Dorfladen in Pont schließt

Lokaler Einzelhandel : Aus für das Ponter Dorfzentrum

Nach zwei Jahren endet das Geschäftsmodell. Der Grund: zu wenig Umsatz in den Sommermonaten. Bis Ende Dezember geht der Verkauf weiter. Wer Ideen hat, um den Laden aufrecht zu erhalten, kann sich melden.

Der Latte Macchiato will nach dieser Nachricht nicht mehr so recht schmecken. „Echt, das ist ja ganz traurig“, sagt Rainer Verhoeven, als er hört, dass der Laden Ponter Dorfzentrum zum Ende des Jahres schließt. „Für mich bricht ne Welt zusammen.“ Regelmäßig habe er seine Mittagspause in dem kleinen Cafébereich genossen. „Es ist eine schöne Gelegenheit, ein bisschen zu quatschen, man trifft den ein oder anderen Kunden, und die Herren und Damen sind auch supernett“, sagt er mit Wehmut in der Stimme.

„Die Herren und Damen“, das sind die hinter der Theke, die bedienen, Regale einräumen und ein offenes Ohr für ihre Kunden haben. Die den Laden seit anderthalb Jahren am Laufen halten und die Idee hatten, sind allen voran die Brüder Benjamin und Sebastian Kleinen. „Hier kann ich den Einzelhandel den Menschen so nahe bringen, wie er sein sollte“, sagt Benjamin Kleinen. Das Konzept: Ein Laden für die Ponter, mitten im Ort. „Wenn man mal was vergessen hat. Das Angebot ist sehr breit gefächert, die Grundnahrungsmittel, es ist alles da“, sagt eine Kundin und zeigt den Inhalt ihres Einkaufskorbs: Butter, eine Trauerkarte, Hundefutter. Mit 30 Händlern und Dienstleistern kooperiert das Ponter Geschäft. Es gibt nicht nur eine kleine Handwerkerabteilung und von der Kaffeemaschine bis zum Bofrost-Sortiment alles, was man im Haushalt brauchen könnte. Auch wenn etwa ein Maler oder anderer Dienstleister gesucht wurde, halfen die Mitarbeiter vom Ponter Dorfzentrum weiter. Das einzige was fehlte: die Kunden.

„Das vergangene Jahr hat uns hart getroffen“, sagt Benjamin Kleinen. Das Problem waren die Sommermonate. Die brachten weniger Kunden. In diesem Jahr war es dasselbe. Sebastian Kleinen spricht von 30 Prozent Umsatzeinbruch. „Die anderen Monate sind im Soll, aber nicht stark genug, um die Sommermonate aufzufangen“, lautet das harte kalkulatorische Ergebnis. Im Laufe der Zeit wurde schon gespart, an Personal. Eine Vollzeitstelle und eine 450-Euro-Stelle fielen weg. Mutter Marlies Kleinen springt zwischendurch ehrenamtlich ein. „Wenn ich nicht hier wäre, könnte Benjamin keine Pause machen“, sagt sie. Sieben Tage die Woche, zwölf Stunden hat das Geschäft im Herzen von Pont auf. „Zwischen 17 und 19 Uhr sind die stärksten Zeiten, sonst ist es relativ konstant“, sagt Sebastian Kleinen über das Kundenverhalten. Eine Sonntagskraft sorgt dafür, dass die Familie Kleinen am Sonntag frei hat.

Bis Ende Dezember wird der Laden weiterlaufen. Benjamin Kleinen sucht sich eine neue Stelle. Alexandra Richartz, die Verlobte von Sebastian Kleinen, die bisher als Konditorin für Kuchenspezialitäten gesorgt hat, besucht ab Oktober die Meisterschule. Es gibt noch drei 450-Euro-Kräfte, unter anderem Fahrer Theo Rörthmans. Sebastian Kleinen nennt ihn „bester Fahrer vom Niederrhein“. Rörthmans bedauert die Geschäftsaufgabe. „Das ist ja hier alles so schön familiär.“ 

Der „Laden im Dorf“ wird fehlen. „Es wurde eingekauft, es war aber auch ein Treffpunkt“, sagt Ortsbürgermeister Rolf Pennings. Er spricht von einer kleinen Katastrophe für Pont, wenn der Laden schließt. Gerade ältere Leute hätten dann keine Einkaufsmöglichkeit mehr vor Ort.

„Gerne sind wir bereit, mit möglichen Interessenten über ein Weiterbestehen des Dorfladens zu reden und diesen in gute Hände zu übergeben, die sich zutrauen, den Weg, den wir eingeschlagen haben, fortzuführen oder unsere Vorarbeit zu nutzen und mit eigenen Ideen in eine erfolgreiche Zukunft zu starten“, heißt es auf der Facebook-Seite des Ladens.