Eltern in Geldern kämpfen für vierte Klasse am Friedrich-Spee-Gymnasium

Schulanmeldungen in Geldern : Eltern kämpfen für vierte FSG-Klasse

Ihrer Wut über die geplante Sechszügigkeit der Gelderner Gymnasien machten viele Mütter und Väter am Donnerstag Luft. Was ihnen zu fehlen schien: Der Wille von Politik und Stadtverwaltung, eine Überhangklasse einzurichten.

Karl Kirchhart, Schulleiter des Friedrich-Spee-Gymnasiums (FSG), hatte eigentlich zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Doch der Donnerstagabend war mehr ein Schlagabtausch zwischen Eltern, Stadtverwaltung und Politik. Der Grund: Der Schulausschuss der Stadt Geldern hatte gegen eine Überhangklasse an den Gymnasien gestimmt. Somit müssten bis zu 31 Kinder in sechs Klassen unterrichtet werden, fünf Kinder aus Wetten würden ganz abgelehnt. Bei den Müttern und Vätern herrschte Unverständnis für diese Entscheidung – gebe es doch genügend Kapazitäten für eine weitere Klasse am FSG.

Bürgermeister Sven Kaiser und Schuldezernent Helmut Holla versuchten es mit Informationen. Mit der Schulentwicklungsplanung, die der Rat der Stadt Geldern im Herbst 2017 beschlossen hatte und die gesamte Schullandschaft der Zukunft betreffe. Und mit der Zügigkeit aller Schulen, die damit festgelegt wurde. Für das FSG und das Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) sind es insgesamt sechs Klassen. Mit einer Überhangklasse ändere sich zumindest am FSG die Klassengröße nicht, argumentierten sie. Denn dann gebe es am LMG drei Klassen mit 22 Kindern, am FSG vier Klassen mit 31 Kindern.

Damit traf der Bürgermeister einen Nerv der Eltern: Sie fühlten sich von der Politik bevormundet, wünschten sich ein Wahlrecht. Wenn es eine siebte Klasse gäbe, würden sich schon Kinder finden, die freiwillig ans benachbarte LMG wechseln. Die Eltern argumentieren mit zu vollen Klassen. Mit Kindern, die an eine andere Schule wechseln müssten, wenn sie sitzen bleiben. Damit, dass es Aufgabe der Stadt sei, die Kinder bei ungleichen Anmeldezahlen auf die Klassen zu verteilen. Schulleiter Karl Kirchhart musste zwischenzeitlich um Ruhe bitten. „Die Gründe für die Deckelung fallen heute weg“, sagt ein Vater ins Mikrofon. „Die Anmeldezahlen für die Gesamtschule und die Realschule sind gut. Bei einer Siebenzügigkeit der Gymnasien haben die anderen Schulen keine Nachteile.“

Das sehen die Politiker anders. CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Cools spricht von einer Büchse der Pandora, die man mit einer weiteren Klasse öffnen würde. Um die Gesamtschule zu sichern, müsse man sich an die geplante Zügigkeit halten, da sind sich die Politiker und Stadtverwaltung einig. „Wir haben bittere Erfahrungen mit der Sekundarschule gemacht“, sagt Sven Kaiser. Außerdem seien die Gymnasien nicht benachteiligt, was die Größe der Klassen angehe – an anderen Schulen säßen auch bis zu 31 Kinder in einem Klassenraum.

„Wir sind gar nicht gegen den Beschluss der Sechszügigkeit“, sagte ein Vater in Richtung Bühne. „Wir verstehen nur nicht, dass Sie sich gegen eine Überhangklasse wehren.“ Und er spricht auch Sven Kaiser ganz direkt an: „Ich habe mich gefragt, warum Sie als Bürgermeister der Schulstadt Geldern nicht in Jubel ausbrechen angesichts der Anmeldezahlen.“

Immer wieder verwiesen die Politiker auf eine Entscheidung von der Bezirksregierung aus Düsseldorf. Dort werde geprüft, ob eine weitere Klasse möglich sei. „Ich denke, dass wir am Montag Klarheit haben“, sagte Sven Kaiser. „Ich gehe davon aus, dass es dann im Rat eine Mehrheit finden wird.“ Was vielen Eltern dennoch den gesamten Abend zu fehlen schien: Der Wille der Politiker und Vertreter der Stadtverwaltung, für das kommende Schuljahr eine weitere Klasse einzurichten. Und bis zum Ende blieben sie den Eltern die Antwort schuldig, warum man sich dagegen wehre.