Verkaufsoffener Sonntag : Drachenfest erinnert an Ursprung Gelderns

Die vielen Stände, der Umzug und der verkaufsoffene Sonntag lockten am Sonntag viele Besucher in die Innenstadt.

„Haben die Kinder in der Schule denn auch noch das Gedicht vom Gelderschen Draak gelernt?“, fragte Gerd Lange, Geschäftsführer des Gelderner Werberings, das aufmerksame Publikum am Sonntag um kurz vor 14 Uhr am Markt der Drachenstadt. Nach zahlreichem und ausgiebigem Kopfschütteln der meisten anwesenden Grundschüler erzählte Lange, der als Herold (mittelalterlicher Bote) mit rotem Gewand und Mütze, brauner Hose und weißen hochgezogenen Socken verkleidet war, die Geschichte vom Menschen fressenden Drachen. Der „Draak von Pont“ soll einer Erzählung nach einst von den beiden tapferen Männern Wichard und Lupold von Pont bezwungen worden sein. „Als der Drache im Sterben lag, hat er gerufen: Gelre! Gelre!“, sprach Herold Lange in sein Mikrofon. Die mutigen Bezwinger des echsenartigen, geflügelten Fabelwesens sollen der Sage nach daraufhin die Stadt „Gelre“ (heute Geldern) um 878 gegründet haben.

Kurz darauf startete auch schon der einstündige Umzug durch Gelderns Innenstadt. An drei Stationen warteten Überraschungen auf die mitziehenden Besucher, vor allem Eltern mit ihren Kindern. Eine Schar von mehr als einhundert Interessierten folgten Gerd Lange, an dessen Seite Mike Greven („Mikey“) den Laumann-Bollerwagen mit einem portablen Lautsprecher hinter sich herzog, und dem Spielmannszug der Bergknappen sowie der „Ritterschaft von Kalios“ mit ihrem Drachen.

Vom Drachenbrunnen aus ging es mit Musik der Bergknappen in Richtung Hartstraße los. In der Seitgasse Am Treppchen wurde der erste Halt gemacht. Gabi Engelke vom Schwarzbrenner Geldern verteilte mit ein wenig Verzögerung die extra für das Drachen- und Feuerfest 2020 angefertigten Sticker an die zahlreichen Kinder. Die vierköpfige Band „Verus Viator“ spielte mittelalterliche Musik zu der die beiden Feuerartisten von „Insanity Firedance“ mit tänzerischen Soloauftritten begeisterten. Mit brennenden in Petroleum getränkten Kugeln, die an armlangen Seilen befestigt waren, bewegten sie sich zur Musik. Feuerspucken inklusive.

Im Anschluss ging es weiter. Zurück über den Markt am Drachenbrunnen in Richtung Bücherkoffer, wo die zweite Überraschung auf die jüngsten Drachenstädtler wartete: lange Wunderkerzen. Kevin Poppinga von der Gelderner Feuerwehr kniete sich mit einigen seiner Kollegen mit brennenden Fackeln vor die Kinder, um Feuer für die Wunderkerzen zu spenden. Bei einem kleinen Meer von Feuerfunken zeigten die Artisten von „Insanity Firedance“ erneut ihr künstlerisches Spiel mit dem Feuer bei musikalischer Unterstützung. „Gleich gibt´s Drachenblut für alle“, kündigte Lange an, bevor der Umzug zur letzten Überraschungs-Station am Schwarzbrenner aufbrach. Echtes Gelderner Drachenblut zum Trinken, für Klein (Saft) und Groß, (Kirschschnaps) stand dort parat. Nach einer weiteren musikalischen Feuershow ging es zurück zur Endstation am Markt. Dort hatten mittlerweile rund 60 Drachenzeichnungen ihren Weg zum Zelt an der Markt-Bushaltestelle gefunden. Zehn von ihnen wurden kurze Zeit später per Losverfahren mit einem Gutschein des Werberings prämiert.

Das vierte Drachen- und Feuerfest, das mittlerweile traditionell am ersten Sonntag im neuen Jahr stattfindet, war sehr gut besucht. Der verkaufsoffene Sonntag im Mittelalter-Flair scheint bei den Menschen im Gelderland anzukommen. Die hohe Besucherzahl spricht für eine fünfte Auflage in 2021.