1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Ein Anwohner in Auwel-Holt will den Neubau der RWZ-Stelle verhindern.

Kritik an RWZ-Planung in Holt : Kampf um Holts Alte Molkerei

Die RWZ will einen Neubau errichten. Anwohner Peter Swemers will den Abriss des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes verhindern. Er hat eine Klage eingereicht. Der Landschaftsverband Rheinland sieht in dem Haus kein Denkmal.

Er wolle die Bevölkerung wachrütteln, sagt Peter Swemers. Ihn und einige Nachbarn treibt um, was mit der Alten Molkerei in Holt passieren soll. Vor allem: Was an ihre Stelle treten soll.

Das Gebäude der Molkereigenossenschaft Holt blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1908 wurde es errichtet mit Gleisanschluss an die Geldernsche Kreisbahn. Ab 1911 bis heute fanden mehrere Erweiterungen und Umbauten statt. Aktuell betreibt die Raiffeisen Waren-Zentrale (RWZ) dort eine Vertriebsstelle. Das Unternehmen plant, das alte Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen.

Gegen den Abriss hat Swemers Klage eingereicht. Er fürchtet, dass, ähnlich wie beim „Gemüseplatz“ in Straelen, wieder ein Zeugnis für die Historie des Gartenbaus in der Blumen- und Gemüsestadt verloren geht. Auf Unterstützung von den Denkmalschützern des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) kann er allerdings nicht hoffen. Der LVR werde keinen Antrag auf Unterschutzstellung stellen, teilte ein wissenschaftlicher Referent des LVR im August der Stadt Straelen als Unterer Denkmalbehörde mit. Zu unbedeutend sei die Alte Molkerei, zu oft verändert worden. Auch sei „leider bereits“ eine Abbruchgenehmigung erteilt worden.

Den LVR-Experten wirft Swemers vor, die Alte Molkerei nicht sorgfältig genug geprüft zu haben. So sei an der Seite die Rampe noch komplett vorhanden. „Hier kann man doch ein Museum einrichten und eine Kulturstätte für Straelen“, findet der 68-Jährige. Für die beliebten Agro-Bustouren käme dann eine schöne weitere Station hinzu.

Alles andere als schön ist aus seiner Sicht das von der RWZ geplante neue Gebäude, gegen das Swemers ebenfalls klagt. Ein rund 635 Quadratmeter großer Profigartenfachmarkt. Swemers: „Der wird acht Meter hoch und hat an einer Seite eine Blechwand.“ Die größte Sorge macht ihm ein Gefahrstofflager und ein davor platziertes Hochregal-Lager „mit den stärksten Giften“. Das läge dann direkt gegenüber seinem Haus, die Abluft würde zu seinem Haus hin geblasen. Den Beteuerungen der RWZ und des Kreises, es werde nichts zu riechen sein, glaubt er nicht. Gegen das „Giftlager“, so Swemers, an der Straße „An der Molkerei“ hat er nach eigenem Bekunden die Unterschriften von 14 Nachbarn gesammelt. Ein Neubau ist aus seiner Sicht auch deshalb unnötig, weil die RWZ Lagerhallen benachbarter Grundstücke nutzen könnte.

Zwei Millionen Euro will die RWZ laut Johannes Pellander in den Neubau investieren. „Der Standort ist auf“, sagt der Geschäftsführer der Vertriebsgruppe Nordrhein im RWZ, der sein Büro in Wankum hat. „Wir wollen in der Region für den Gartenbau da sein und einen modernen Betrieb bauen.“ Denn die Alte Molkerei werde längst nicht mehr den Anforderungen des Gartenbaus gerecht.

Der neue Profifachmarkt Gartenbau soll laut Pellander auf einer Ebene Lagerung, Verkaufsraum und Ausstellungsraum bieten. Das schaffe unter anderem auch bessere und zeitgemäße Arbeitsbedingungen für die zehn Beschäftigten vor Ort. Die RWZ-Stelle in Holt soll schwerpunktmäßig die Anlaufstelle für Gartenbaubetriebe rund um Straelen und Wachtendonk sein. Weiter nördlich ist die Niederlassung in Lüllingen zuständig.

Pellander bestätigte, dass auch Gifte und Gefahrstoffe gelagert würden. „Aber das ist von den zuständigen Behörden alles abgesegnet und genehmigt.“