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Die Tafel aus Geldern bringt wieder Lebensmittel zu Bedürftigen

Lebensmittel für Bedürftige : Gelderns Tafel liefert wieder

Nach einer Pause wegen des Coronavirus bringen die Helfer Tüten voller Lebensmittel in bedürftige Haushalte. Auch die „Kölsche Tön“ und andere Spender unterstützen das. Die Ausgabestellen bleiben nach wie vor geschlossen.

Drinnen ist es ziemlich voll. So sind einige Kisten draußen auf dem Gehweg abgestellt. Sie sind randvoll mit Äpfeln, Kräutern und Kartoffeln, die in der Sonne glänzen. Da wartet noch viel Arbeit auf die an diesem Nachmittag aktiven Männer und Frauen der Gelderner Tafel, um alle Tüten mit Lebensmitteln zu packen. Wegen des Coronavirus musste die Tafel ihre Ausgabestellen in Geldern und Straelen schließen und auch die Fahrten nach Issum und Kerken einstellen. Doch jetzt nehmen die Helfer ihre Arbeit wieder auf. Am Dienstag war Neustart, wenn auch in anderer Form als bisher gewohnt.

„Wir haben einen Bringdienst organisiert“, beschreibt Vorsitzender Alfred Mersch den neuen Weg. In zwei Touren brachten die Fahrer die Lebensmittel in die Haushalte. Die Diakonie hatte laut Mersch ihr Kontingent schon zuvor abgeholt. Insgesamt an 175 Bedürftige samt Familien gingen die Lieferungen von der Jahnstraße aus. Jeder Fahrer hatte zehn bis 14 Haushalte zu versorgen. „Die liegen im Wesentlichen im Wohnumfeld des jeweiligen Helfers. So vermeiden wir große Fahrten“, erläuterte Mersch.

Die Tafel freut sich darüber, dass sie aus dem Vollen schöpfen kann. Merschs Rundruf bei den Supermärkten und Discountern in der vergangenen Woche war ausgesprochen erfolgreich. „Gucken Sie mal hier“, sagt Mersch, als er die Tür zum Kühlraum öffnet. In den Regalen stapelt es sich. Und in den Räumen der Ausgabestellen laufen die Packer Slalom zwischen den auf dem Boden stehenden vollen Tüten. Der Zuspruch sei höher als je zuvor, stellt der Tafel-Vorsitzende fest. Der Wiedereinstieg nach der zweiwöchigen Zwangspause komme gut an.

Auch die „Kölsche Tön“ sorgten dafür, dass die Vorratskammern gefüllt sind. „Tön“-Mann Gerd Lange hatte in einem Telefonat mit Mersch erfahren, dass die Tafel vor Ostern wieder aktiv werde. Spontan stellten die „Kölsche Tön“ aus ihrem Gagentopf 500 Euro zur Verfügung und motivierten weitere Spender, es ihnen gleichzutun. Vom Seniorenheim Haus Karin über den VVK Veert, den SV Veert bis hin zu privaten Spendern aus den Reihen der „Tön“ wurde die Summe schnell verdoppelt. Zusätzlich gab es Sachspenden; so spendeten zum Beispiel die ehemaligen Tanzmariechen der Garde Rot-Weiß Schoko-Osterhasen, Ostereier und weitere Süßigkeiten. Einen weiteren Schub gaben finanzielle Zusagen von Kaufland und Kaas, die zudem noch kostenfreie Waren zur Verfügung stellten.

Helfer beisammen (v. l.): Gerd Lange (Kölsche Tön), Alfred Mersch (Tafel) und Werner Bocksteger (Tafel). Foto: Tafel Geldern

„Erfreulicherweise haben wir jetzt so viel Geld und Lebensmittel bekommen, dass wir nicht nur zu Ostern, sondern auch noch drüber hinaus der Gelderner Tafel Sachen zukommen lassen können“, äußerte sich Lange begeistert, nachdem er am Montagmorgen mit Johannes Kubon im Kaufland kräftig die Wagen vollgepackt hatte. „Für uns ist es schön, dass wir Wünsche äußern durften“, sagte Mersch. Insbesondere Joghurt, Quark, Margarine, Salami oder auch mal kleine Schälchen mit Salaten standen auf dem Wunschzettel der Tafel. Auch bei den fleißigen Packern und Fahrern der Tafel bedankten sich die „Tön“. Und zwar mit gebackenen Osterhasen und Frühlingsblümchen.

Die Touren am Dienstag waren nur der Auftakt des Tafel-Neustarts. Nach Ostern soll laut Mersch wieder das „volle Programm“ laufen. Das heißt, dienstags starten die Tütenlieferungen von der Ausgabestelle Geldern aus, donnerstags von Straelen. Auch für die Route Kerken, Sevelen, Issum beginnen dann die Lieferungen.

„Eine wahnsinnige logistische Arbeit“, weiß Mersch. Er ist stolz und froh, dass die Tafel mittlerweile auf 85 Ehrenamtliche bauen kann. „Allein seit Weihnachten sind 15 neue dazugekommen.“ Auch alle Bürgermeister in den Kommunen zögen mit.

Mersch betonte dabei erneut, dass die Tafeln keine Grundversorger seien. „Wir können nur das weiter verschenken, was an Spenden hereinkommt.“ Und das Ganze geschehe freiwillig, ehrenamtlich. „Wir machen das aus sozialer Verantwortung, weil wir uns mit den Menschen am Rande solidarisch fühlen.“ Eine Sache, die eigentlich Aufgabe des Staates sei.