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Geldern: Ein Baum voller Engel

Geldern : Ein Baum voller Engel

"Kunst und Religion" heißt es bis zum 14. Mai im Kranenburger Museum Katharinenhof. 15 deutsche und niederländische Künstler setzen sich mit dem Thema auseinander. Die Ausstellung durchzieht das ganze Haus.

Wie Quallen liegen sie auf der Erde und schimmern mattweiß. Es sind halbrunde Lampen, die Dagmar Reichel im Dachgeschoss des Museums Katharinenhof mitten in die Devotionalien-Sammlung des Museums Katharinenhof gesetzt hat. Jede der Lampen ist mit einem weißen Papier überzogen, auf dem "Sinnsprüche" verewigt sind. Es ist eine stille Installation im dämmrigen Raum. "Ehre, wem Ehre gebührt", steht dort, oder "Was Du nicht willst, was man dir tu, das fügt auch keinem anderen zu". Darin klingt schon Kants späterer kategorischer Imperativ für die Maxime des eigenen Handelns als Gesetz mit. Dort steht "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach", jener Satz aus dem Matthäus-Evangelium als die Jünger schlafen statt zu wachen und zu beten, unmittelbar, bevor Judas mit den Häschern kommt. Dort steht "Einer trage des anderen Last" aus Paulus' Galater-Brief. "Trost und Leid" heißt die Installation. Und Trost habe sie oft in den Sätzen gefunden, sagt die Künstlerin. Trost finden oder den Sätzen und ihrem Kontext nachzuspüren, dazu lädt die Arbeit in aller Stille ein.

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"Kunst und Religion" heißt das Thema im Museum Katharinenhof, zu dem 15 Künstler in Kranenburg und zwei im Kunstmagazijn in Nimwegen Arbeiten gemacht haben oder auf das sie mit Arbeiten reagieren. In Kranenburg beginnt das Thema bereits in der ständigen Sammlung mit dem Schwerpunkt christlicher Kunst im Erdgeschoss, wo Kopffüßler à la Hieronymus Bosch auf die Bilder und Skulpturen reagieren, sie anstarren. Das Schöne an der Arbeit von Gerhard de Groot: Man geht noch einmal hinein in die Kabinette und setzt sich mit den Bildern dort auseinander - es lohnt.

 "Trost und Leid": Leuchtende Sinnsprüche aus der Bibel unterm Dach erhellen die Ausstellung mit Devotionalien von Dagmar Reichel.
"Trost und Leid": Leuchtende Sinnsprüche aus der Bibel unterm Dach erhellen die Ausstellung mit Devotionalien von Dagmar Reichel. Foto: Evers Gottfried

Das Gros der Arbeiten ist in den Räumen zur Wechselausstellung, wo der Besucher gleich von tibetanischen Gebetsmühlen empfangen wird, die Birgit Brebeck-Paul dort installiert hat. Sie tragen Dollar- und andere Geldsymbole. Ist's der Gott Mammon, dem hier gefrönt wird, oder hat das Geld auch den Tibet erobert?

Weiter geht's mit einem großen Gewand aus alten Gotteslob-Seiten von Jutta Rohwedder und einer Talmud-Umblättermaschine von Birgit Brebeck-Paul. Im nächsten Raum präsentieren sich Flugversuche mit langgestreckten spitzen Flügel-Konstruktionen - eine schöne Installation von Andreas Hetfeld. Beim Thema "Kunst und Religion" denkt man wohl an Engel. Comic-artig witzig "Der letzte Abwasch" von Bars Janboud mit den Jüngern an der Spüle. Filigran in sich gekehrt zeigt sich Casper ter Heerdts "Engelsbaum" (Angeltree): Feingliedrige Figuren, in sich gekehrt mit gefalteten Händen, umstehen einen schlanken Stamm und werden zu einem mannshohen Baum. Schön stehen zu ter Heerdts Installation "Zeige deine Liebe", die auch an Beuys erinnern soll (so der Künstler), die Zeichnungen von Selma Dronkers. Ihr weicher Strich setzt Wolken auf Büttenpapier, die sich in der Blattmitte zu einem Horizont verdichten.

 Der "Engelbaum" von Casper ter Heerdt.
Der "Engelbaum" von Casper ter Heerdt. Foto: mgr

Im letzten Raum versammelt Martje Verhoeven in den großen Vitrinen am Ende der Ausstellungssäle wieder Devotionalien. Kleine Werke, die sie gemacht hat, umwickelte Skulpturen auf ein Kreuz gesetzt, Figuren, die an Voodoo erinnern, Blätter mit Gingko-Zeichnungen, krumme Hörner, die an heidnische Mythen erinnern, Fundstücke - sie alle finden sich wieder. Verhoeven lädt ein zu einer ganz persönliche Entdeckungsreise in der Auseinandersetzung mit den Dingen in den Vitrinen und mit den eigenen Vorstellungen von religiös aufgeladenen Dingen. Und um diese dann oben im Dachgeschoss mit denen der ständigen Sammlung zu vergleichen. Dort, wo die leuchtenden Sinn-Sprüche im Dialog mit den christlichen Devotionalen stehen. Bleibt Dini Thomsens Boot, das als Gerippe da stehend an Flüchtlinge erinnert. An Menschen, die auch vor fanatischen Vertretern ihrer Religion auf der Flucht sind.

Kunst und Religion. Museum Katharinenhof. Bis 14. Mai. Di bis So 14 bis 17 Uhr.

(RP)