Wachtendonk: Elektroautos teilen geht auch am Niederrhein

Wachtendonk : Elektroautos teilen geht auch am Niederrhein

Unternehmer Johannes Hegmans aus Wachtendonk probiert ein neues Konzept für E-Car-Sharing aus – speziell für ältere Personen.

Mit lautlosem Motor rollt der Wagen über die Straße. Wenn man die Augen schließt, verrät nur das Geräusch der Reifen, dass der Wagen fährt – und das nicht einmal langsam. In sieben Sekunden schafft Elektroauto „Frieda“ es von Null auf Hundert. „Fast wie fliegen“, sagt Johannes Hegmans gern.

Der Wachtendonker nennt sich selbst Energiemensch, er ist Energieunternehmer im Ruhestand. Vor mehr als 40 Jahren gründete er die Plan Energie GmbH in Moers. Seitdem er nicht mehr aktiv in der Energieberatung tätig ist, widmet sich Hegmans seinem neuen Projekt, der Firma „MobilPower“. Mit einem neuen Konzept will er das Teilen von Elektroautos am Niederrhein etablieren – angefangen mit seinem Wagen „Frieda“.

Das Thema E-Carsharing hatte Johannes Hegmans schon lange beschäftigt, nun realisiert er seine Idee. „Carsharing ist ein aktuelles, wichtiges Thema, aber auf dem Land nur schwierig umzusetzen“, sagt er. Konzepte, wie es sie in vielen Großstädten gibt, würden am Niederrhein nicht funktionieren.

Meist können Kunden dort die Leihwagen über das Smartphone öffnen, es eine Zeit lang fahren und dann an beliebiger Stelle in der Stadt stehen lassen. Der nächste Fahrer sieht dann online auf einer Karte, wo die Elektroautos stehen. „Das würde am Niederrhein nicht funktionieren“, sagt Hegmans. Dafür gebe es zu wenige mögliche Nutzer und die Strecken lägen zu weit auseinander – es bräuchte zu viele Leihwagen.

„Ich will das Carsharing mit Elektroautos auch auf dem Land wirtschaftlich machen“, sagt Hegmans. Seine Idee richtet sich vor allem an ältere Menschen. Senioren, die ihr eigenes Auto ohnehin nicht mehr häufig nutzen, sollen sich zu fünft zusammentun und ein Elektroauto teilen. Das werde dann immer wieder an einem zentralen Ort abgestellt, um für alle Teilnehmer verfügbar zu sein. „Auch für alle, die sich einen Zweitwagen sparen wollen, könnte das Carsharing interessant sein“, sagt Hegmans. Zudem will der Unternehmer mit Hotels kooperieren und E-Autos für Touristen anbieten.

Die größte Hürde, so der Wachtendonker, sei die Angst, dass der Wagen mit einer leeren Batterie liegen bleibt. Das Modell von Johannes Hegmans, ein BMW i3, schafft etwa 160 Kilometer mit dem elektrischen Antrieb, mit einer Benzinreserve kommt es auf 300 Kilometer. „Wenn man überwiegend hier in der Region unterwegs ist, reicht das vollkommen aus.“ Auch nach Köln sei Hegmans schon mit Frieda gefahren. „Wenn er allerdings meinen Sohn in Paris besuche, nehme ich doch den Benziner.“

Nach einer längeren Strecke kann der Wagen an einer normalen Steckdose wieder aufgeladen werden. Öffentliche Ladestationen am Niederrhein gibt es unter anderem in Geldern, Straelen, Kerken, Weeze, Goch und Sonsbeck. Die Stadtwerke Krefeld wollen zudem eine Säule für zwei Ladeplätze am Friedensplatz in Wachtendonk errichten. Für „Frieda“ könnte das der feste Stellplatz werden.

Je nach Fahrweise verbraucht ein Elektroauto zwischen 15 und 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. „Am besten kann man das für sich vergleichbar machen, wenn man weiß, dass in Diesel oder Benzin etwa 10 Kilowattstunden Energie pro Liter stecken“, sagt Hegmans. „Das bedeutet also: Der Stromer verbraucht so etwa zwei Liter auf 100 Kilometer. Das ist außerordentlich wenig, verglichen mit allem, was wir so aus der Verbrenner-Szene kennen.“

Wichtig sei aber, dass der Strom, der in den Wagen fließt, aus erneuerbaren Energien stammt. Denn Eletroautos seien nicht per se umweltfreundlicher als Verbrenner. „Elektromobilität ist eigentlich nur wirklich umweltfreundlicher als die Verbrennungsmotoren, wenn der Strom aus erneuerbarer Energie, wie Fotovoltaik oder Windkraft gewonnen wird. Das sollten wir berücksichtigen, wenn wir uns nicht selbst betrügen wollen.“ Den Strom für „Frieda“ speist Hegmans aktuell aus Solaranlagen, unter anderem von seinem früheren Bürogebäude in Wachtendonk. Die Energie würde auch für weitere Autos reichen.

Auf staatliche Förderung für E-Wagen will Hegmans bewusst verzichten. „Das Geschäft muss auch ohne Zuschüsse funktionieren“, sagt er. „Für Privatpersonen hingegen ist ein Zuschuss bei der Anschaffung eines Elektroautos sehr sinnvoll.“

Der Unternehmer weiß, dass es auch in anderen Kleinstädten und Dörfern bereits Angebote für E-Car-Sharing gibt. „Dort läuft es aber überall gleich schleppend“, sagt er. „In kleineren Städten verdient damit kaum einer Geld.“ Das will Johannes Hegmans mit seinem Konzept für Senioren vermeiden. Aktuell vermietet er nur das eine Auto, die Nachfragen seien noch vereinzelt. Er plant aber, bis Ende des Jahres einen zweiten Wagen anzuschaffen, wenn das Geschäft anläuft.