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Entsetzen über Graffiti auf Issumer Kunstwerk

Issum diskutiert : Rätsel um Graffiti auf Issumer Kunstwerk

Hilfeschrei oder Vandalismus? Die Meinungen über den gesprühten Schriftzug am Fassadenbild am Platz An de Pomp gehen weit auseinander. Die Künstlerin Marion Ruthardt bietet Zusammenarbeit an. Verein berät, wie es weitergeht.

Die erste Reaktion waren Schock und Unverständnis. Per Mail erfuhr Bernhard Greitemeiter davon, dass das große Gemälde an der Häuserfassade zum Platz An de Pomp mit Graffiti besprüht worden ist. Sonntagmorgen waren die ersten Frühaufsteher beim Bäcker Brötchen holen und hatten das Malheur gesehen und gemeldet. An Greitemeier wendete man sich, weil er der Vorsitzende des Issumer Heimat- und Verkehrsvereins ist. Der hatte in einem Wettbewerb dazu aufgerufen, Ideen einzureichen, um die bisher weißen Fassaden an Issums neuer Dorfmitte zu verschönern. Im Anschluss wurde die Künstlerin Marion Ruthardt mit der Ausführung beauftragt.

Sie malte das historische Issum mit viel Liebe zum Detail auf die Wand. Nun steht dort mittendrin der Satz „Und was ist mit der Issumer Jugend!“. Aufgesprayt, in Schwarz. Nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hat, ist der erste Schock überwunden und Greitemeier fasst neue Gedanken. „Mir tut derjenige leid, es ist ein Hilfeschrei“, interpretiert er den Satz. Er geht nicht davon aus, dass man absichtlich das Kunstwerk zerstören wollte. Wie es weitergeht, darüber will der Heimat- und Verkehrsverein am Montagabend beraten. Die Künstlerin Marion Ruthardt hat schon durchblicken lassen, dass sich das Bild reparieren lasse. „Also ich hab’ das Bild gemalt, und ich denke, es ist noch Hoffnung, da die Jugendlichen tatsächlich auf die graue Fläche gemalt haben“, schreibt sie in einem Facebook-Kommentar. Sie macht dem oder den Sprayern sogar das Angebot, die Reparatur mit ihnen gemeinsam vorzunehmen. „Gerne mache ich das mit den Jugendlichen zusammen oder mache auch eine andere Aktion mit ihnen.“

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Die Diskussion auf der Issumer Facebook-Seite verfolgt auch Malermeister Matthias Deckers. „Schwer zu sagen, ob sich jemand was dabei gedacht hat“, sagt er. „So, wie gesprüht worden ist, hatte er kein gutes Handling“, sagt der Fachmann, der selbst professionell Graffiti sprüht, etwa am Bollwerk in Geldern. „Aber das sind Leute, die haben einen Plan und nicht einfach Papas Spraydose aus der Werkstatt geklaut“, zieht er den Vergleich. Auffallend sei, dass so etwas in den Schulferien passiert. Sein „blaues Haus“ mit dem Ballonmädchen an der Issumer Neustraße ist am Wochenende auch mit einem schwarzen Graffiti-Sprühzug versehen worden. Er trägt es mit Fassung und macht den- oder demjenigen auch das Angebot, sich bei ihm unverbindlich zu melden. Nicht um eine Gardinenpredigt zu halten, sondern um ins Gespräch zu kommen.

„Traurig, wirklich sehr traurig“, so beschreibt Schulleiterin Christel Münster die Stimmung an der Brüder-Grimm-Schule. Denn auch die Grundschule an der Neustraße wurde heimgesucht. Dem großen Mauergemälde, das erst kurz vor den Herbstferien fertig geworden ist, wurden von den illegalen Sprayern zwei schwarze Balken verpasst. Außerdem wurden Türen beschmiert. „Die Polizei war schon hier und hat alles aufgenommen“, sagt die Schulleiterin.

Nach § 303 Strafgesetzbuch ist Graffiti eine Straftat. Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird, „wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert“. Weitere Graffiti befinden sich unter anderem am Durchgang zum Platz An de Pomp.