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Geldern: Experte: Fundstelle erhalten

Geldern : Experte: Fundstelle erhalten

Das Amt für Bodendenkmalpflege ist von der archäologischen Entdeckung am Kleinen Markt begeistert. Es will, dass die Mauern stehen bleiben. Die Stadt muss entscheiden, in welcher Form das geschehen kann.

Für Thomas Vogt ist das Bild, das sich ihm am Kleinen Markt in Geldern bietet, ein außergewöhnliches. Interessiert lässt sich der Mitarbeiter des Bonner Amtes für Bodendenkmalpflege den Ausgrabungsablauf erklären. Und fasst dann zusammen: "Super Fund."

Sein Urteil steht schnell fest: Das Amt für Denkmalpflege plädiert dafür, die Mauerreste, auf die Bauarbeiter bei Grabungen gestoßen sind, unbedingt zu erhalten. Sie abzureißen, um wie geplant ein Trafohäuschen in vier Meter Tiefe in den Boden zu lassen, kann das Amt nicht verantworten. Nun hat die Stadt Geldern einen wunderbaren historischen Fund. Aber auch ein Problem.

Idee für neuen Standort

Denn dass der Trafo für Stadtwerke und RWE zentral nötig ist, das steht fest. Und über den Ort wurde bereits lange diskutiert. Wenn die Mauern erhalten bleiben müssen, fällt der gewünschte Standort aus. Stadtwerke-Chef Heinz-Josef Freitag und Andreas Lantwin, Leiter der RWE Netzservice GmbH, sehen das Ganze dennoch gelassen: "Dann finden wir einen neuen Standort."

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Eine Idee dazu präsentiert dann auch direkt Stadtarchivar Stefan Frankewitz. Anhand alter Karten hat er herausgefunden, dass dort, wo zurzeit eine Wiese am Kleinen Markt ist, früher nur Hinterhöfe waren. Die Gefahr, auch an dieser Stelle auf historisch bedeutende Funde zu stoßen, ist demnach gering.

Was endgültig mit der Fundstelle passiert, liegt in Händen der Stadtverwaltung. Petra Berges, Erste Beigeordnete, geht davon aus, dass der Kulturausschuss zu einer Sondersitzung zusammengerufen wird, um zu entscheiden. Heute wird im Kreise der Stadtverwaltung das weitere Vorgehen abgestimmt.

Möglich sind laut Denkmalschutzgesetz zwei Varianten, wie Denkmal-Experte Thomas Vogt erklärt. Erstens könnten die Mauern zwar erhalten bleiben, nach der genauen Dokumentation durch die Archäologen aber wieder mit Kies zugeschüttet werden. Die zweite Version, für die das Amt für Denkmalschutz votiert, ist folgende: Die Fundstelle bliebt für Bürger sichtbar. In welcher Form — ob komplett mit einer Glasplatte abgedeckt, freigelegt und umzäunt oder nur durch Gucklöcher zu sehen — ist dabei offen.

Vogt betont die Bedeutung der Ausgrabung: "Es ist ein aus dem Spätmittelalter stammender, massiv gebauter Keller mit architektonischen Feinheiten wie Nischen im Gemäuer. In dieser Erhaltung gibt es so etwas in Geldern nirgendwo." Und weiter: "Keine Frage, dass es wert ist, das zu erhalten."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Archäologische Ausgrabung in Geldern

(RP/jul)