Besonderer Kinoabend in Geldern Ein Film für mehr Frauenrechte

Geldern · Einen besonderen Termin gibt es in der Reihe „Filmzeit“ in Geldern. Der Kunstverein Gelderland zeigt in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt den Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“.

 Vor dem Herzogtheater: Ein Mitarbeiter des Kinos (hinten l.), Kino-Chef Henning Janssen (hinten r.), die Gleichstellungsbeauftragte Sonja Liptow sowie vom Kunstverein Gelderland Hejo Eicker, Inge Ruhs und Christel Terhorst (vorne v.l.).

Vor dem Herzogtheater: Ein Mitarbeiter des Kinos (hinten l.), Kino-Chef Henning Janssen (hinten r.), die Gleichstellungsbeauftragte Sonja Liptow sowie vom Kunstverein Gelderland Hejo Eicker, Inge Ruhs und Christel Terhorst (vorne v.l.).

Foto: Herbert van Stephoudt

Ohne Erlaubnis des Ehemannes durfte keine Arbeitsstelle angetreten werden. Den Haushalt musste sie von dem Geld bestreiten, das der Gatte ihr zur Verfügung stellte. Und dass sie sich um Kinder und Küche kümmern musste, das gehörte sich einfach so. Regelungen, mit denen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurecht kommen mussten. Und immer noch sind sie den Männern nicht gleichgestellt. Eine Tatsache, auf die der Internationale Weltfrauentag, der immer am 8. März begangen wird, hinweist.

Das Kino-Programm des Kunstvereins Gelderland für den Monat März steht ganz im Zeichen des Internationalen Weltfrauentags: Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Geldern gibt es in der Reihe „Filmzeit“ am Donnerstag, 10. März, im Herzogtheater Geldern den Film „Die Unbeugsamen“ zu sehen.

„Seit 2019 zeigen wir zum Weltfrauentag einen besonderen Film“, erklärt Hejo Eicker vom Kunstverein. Die Auswahl trifft der Kunstverein und bespricht dann mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Geldern, Sonja Liptow, welcher Streifen gezeigt werden soll. Das Label „Weltfrauentag“ habe bisher immer gezogen, meint Eicker mit Blick auf die bisherigen guten Besucherzahlen. Liefen bisher Spielfilme, wird diesmal ein Dokumentarfilm präsentiert.

Komisch, bitter und erschreckend aktuell ist „Die Unbeugsamen“. Den Film drehte Regisseur Torsten Körner 2020. Es geht um den politischen Kampf der Frauen in der jungen Bundesrepublik gegen Widerstände, Vorurteile und Sexismus drehte. „Die Unbeugsamen“ ist ein gelungenes Porträt dieser mutigen Frauen, die seit den Tagen der Bonner Republik darum rangen, dass Politik nicht allein Männersache ist. Politikerinnen aller Parteien verfolgten ihr Ziel unerschrocken und mit viel Geduld und ließen sich auch von Vorurteilen und sexueller Diskriminierung nicht abschrecken. Reizvoll zudem ist, dass der Film mit zum Teil bisher unbekannten Archiv-Ausschnitten aufwarten kann.

Es habe seit der Zeit, die der Film beleuchtet, zwar einige positive Änderungen für die Frauen gegeben, sagt Sonja Liptow. „Aber wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen.“ Auf der Haben-Seite verbucht sie zum Beispiel den kreisweit installierten „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ und den „Equal Pay Day“, der in diesem Jahr am 7. März stattfindet.

Doch sind diese Angebote und Aktionen auch Hinweise darauf, dass für die Frauen vieles nach wie vor im Argen liegt. Viele leiden unter der Gewalt ihrer männlichen Partner. Und viele bekommen für die gleiche Arbeit weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts verringerte sich die deutsche Lohnlücke zwar um einen Prozentpunkt, doch liegt sie immer noch bei 18 Prozent.

„Es ist noch ein langer Weg, es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten“, meint die Gleichstellungsbeauftragte mit Blick auf wirkliche Gleichberechtigung. Sie verweist darauf, wie wenige Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft von Frauen bekleidet werden. Und die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass Frauen wieder vor allem als Hausfrau und Kinderbetreuerin gefragt waren. Es sei da nicht so einfach, aus den traditionellen Rollenverteilungen auszubrechen.

Mit dem Filmabend möchte Sonja Liptow ein gemischtes Publikum erreichen. Auch Hejo Eicker wünscht sich einen Querschnitt der Bevölkerung in den Kinosesseln. Also Film-Fans, denen es um Politik und um Unterhaltung geht. Frauen und Männer.

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