Ein Abend mit Liedern von Johannes Brahms in der Tonhalle Geldern

Klassik : Brahms-Lieder mit schönen Ansätzen

„Juchhee“-Abend in der Tonhalle Geldern. Programm geschmackvoll zusammengestellt. Einige Interpretationen enttäuschten.

Eine geschmackvolle Zusammenstellung an Liedern von Johannes Brahms bot das Programm mit dem Titel „Juchhee“ in der Tonhalle der Kreismusikschule. Aufgrund der überwiegenden Kürze der Einzelstücke beinhaltet das Repertoire insgesamt 15 Lieder in der Interpretation der Mezzosopranistin Gesine Lersch-van der Grinten, Johannes Hombergen am Klavier und Frederik Geene, Viola.

Erstaunlich ist, wie vielseitig das vokale Schaffen Brahms war, das durch eine ins Äußerste gedehnte Tonalität und Ableitung großer Entwicklungen aus kleinsten motivischen Keimzellen zu charakterisieren ist. Brahms zählte zu den Anhängern der konservativen, absoluten Musik und stand den als fortschrittlich betrachteten Anhängern der so genannten Neudeutschen Schule skeptisch gegenüber. Schade, dass dem interessierten Publikum keine übergreifenden Informationen zu dieser spannenden Gattung deutschen Liedguts geboten wurden. Bemerkungen, etwa über das Verhältnis von Textautoren und Komponisten, oder auch das Zustandekommen der Lieder, wären wünschenswert gewesen. Sie sind größtenteils bekannt und hätten den Liederabend belebt, zumal aus den schwelgenden Texten der doch für unsere Verhältnisse schwer zu verstehende Zeitgeist überschwänglich hervortrat.

In musikalischer Hinsicht überzeugte Gesine Lersch-van der Grintens flexible, fokussierte und zugleich sensible Stimme. Hombergens Begleitung wirkte bei schnellen Passagen häufig zu laut, so dass der generell sehr gut artikulierende Sopran unterging. Beiden Interpreten gelang eine eingängige Wirkung der musikalisch komplexen Lieder, insbesondere in den „Vier ernsten Gesängen“ op.121. Gelegentlich fielen die im Tempo sehr frei gewählten Phrasierungsenden der Sängerin auf. Manchmal haperte das Zusammenspiel, schien Hombergen bei seiner Liedbegleitung zu sehr den nicht einfach zu spielenden Partituren zuzuhören, anstatt deutlicher zu kommentieren und den musikalischen Verlauf so mitzubestimmen. Dadurch fehlte es insgesamt an Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, während Lersch-van der Grinten aber ein hohes Maß an Ausdruck in ihre Stimme legte.

Leider enttäuschte die Interpretation des Eingangsliedes „Juchhe! op. 6 Nr. 4“, da deutliche Akzente im Gesangspart fehlten und der außerordentlich fröhliche Charakter der Komposition so nicht zum Tragen kam. Frederik Geene überzeugte mit seinen Viola-Einlagen „Sonate Es-Dur op. 120 Nr. 2“ und „Wie Melodien zieht es mir op.105 Nr. 1“ ebenso wie bei der Begleitung der „Zwei Gesänge op. 91“.

Letztendlich zeigten die Interpretationen teils sehr schöne und vielversprechende Ansätze, die aber leider zu oft durch die fehlende Wechselseitigkeit von Gesang und Begleitung und einen Mangel an musikalischer Konsequenz beeinträchtigt wurden.

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