüchtlinge waren beim letzten "Kochen International" in diesem Jahr mit dabei. Normalerweise ist es einer der Neubürger, der bei den monatlichen Treffen in Issum den Chefkoch spielt und den Helfern erklärt, wie seine heimischen Gerichte gemacht werden. Doch beim Christfest übernahm mit Annette Theyhsen, die als Heilpraktikerin im gegenüberliegenden Wohlfühlhaus arbeitet, dieses Mal eine Deutsche das Koch-Zepter. Es gab 24 halbe Gänsebrüste, 60 Klöße, elf Gläser Rotkohl und schließlich sechs Entenbrüste, die aufgeteilt wurden.

Bei dieser Menge verwunderte es nicht, dass Theyhsen bereits seit 12 Uhr verschiedenste Zutaten und Gerichte vorbereitet hatte, bevor es um 18 Uhr mit dem richtigen Treffen losging. Zwei Kilo selbstgemachtes Apfelmus brachte derweil Helferin Anja Koch mit, während Ingeborg Tervooren und Vera Messner die Bratäpfel für den Nachtisch gemacht hatten. "Sonst sind meist nur gut 25 Flüchtlinge bei den anderen Treffen vor Ort gewesen, doch heute waren es sogar um die 50", freute sich Tervooren über die große Resonanz. Zum Essensanfang wurde statt eines Gebets eine Kerze von einem Menschen an der Tafel zum nächsten gereicht. Dies sollte den Frieden symbolisieren, den sich an diesem Abend alle so sehr wünschen. Dann fing das große Festmahl an, bei dem die leuchtenden Augen der vielen Kinder ganz klar zeigten: Das typisch deutsche Weihnachtsessen schmeckte richtig gut!

"Wenn man etwas gemeinsam tut, kommt man eben zueinander. So funktioniert eben der Austausch, auch der der Esskultur", meinte Biggi Saebisch, die Leiterin des Jugendheims. "Was den Austausch angeht, so ist es uns auch wichtig, an den traditionellen Männer- und Frauenrollen der Flüchtlinge zu arbeiten. In beide Richtungen. Es existiert da immer noch eine Spannung zwischen den Geschlechtern. Ein Beispiel: Die Männer helfen in der Küche nicht mit, und als wir zum ersten Mal eine Syrerin als ,Chefköchin' hatten, warf sie gleich die gesamten deutschen Männer aus der Küche. Wir haben dann gesagt, dass wir hier in Deutschland das anders machen, und etwas später konnten auch alle wieder mithelfen."

Das nächste "Kochen International" findet am 5. Januar ab 18 Uhr statt. Bis zum 4. Januar können sich Neubürger bei der Gemeindeverwaltung anmelden.

(RP)