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Familien haben in der Corona-Krise besondere Herausforderungen

In der Corona-Krise : Familien fühlen sich im Stich gelassen

Hausaufgabenbetreuung, Homeoffice oder Kurzarbeit und Unsicherheit, wie es mit der Schule und dem Kindergarten weitergeht. Eltern und Kinder fühlen sich mit ihren Problemen oft alleingelassen.

Mit der Öffnung der Spielplätze und schrittweisen Öffnung der Schulen kehrt in die Familien ein stückweit Normalität zurück. Rund-um-die-Uhr-Betreuung plus Homeschooling plus Homeoffice oder Kurzarbeit und die Sorge, wie es weitergeht in und nach der Corona-Krise sorgte bei Eltern und Kindern für einen Ausnahmezustand. Ein „normaler“ Alltag war nicht mehr denkbar. Die Strukturen wie Schultag und Kindergarten sind weggebrochen, weil die Einrichtungen, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken, nur noch Notbetreuung anbieten durften.

Monique Bohmer blickt auf die vergangenen Wochen zurück. Ihre Söhne sind acht und zehn Jahre alt, ihre Tochter zwanzig Monate. „Die ersten Tage habe ich noch gedacht: es ist entspannend“, erinnert sich die Mutter. Es gab keinen Druck morgens alle früh für die Schule fertig zu machen und anschließend sich selbst für die Arbeit, sämtliche Termine fielen weg, zu denen die Kinder gebracht und abgeholt werden mussten. Aber dafür kamen andere Dinge hinzu. Die dreifache Mutter beschreibt es als „täglichen Hausaufgabenwahnsinn“. Die Söhne sind unterschiedlich alt, gehen also in unterschiedliche Klassen und hatten verschiedene Aufgaben zu lösen. War der eine mit seinen Hausaufgaben fertig, stieg der Geräuschpegel, der eine hatte Langeweile, der andere konnte nicht mehr in Ruhe arbeiten. Mittendrin die kleine Tochter. Rücksichtnahme war das Gebot der Stunde. Was für die Kinder erschwerend hinzukam war, dass ihr komplettes Freizeitleben wegbrach. „Für meinen Großen war es besonders schlimm“, sagt die Mutter. Training mit dem Fußballverein: gestrichen, zur Skateranlage: gesperrt, Schwimmbad: geschlossen. „Man merkte, irgendwann, war die Luft raus“, sagt die Geldernerin. „Ich vermisse es unheimlich, Freunde zu treffen, wie schwer muss dass erst den Kindern fallen.“ Natürlich haben ihre Söhne den Kontakt zu ihren Freunden vermisst. Als sie ihrem zehnjährigen Sohn erklärte, dass er wieder in die Schule darf, aber zu reduzierten Zeiten, sei die Enttäuschung groß gewesen. Eine Rückkehr in die Normalität von Familien ist noch nicht absehbar. Auf vieles mussten die Kinder verzichten und werden noch verzichten müssen. Denn eigentlich wollte die Familie in diesem Jahr auf jeden Fall in Urlaub fahren. „Aber da hat noch keiner an Corona gedacht, als wir das geplant haben“, sagt die Mutter aus Geldern. Statt Urlaub gibt es nun die Wunsch-Fahrräder für die Jungs, sie sollen nicht noch mehr zurückstecken müssen. Zurück zum Alltag. Der normale Wocheneinkauf ist aktuell anstrengend mit Kleinkind, Maskenpflicht und Warteschlange, beschreibt die Mutter die Situation. Sie hätte sich in vielen Dingen Unterstützung gewünscht, die das Leben von Familien leichter gemacht hätten. Sie hat das Gefühl, dass Eltern in der Situation von Politik und Gesellschaft ziemlich allein gelassen wurden, oft in der Doppelbelastung Beruf, Schule und Familienleben in den eigenen vier Wänden zu meistern.

Das sieht auch Sabine Seibel aus Geldern so. Sie habe das Glück gehabt, dass ihr Mann als Physiotherapeut in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, sie arbeiten in der gemeinsamen Praxis. Ihre Tochter durfte zur Notbetreuung in den Kindergarten. Aus Erzählung befreundeter Familien weiß sie aber, dass viele bis an die Grenze ihrer Kraft gegangen sind. Sie wünscht sich, dass Eltern und Kinder wieder mehr in den Blick genommen werden. Die Öffnung der Spielplätze, Schulbeginn, das sind Anfänge in eine Normalität. Aber die Zeit der Isolation, in denen die Kinder steckte, die gelte es auch aufzuarbeiten.