Kerken: Die Welzel-Brüder zeigen Mut zur Größe

Kerken: Die Welzel-Brüder zeigen Mut zur Größe

Der Neubau im Rahm umfassen 46.000 Quadratmeter. Von Landgard gab es für die Brüder den Nachwuchspreis.

Elektroscooter, Roller oder Fahrrad, um von einem Ende des Gewächshauses zum anderen zu kommen, greifen die Brüder Simon und Christian Welzel gerne mal zu Hilfsmitteln. 25 Kilometer am Tag sind keine Seltenheit. Die hat Simon Welzel gerade in der Bauphase zurückgelegt, denn der Gartenbaubetrieb in Rahm hat Zuwachs bekommen. 46.000 Quadratmeter sind nun neu unter Glas gesetzt. Dazu kommen die 43.000 Quadratmeter, die es schon vorher in Rahm gab. Insgesamt bewirtschaften sie 16 Hektar an sechs Standorten in Deutschland und den Niederlanden. Von Landgard gab es dafür den Nachwuchspreis. "Unter anderem, dass man den Mut hat, was Neues zu machen und im Gartenbau zu expandieren", nennt Christian Welzel die Begründung für den Preis.

Dabei wurden er und sein Bruder durch den plötzlichen Tod des Vaters ins kalte Wasser gestoßen. Bei einem tragischen Unfall starb der Vater, während er mit Freunden zu Besuch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien war. "Wie es nach dem Tod weiterging, es gab viele Optionen", resümiert Christian Welzel. "Wir haben dann gesagt: ,Wir versuchen das.'" Die Vergrößerung des Betriebes direkt vor der Haustür, die hatte Vater Georg schon im Blick gehabt. "Lass die Kinder mal bauen", hatte seine Frau Silvia geraten. Die haben aus dem Wunsch Wirklichkeit werden lassen. "Wir haben ein Konzept ausgearbeitet, es lohnt sich zu bauen, die Zinsen sind niedrig", sagt Christian Welzel. Neu sind in dem Gewächshaus die Bänder, auf denen die Blumen entlangrollen. "Die meisten Gärtner arbeiten mit Gabelstapler", erklärt der 26-Jährige. Mit den Bändern könne man aber flexibler gestalten.

"Wir wollen, dass die Pflanze zum Menschen kommt und nicht der Mensch zur Pflanze", begründet er die Entscheidung. Um ihn herum blüht es schon bunt. "Grundsätzlich ist Rot die Farbe der Farben", weiß Simon Welzel. "Es muss aber auch Weiß oder Pink dabei sein, eben ein ausgewogener Mix."

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Die Krux dabei: Die verschiedenen Pflanzen sollen natürlich möglichst alle zeitgleich für den Handel fertig werden. "Dafür sind wir halt Gärtner", sagt Simon Welzel und neben dem nötigen Fingerspitzengefühl kann die Technik natürlich auch helfen. Die Stecklinge mögen es angenehm warm bei 22 Grad. Die Wärme kommt vor allem aus der Biogasanlage und dem Blockheizkraftwerk. Ein riesiger Puffertank mit Wasser dient als Wärmespeicher. "Es sieht wie eine Großproduktion aus", sagt einer der Welzel-Brüder mit Blick auf das Blumenmeer. "Es ist aber keine Fabrik und man muss sich jeden Tag kümmern und Spaß daran haben."

Und weil Natur eben Natur ist und nicht völlig beeinflussbar, bleibt es immer auch für die Gärtner spannend. Denn eigentlich sind die Blumen so weit, dass sie bald in den Handel können. "Wenn am 30. April Frost ist, dann kommt der Verkauf zum Erliegen", wissen die Rahmer Brüder. Zwar kann mit Beschattung und dem Runterfahren der Temperaturen noch ein bisschen reguliert werden. "Aber das sind Notmaßnahmen", sagt Simon Welzel.

Schön wäre es jetzt, wenn es endlich wärmer wird, die Lust der Hobbygärtner steigt und die vielen Pflanzen aus dem Gewächshaus ein neues Zuhause finden.

(RP)