Ehrenamtliche in St. Maria Magdalena Geldern

Beerdigungsdienst von St. Maria Magdalena Geldern : Ein Blick für trauernde Menschen

Neun Monate dauerte die Ausbildung von Karl-Heinz Tenhaef für seine neue Aufgabe im Beerdigungsdienst seiner Kirchengemeinde. Dieses Ehrenamt hat er bewusst gewählt. Nur in der Kirchenbank sitzen ist ihm zu wenig.

Wenn Karl-Heinz Tenhaef zu Besuch kommt, geht es nicht um muntere Plaudereien am Kaffeetisch, zumindest nicht, wenn er in seiner neuen Aufgabe unterwegs ist. „Beauftragter für den Beerdigungsdienst“ steht über seinem Namen auf der Homepage der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Geldern. Er trifft dabei auf Menschen, die Abschied nehmen müssen, manchmal abrupt, oft unfassbar.

Neun Monate hat seine Ausbildung gedauert. „In der Zeit kann man keine Volltheologen aus uns machen. Aber das ist auch gar nicht gewünscht“, sagt der Familienvater, der hauptberuflich beim Ordnungsamt der Stadt Geldern arbeitet.

Das Ehrenamt für die Kirche begleitet ihn schon viele Jahre. Vor der Fusion war er vier Jahre im Pfarrgemeinderat in Hartefeld, Lektordienst, Kommunionhelfer bestimmen seinen Werdegang. „Nur sonntags in der Kirchenbank sitzen und die Predigt anhören, das war mir nicht genug“, nennt er seinen Antrieb. „Ich wollte mich mehr einsetzen, für die Kirche, für die Menschen.“ Es hat auch damit zu tun, dass er viel Gutes im Leben erfahren habe, sagt der Familienvater. „Das möchte ich weitergeben.“

Vom Trauer- und Begräbnisdienst hatte er schon einmal etwas in der Zeitung gelesen. Dann sprach ihn der leitende Pfarrer von St. Maria Magdalena, Arndt Thielen, direkt an. „Das ist doch was für dich“, hatte der Geistliche zu ihm gesagt. Zum Einführungsgespräch sind beide gemeinsam gefahren. „Darin ging es darum, ob man überhaupt dafür geeignet ist oder man sich überhaupt schon mit dem Thema auseinandergesetzt hat“, sagt Tenhaef. Das hat er. Der 54-Jährige ist auch in der Krankenhausseelsorge tätig. „Die Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben, Tod war mir nicht neu“, sagt der Gelderner. Nach vier oder fünf Monaten gab es ein weiteres Gespräch, in dem jeder Teilnehmer noch einmal in sich gehen konnte, ob er die Aufgabe wirklich machen will. „Alle zwölf Teilnehmer haben den Kursus durchgezogen“, sagt Tenhaef. Für ihn habe immer festgestanden, dass es für ihn der richtige Weg ist.

In Zukunft darf er Trauergespräche führen, in der Begräbniskapelle die Einsegnung des Sarges oder der Urne vornehmen, die Lesung, Fürbitte und die Predigt halten, eigentlich alles, außer die Eucharistie. Mit seinem Dienst ist er den Seelsorgern vor Ort eine große Hilfe. Seine erste Beerdigung hat er Anfang August. „Aufgeregt ist man immer“, sagt Tenhaef. Aber das sei auch gut so. „Man darf den Respekt und die Ehrfurcht vor der Arbeit nicht verlieren“, lautet seine Prämisse. Und: „Oft ist weniger mehr.“ Das hat er im Gespräch mit trauernden Angehörigen so erlebt. „Man setzt sich und plötzlich fangen die Angehörigen zu erzählen“, sagt Tenhaef. Dabei gibt es kein Schema. „Jedes Trauergespräch ist anders.“ Und das ist auch gut so.

Mit dem, was er gehört hat, „da muss ich persönlich zurecht kommen“, sagt der Gelderner. Er hat Schweigepflicht. „Ich kann nicht einfach nach Hause gehen und meiner Frau alles erzählen.“ Wohl steht ihm ein geistlicher Begleiter zur Seite, der auch Schweigepflicht hat. Nach einem solchen Gespräch kann er nicht einfach in die Routine des Alltags zurück. „Man kann nicht ein Trauergespräch halten und eine halbe Stunde später steht ein Geburtstag an“, sagt er über die emotionale Beanspruchung. 120 Unterrichtsstunden hatte er hinter sich, bevor er das Zertifikat des Bistums in den Händen hielt. „Nach der Prüfung fängt man erst richtig an zu arbeiten“, sagt Tenhaef. Ohne die Unterstützung seiner Familie, die ihm den Rücken freihält, wäre das alles nicht möglich, betont er. Eins ist ihm sehr wichtig: „Es darf nie ein Abarbeiten sein. So möchte ich das nicht machen. Es geht um Menschen.“ Und so bleibt jeder Trauerfall ein Einzelfall, der gleich wichtig ist und volle Aufmerksamkeit verdient.

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