Geldern: Fehlersucher im System

Geldern: Fehlersucher im System

Als angehende Fachinformatiker ist die Arbeitswelt der Azubis Maik Hagenberger und Jürgen Derr vor allem virtuell. Ihre Aufgabe ist es, Programme immer besser zu machen. Doch eines müssen sie auch können: Kaffee kochen.

Kreis KlevE Kreis Kleve Wenn Thomas Willems, Ausbilder bei der Elektroanlagen-Firma Horlemann, über seinen Wunsch-Azubi spricht, klingt das zunächst etwas seltsam. "Wir haben nichts dagegen, wenn unsere Azubis ein bisschen eigenbrödlerisch sind. Letztlich brauchen wir den Freak, der im Keller vor seinem Rechner sitzt und Programme schreibt", sagt er. Das klingt so gar nicht nach den beliebten Allgemeinplätzen vom "kommunikativen Mitarbeiter, der gern mit Menschen zu tun hat", die andere Personalchefs gern verwenden. Doch Thomas Willems und sein Kollege Claus Eikeln suchen Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, und die müssen vor allem etwas von Computern verstehen.

Eigene Internetseiten erstellen

Maik Hagenbeger (24) weist zwar von sich, ein Freak zu sein, aber dass er einen Großteil seiner Freizeit vor dem Computer verbringt, gibt er gern zu. "Es macht mir einfach Spaß, Internetseiten zu erstellen oder Wege zu finden, um die Arbeit mit dem Rechner noch schneller zu machen", sagt der junge Mann aus Wesel, der im zweiten Ausbildungsjahr bei Horlemann ist. Dass er dazu noch schlagfertig und aufgeschlossen ist, hat ihm beim Einstellungsgespräch natürlich geholfen. "Bei zwei fachlich gleich guten Bewerbern nehmen wir den, der uns offener und teamfähiger erscheint", sagt Claus Eikeln.

Sonst aber spielt sich der Arbeitsalltag der Azubis vornehmlich in der virtuellen Welt ab. Sie helfen dabei, Software für die großen Industriekunden des Uedemer Konzerns zu entwickeln und auftretende Fehler zu beheben. Ab und zu fahren sie auch mal in eine Fabrik und verlegen ein Netzkabel neu, aber das ist eher die Ausnahme.

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Überhaupt ist es häufig die eigene Firma, die direkt von den PC-Kenntnissen der Azubis profitiert. Denn auch Horlemann arbeitet mit Software-Programmen, die fehlerhaft werden können oder angesichts der rasanten technologischen Entwicklung schnell veraltet sind. So widmet Azubi Jürgen Derr seine Projektarbeit der Chefsekretärin. "Ich habe ein Programm entwickelt, dass ihr hilft, Anfragen schneller ins System einspeisen zu können", erzählt der 25-Jährige.

Ob er und sein Kollege Maik Hagenberger übernommen werden, ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Dennoch gehören Fachinformatiker zu der glücklichen Gruppe von Berufsanfängern, die kaum Angst vor Arbeitslosigkeit haben müssen. "Ihnen steht alles offen, Computer gibt es schließlich überall", sagt Thomas Willems. Und eine andere universell einsetzbare Fähigkeit, die in fast allen Branchen gefragt ist, haben die beiden auch perfekt drauf. "Bevor wir morgens anfangen, müssen wir erstmal für alle Kaffee kochen", erzählt Maik Hagenberger.

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(RP)