Falkner Karl Lamers hofft seit zwei Jahren, dass Nicky bei ihm bleiben darf

Bürgermonitor : Baumfalke Nicky soll bleiben

Seit fast zwei Jahren wartet Falkner Karl Johannes Lamers auf die Haltegenehmigung von der Naturschutzbehörde für den Vogel. Einst bekam er Nicky von der Greifvogelauffangstation aus Weeze zur Pflege. Jetzt will er endlich Klarheit.

In Karl Johannes Lamers Garten wohnt ein seltener Vogel: Baumfalke Nicky. Das Greifvogelweibchen hat er vor rund zwei Jahren von der Greifvogelauffangstation aus Weeze bekommen. Nicky war  damals bei einem Unfall so schwer verletzt worden, dass sie nie wieder fliegen kann. Ihre rechte Schinge hängt seither leicht herab. „Als ich sie bekommen habe, hat sie ganz viele Federn verloren“, erinnert sich Lamers. Er habe den Greifvogel gepflegt. Den Platz hat der ausgebildete Falkner dafür in seinem Garten. Neben übbig blühenden Beeten voll blauer Kornblumen, rotem Klatschmohn und orangen Feuerlielien stehen mehrere Volieren, „alle selbst gebaut“, sagt Lamers und klingt dabei stolz.

Seit er die Volieren hat, kümmert er sich auch selbst um verlassene und verletzte Greifvögel. Viele von den aufgepäppelten Schützlingen haben es auf ein Foto an der Wand im Wohnzimmer geschafft. Auch in seinem Auto hat er stets ein kleines Album  mit Erinnerungsfotos griffbereit. Und Baumfalke Nicky liegt ihm besonders am Herzen.

„Ich habe mich so viel um Nicky gekümmert und möchte sie einfach nicht mehr abgeben“, sagt Lamers. Denn das ist die größte Sorge des 79-Jährigen. Denn Nickys Aufenthalt bei ihm zu Hause ist nicht noch genehmigt. Bereits vor eineinhalb Jahren hat er eine Haltegenehmigung für den Greifvogel bei der Naturschutzbehörde in Kleve beantragt. Damals war bereits klar, dass Nicky nie wieder richtig fliegen können wird. „Und die Vogelstation ist ihr einfach nicht gut bekommen, sie soll nicht dorthin zurück“, sagt Lamers. Die Naturschutzbehörde Kleve habe auf mehrere Nachfragen jedoch nie reagiert. „Das lässt mich oft nicht schlafen.“

Die Farbe der Ampel gibt den Fortschritt in dieser Angelegenheit wider. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Für Lamers sind die Greifvögel und seine Hündin Bonnie zum Lebensmittelpunkt geworden. Gerne erinnert er sich an die alljährlichen Jagdmessen in Straelen, bei denen er mit seinen Greifvögeln mit am Altar stand, während die Jagdhörner geblasen wurden.

Für Vögel habe er sich schon als Junge interessiert. Mit zwölf Jahren arbeitete er in einer Gartenanlage in Straelen, habe dort unter anderem die Obstbäume versorgt und nebenbei einiges über Vögel gelernt. „Wat haste denn so gesehen“, habe der Besitzer ihn nach der Arbeit auf den Feldern immer gefragt. „Da musste ich natürlich lernen, welche Vögel dort herumfliegen“, sagt Lamers. Aus dem Wissen wurde mit den Jahren ein Hobby. Lamers bildete sich fort, reiste sogar mit einigen Ornithologen in die Camargue und nach Texel, um dort Vögel zu beobachten. 1998 legte er schließlich die Prüfung zum Falkner ab.

Karl Johannes Lamers hat die Volieren in seinem Garten alle selbst gebaut. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Inzwischen kümmert er sich ehrenamtlich um die Nistkästen rund um Eyll – hat die meisten selbst aufgehängt und hält sie sauber. Und wenn jemand aus der Umgebung einen verletzten Vogel findet, dann rufen sie „Charlie“ an, denn so wird Lamers von den meisten Bekannten genannt.

Im Moment ist ein Turmfalke bei ihm zu Gast. „Ich habe ihn vor ein paar Wochen als kleines weißes Knäul bekommen“, sagt Lamers. Er redet mit ihnen mit beruhigender Stimme und hält ihre Mahlzeiten in einer Speiseeisschachtel mit Früchten auf dem Etikett bereit. „Ich möchte einfach nur Klarheit, ob Nicky bei mir bleiben darf“, sagt er.  Nach fast zwei Jahren Wartezeit könne man doch eine Rückmeldung erwarten.

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