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Die Unfallschwerpunkte rund um Geldern.

Unfallschwerpunkte : Die gefährlichste Straße im Gelderland

Sieben Menschen starben vergangenes Jahr auf den Straßen im Gelderland, alleine drei von ihnen auf der B9 – der Hauptachse durch den Kreis Kleve. Wenn es außerorts kracht, sind die Unfälle meist besonders folgenschwer.

In der polizeilichen Unfallstatistik ist es einer von sieben tödlichen Unfällen. Doch das Jahr 2018 endete mit einem besonders tragischen Fall. Am Freitagabend, 21. Dezember hatten sich sechs Freunde aus Goch, Geldern und Weeze in einen Toyota gequetscht, einer der jungen Männer lag im Kofferraum. Hinterm Steuer saß ein 18-Jähriger und kutschierte seine Freunde über die Bundesstraße 9 von Goch nach Weeze.

Auf gerader Strecke, in der Dunkelheit, verlor der junge Fahrer die Kontrolle über den Wagen. Nach links kam er von der Fahrbahn ab, lenkte gegen, geriet auf den rechten Seitenstreifen und prallte mit dem Heck gegen einen Baum. Nur der 18-Jährige hinterm Steuer war angeschnallt, seine Mitfahrer im Alter von 17 und 18 nicht. Sie verletzten sich alle schwer. Der sechste Freund lag tot im Kofferraum.

Hunderte Unfälle ereignen sich jedes Jahr auf den Straßen des Gelderlands, viele davon mit schrecklichen Folgen. Fast 150 Menschen haben sich 2018 bei Unfällen schwer oder gar lebensgefährlich verletzt. Sieben Menschen starben auf den Straßen in Geldern, Issum, Kerken, Kevelaer, Straelen, Wachtendonk und Weeze. Und es zeigt sich bei vielen Unglücken ein ähnliches Muster: Die Schwächeren haben keine Chance.

Foto: dpa Infografik

Fünf der sieben Getöteten waren schwache Verkehrsteilnehmer. Zwei Fußgänger, zwei Fahrradfahrer und ein Kradfahrer starben im vergangenen Jahr nach Kollisionen mit Autos oder Lastwagen. In den beiden anderen Fällen starben Menschen im Auto. Einer war der 18-Jährige im Kofferraum. Die andere eine 39-Jährige, die am 5. Dezember mit ihrem VW Lupo von der Landstraße „Zu den drei Höfen“ in Straelen abkam und gegen einen Baum krachte – sie war nicht angeschnallt.

Auffällig ist, dass sich vor allem die tödlichen Unfälle an der Bundesstraße 9 häufen. Entweder direkt auf der Bundesstraße oder in unmittelbarer Nähe. „Die B9 ist eine der längsten Straßen durch den Kreis Kleve, sie ist die Hauptachse“, sagt Polizeisprecher Michael Ermers. „Das bedeutet ein hohes Verkehrsaufkommen.“ Wer durchs Gelderland fährt, kommt kaum an der B9 vorbei. „Und viele Straßen münden in die Bundesstraße“, sagt Ermers. „Es kommt also häufig zu Vorfahrtssituationen, die schief gehen können.“

So wie am 29. Mai auf der B9 in Aldekerk. Bei Edeka fuhr ein Kerkener über eine rote Ampel, kollidierte mit einem anderen Auto und erfasste dabei eine Fußgängerin. Die 75-Jährige starb noch vor Ort. Der Fahrer wurde nun wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und sechs Monaten Fahrverbot verurteilt.

Generell sei das Unfallrisiko auf Landstraßen höher als auf Autobahnen, sagt Polizeisprecher Michael Ermers. Und wenn es kracht, sind auch die Folgen deutlich schwerer. Während innerorts fünf Tote auf 1000 Unfälle mit Personenschaden kommen, liegt der Wert für Autobahnen bei 20, für Landstraßen sogar bei 24 Todesopfern. (Stand 2017, statistisches Bundesamt). Gefährlich werden auf Landstraßen die hohen Geschwindigkeiten, der direkt entgegenkommende Verkehr und die Bäume am Straßenrand.

Rein numerisch ereigneten sich in Keveleaer und Ortschaften die meisten schweren Unfälle. Die Bilanz: 40 Schwerverletzte und ein Toter. Der 51-jährige Motorradfahrer starb mitten in der Stadt, auf der Kroatenstraße. Eine 22-jährige Autofahrer hatte ihn beim Einbiegen in ihre Grundstückseinfahrt übersehen. In Geldern und Ortschaften verletzten sich im vergangenen Jahr 37 Menschen bei Unfällen schwer, in Issum, Oermten und Sevelen 17, in Wachtendonk und Wankum 4. In Straelen und Umgebung gab es 24 Schwerverletzte und einen tödlichen Unfall, in Weeze und Wemb gingen von 14 schweren Unglücken zwei tödlich aus. In Kerken waren die Unfälle besonders folgenschwer: 13 Schwerverletzte und drei Tote gab es dort auf den Straßen.