Issum: Exhibitionist: Polizei beruhigt besorgte Eltern in Issum

Issum : Exhibitionist: Polizei beruhigt besorgte Eltern in Issum

Bei einer Info-Veranstaltung in der St.-Nikolaus-Schule kochen die Emotionen hoch: Einige Eltern plädieren sogar für Selbstjustiz.

Nach vermehrten Fällen von Kindesbelästigungen, unter anderem in Issum (die RP berichtete), sind viele Eltern in Issum aufgeregt. Am Samstag versuchte die Polizei die Gemüter in Form eines Informationsmittages in der Issumer St. Nikolaus- Schule zu beruhigen. "In den vergangenen Tagen haben wir bei den Eltern viel Nervosität, Angst und Wut feststellen können", sagte Schulleiterin Gabriela Rittinghaus-Koppers.

Ute Theunissen vom Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizeibehörde Kleve, der Issumer Polizeidienststellenleiter Paul Linssen und der Vater des zuletzt betroffenen Kindes plädierten dafür, nicht in Panik zu geraten und das Geschehene sachlich zu erörtern.

Rückblick: Am vergangenen Montag wurde ein siebenjähriges Mädchen aus Issum unmittelbar vor ihrem Wohnhaus von einem Mann belästigt. Die Mutter des Kindes sah dies, merkte sich das KFZ-Kennzeichen des Mannes und meldete den Vorfall bei der Polizei. Die Reaktionen der versammelten Eltern zeigten, wie hoch die Welle der Entrüstung ist. Viele verlangten ein härteres Durchgreifen der Polizei. Theunissen versicherte, dass die Polizei bisher alles Erdenkliche getan habe und erklärte, dass der mutmaßliche Täter vernommen wurde und nun aktenkundig sei.

"Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft, die weitere Schritte einleiten wird", sagte sie. Unter den Eltern plädierten auch einige für Selbstjustiz, dem Polizei und der Vater des betroffenen Kindes aber deutlich widersprachen. "Selbstjustiz ist in keiner Form angemessen. Sie schafft nur mehr Opfer und, was viele nicht bedenken, neue Straftaten und Täter", erklärte der Vater. Viel wichtiger sei es, die eigenen Kinder altersgerecht aufzuklären, zu sensibilisieren und ihnen die möglichen Gefahren bewusst zu machen.

"Dabei dürfen die Ängste der Eltern aber nicht auf die Kinder übertragen werden", forderte die Polizeibeamtin. Kinder sollten beherzigen, nie an ein fremdes Auto heranzutreten, laut Nein zu sagen und ähnliche Erlebnisse sofort zu Hause zu erzählen. Auch in Sevelen wurde vor einigen Wochen ein ähnlicher Fall zur Anzeige gebracht. Ein zehnjähriger Junge soll von einem Unbekannten angesprochen worden sein. Der Fall hat sich letztlich als nichtig erwiesen.

Der Junge hatte lediglich nach einer Ausrede gesucht, um sein spätes Erscheinen zu Hause zu erklären. Gerade solche Fälle würden zeigen, wie folgenreich Panik und Falschanzeigen seien, so Theunissen. Schulleiterin Rittinghaus-Koppers brachte es auf den Punkt: "Wir dürfen keine weiteren Ängste schüren, sondern müssen Sicherheit verbreiten", sagte sie.

(cad)
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