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Erschreckend: Gelderns Ratsmitglieder stimmen geheim anders als offen ab.

Unsere Woche : Von der Angst der Ratsmitglieder

Die Umstände der Beigeordneten-Wahl in Geldern sorgen weiter für Diskussionsstoff. Wie ticken eigentlich Ratsmitglieder, die offen ganz anders abstimmen, als wenn eine geheime Wahl ansteht? Herrscht in den Fraktionen ein Klima der Angst?

Auch nach zehn Tagen bleibt der Verlauf der Wahl von Tim van Hees-Clanzett zum Beigeordneten ein beherrschendes Thema. Bei uns stauen sich die Leserbriefe, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven das Thema betrachten.

Blicken wir einmal genauer auf die Rolle der Ratsmitglieder. Zur Erinnerung: Alle Fraktionen hatten vorgeschlagen, den Wirtschaftsförderer mit der Aufgabe des Ersten Beigeordneten zu betrauen. Im Nachklang zur Wahl äußerte sich der eine oder andere nun kritisch zum Verfahren. Was will man uns damit sagen? Inkonsequenz als oberste Maxime politischen Handelns? Keine Fraktion war doch gezwungen, nur einen Bewerber für den Wahlgang vorzuschlagen.

Und dann der wundersame Wandel beim Abstimmungsergebnis. Bisher dachten wir, dass selbstbewusste und gut informierte Menschen verantwortungsvoll die ehrenamtliche Aufgabe wahrnehmen, die Geschicke der Stadt im Sinne der Bürger zu lenken. Pustekuchen. Sechs Ratsmitglieder mehr als im ersten Anlauf stimmten bei der geheimen Wahl plötzlich gegen den Kandidaten, zudem gab es mehr Enthaltungen als zuvor. So viele neue Informationen kann es in der kurzen Zeit zwischen den Wahlgängen eigentlich nicht gegeben haben. Was bewegt also diese Menschen, in offener Wahl anders als in geheimer abzustimmen? Herrscht in den Fraktionen in Gelderns Stadtrat so ein Klima der Angst, dass sich die Ratsmitglieder nicht trauen, offen eine eigene Meinung zu vertreten?

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Das ist die wirklich erschreckende Erkenntnis nach dieser Wahl – nicht, dass Gelderns versammelte Verwaltungsspitze nicht mit den Gepflogenheiten der Durchführung einer Personenwahl vertraut war.

Trotz alledem — genießen Sie Ihr Wochenende!

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