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Dorfspaziergang in Corona-Zeiten durch Geldern-Pont

Dorfspaziergang in Corona-Zeiten — Zu Gast in Pont : Ein Automatendorf mit einem „Eichental“

In Pont kann man sich viele Lebensmittel aus festen Stationen ziehen. Und vielleicht im Juni wieder durch Mittelerde wandeln.

Die große Hoffnung auf Selbstversorgung steht schon lange leer. Das „Ponter Dorfzentrum“ ist nur noch ein verwaistes Ladenlokal. Fast zwei Jahre lang lief das Experiment mit dem kleinen Markt an der Dorfstraße; Ende Oktober 2018 war es vorbei. Für Brot und Brötchen müssen die Ponter jetzt früh aufstehen, der „Niersbäcker“ hat nur vormittags geöffnet, sieben Tage die Woche. Manches sonst können sich die Ponter aus dem Automaten ziehen. Fleisch in vielen Varianten bietet die Firma Beterams, direkt daneben gibt es von Böttcher Eier in den Größen L, M und S sowie bunte Freilandeier.

Leckeres aus dem Automaten: Fleisch von Beterams (l.) und Eier von Böttcher. Foto: Norbert Prümen/Norbert Prümen (nop)

Ebenfalls nur ein paar Schritte vom ehemaligen „Ponter Dorfzentrum“ entfernt hängen zwei Zigarettenautomaten an der Wand. Thomas Laschke hat sich eben eine Schachtel gezogen. Er hat gerade Urlaub und nutzt den für den Hausputz. Die eigentlich geplanten Tagestouren nach Krefeld, Düsseldorf oder ins Ruhrgebiet lässt er wegen der Corona-Pandemie lieber sein. Aber: „Man kann von hier mal eben mit dem Rad durch Felder, Wiesen und Wälder.“ Ruhig sei es in Pont sowieso, da spüre er nicht so viel Veränderung. Bis auf eine Ausnahme: „Von der B 58 ist jetzt noch weniger zu hören.“

Vorerst keine Konzerte; so übt Dietmar Weiß zu Hause auf der Gitarre. Foto: Norbert Prümen/Norbert Prümen (nop)

Für Ivo Cleve läuft die Arbeit weiter wie bisher. Der 29-Jährige ist bei Covestro in Uerdingen beschäftigt und genießt mit seiner Frau Madita und dem fünf Monate alten Sohn Mats einen Spaziergang in der Frühlingssonne. „Nachher geht’s zur Nachtschicht“, sagt der Industriemeister. Ostermontag stand eine Spätschicht auf dem Plan. Doch vorher wollte er auf jeden Fall grillen. Das Fleisch dafür sollte, wie so oft schon, aus dem Beterams-Automaten kommen. „Das ist sehr gut“, weiß der junge Ponter. Und sollte mal Bares fehlen: Direkt um die Ecke hängt der Geldautomat der Volksbank.

Georg Raeth (l.) und sein Mitarbeiter Jan Büren haben schon einige Bestattungen unter Corona-Bedingungen durchgeführt. Foto: Norbert Prümen/Norbert Prümen (nop)

„Da hinten gibt’s Kartoffeln und Zwiebeln“, sagt Dietmar Weiß und deutet von seiner Hauseinfahrt in Richtung der Straße „Am Gänsegarten“, wo ein weiterer Automat steht. Der braun gebrannte Mann wollte mit seiner Frau jetzt eigentlich auf Fuerteventura relaxen – gecancelt wegen Corona. Jetzt „genieße ich die Ruhe“, sagt der Mann, der gerade einige Einheiten auf seinem Cross Trainer absolviert hat. Joggingrunden draußen verbieten sich für ihn. „Ich bin Allergiker und leide unter den Frühblühern.“ Er hofft, dass sich das spätestens im Mai erledigt hat. Wann er sein musikalisches Hobby wieder auf der Bühne ausleben kann, weiß er nicht. Weiß ist Gitarrist und Sänger in der Rock-Cover-Band „Second Edition“. Da sind im März und April einige Auftritte wegen Corona abgesagt worden. Und ob Konzerte danach möglich sind, wird der Verlauf der Pandemie zeigen.

Rund 20 Bestattungen unter Corona-Bedingungen hat Georg Raeth bisher durchgeführt. Die Beschränkung auf den engsten Angehörigenkreis werde so hingenommen, hat er erfahren. „Wenn der enge Familienkreis dabei ist ist alles gut.“ Zumal eine Lösung sei, den Trauergottesdienst in größerem Rahmen später nachzuholen. Seine Frau Susanne Krause berichtet von einem Mann, der es gerade schön persönlich gefunden habe, weil die Beerdigung nur im engsten Kreis stattfand. Desinfektionsmittel und Vollschutz gehören in diesen Wochen auch für Bestatter zur Ausrüstung. Raeth: „Wenn wir in Alten- und Pflegeheime gehen, dann nur unter Vollschutz.“

Pause vom Hausputz: Thomas Laschke zieht sich Zigaretten. Foto: Norbert Prümen/Norbert Prümen (nop)

Masken werden, wenn Corona rechtzeitig verschwunden sein sollte, die Bewohner vom „Eichental“ tragen. Sie werden als Orks und Hobbits umherlaufen, als Zwerge und Elben. Dann, wenn bei den Tolkien-Tagen Anfang Juni rund um den Ponter Sportplatz Mittelerde wieder lebendig wird.

Jetzt liegt „Eichental“ still in der Nachmittagssonne. Nur ein Mensch hält die Stellung: Nico Brinkhoff. „Wir bereiten so weit alles vor“, sagt der 23-Jährige, der ehrenamtlicher Helfer des Tolkien-Vereins ist. Es muss geprüft werden, welche Gegenstände noch verwendbar sind und was ersetzt werden muss. Die Dächer der Hütten sind zu reparieren, Wege instand zu setzen. Denn wenn es soweit ist, sollen die „Hobbit-Küche“ und andere Buden fantastische Leckerbissen liefern. Wenn das Coronavirus auch dieser Veranstaltung den Garaus machen sollte, dann, so Brinkhoff, behalten die Tickets von 2020 ihre Gültigkeit auch für das nächste Jahr.