Issum: Die tägliche Horrorfahrt zur Schule

Issum: Die tägliche Horrorfahrt zur Schule

Schüler bemängeln zu lange Fahrtzeiten, Gewalt im Bus und rauchende Fahrer. Die Suche nach Lösungsmöglichkeiten.

Es ist spätestens dieser Dialog, der die Zuhörer wachrüttelt. "Soll ich den schlagen?" "Ja, mach' mal!", gibt ein Junge wieder, was sich morgens und auch mittags bei den Busfahrten zur weiterführenden Schule abspielt. Die zahlreichen Beispiele, die Kinder in der ersten Talkrunde im Issumer Jugendheim erzählen, lassen die Ohren der Erwachsenen klingeln.

Um die Probleme in den Bussen ging es in erster Linie bei der Talkrunde, zu der Bürgermeister Clemens Brüx ins Jugendheim kam. Foto: eve

Nils Kames und Biggi Saebisch hatten zu der Talkrunde in die Jugendbegegnungsstätte eingeladen. Kinder konnten loszuwerden, was sie nervt. Was dabei rauskam, waren allerdings keine Bagatellen, sondern ging bis zu handfesten Prügeleien, also Körperverletzung. Als ein Junge erzählt, dass der ältere Junge hinter ihm immer wieder auf seinen Kopf geschlagen hat, so dass er ausstieg und den nächsten Bus genommen hat, sagt er das ganz ruhig, als ob es selbstverständlich ist.

Eigentlich sollte es in der Talkrunde zunächst um zu lange Fahrtzeiten gehen. "Als ihr uns erzählt hattet, dass ihr eine Dreiviertel-Stunde oder Stunde fahrt, fanden wir das schon zu viel, immerhin habt ihr bei acht Stunden Schule einen richtigen Arbeitstag hinter euch", wirft Biggi Saebisch in die Runde. Die langen Fahrten betreffen die Schüler, die von Issum zur Gesamtschule nach Aldekerk fahren. Die Schüler wünschen sich vor allem für den Rückweg einen eigenen Bus, der ohne Umwege nach Issum fährt.

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Das Problem sind aber auch Schüler, die einfach nicht mitgenommen werden, etwa weil sie an Haltestellen stehen, an denen sonst selten jemand wartet. Bestes Beispiel ist Vrasselt. Morgens fuhr auch der dritte Bus der Linie 32 dort vorbei, das Mädchen kam eine Stunde zu spät zur Schule. Auf dem Rückweg ist es oft das Gleiche, mancher Busfahrer hält es für einen "Scherz", wenn für die Haltestelle gedrückt wird und fährt einfach weiter, erzählt einer der Jungs.

Wenn jemand stehengelassen wird, solle er sich bei der Niag melden, der Vorfall werde geprüft, rät Fachbereichsleiter Tobias Jakubowski. "Die Fahrzeuge werden nach Bedarf eingesetzt", sagt er zu dem Vorwurf zu voller Busse. Anhand der Anzahl der Schokotickets lasse sich abschätzen, wie viele Schüler unterwegs sind. Bei sich prügelnden Kindern im Bus sei es durchaus richtig, den Fahrer anzusprechen, denn der hat seine Augen auf dem Straßenverkehr gerichtet und kann gerade bei Gelenkbussen nicht sehen, was alles im hinteren Bereich geschieht.

Im Gespräch mit den Kindern stellte sich schnell heraus, dass es immer die gleichen sind, die für Stress sorgen. "Es sind immer größere Jungs, die Papier rumschmeißen oder kleine Kinder beleidigen, bis sie weinen", erzählt ein Mädchen. Das gehe so weit, dass die Kinder sich die Busse bewusst aussuchen und möglichst den nehmen, in denen die Störenfriede nicht sitzen, berichtet eine Mutter. Morgens sind drei Busse der Linie 32 nach Geldern unterwegs. Was auch nervt, sind unfreundliche Busfahrer. "Ich grüße immer", sagt ein Mädchen. Aber als sie mal aus Versehen das Schokoticket beim Vorzeigen falsch gehalten hat, bekam sie ein "blödes, dummes Kind" entgegengeschleudert. "Wir sind uns einig, dass Busfahrer einen echt verantwortungsvollen und stressigen Job haben", sagt Biggi Saebisch. "Trotzdem darf es nicht passieren, dass Fahrer frech sind oder euch vorführen." Das sieht Jakubowski von der Niag genauso. "Unsere Fahrer bekommen eine Schulung. Wir achten darauf, dass sie sich als Dienstleister sehen." Er bittet um Meldung an kundenservice@niag-online.de bei solchen Vorfällen. Auch gegen Fahrer, die im Bus rauchen, werde rigoros vorgegangen. Die verstoßen gegen das Nichtraucherschutzgesetz. Auch das haben die Kinder schon erlebt. "Wir sagen euch zu, dass Nils und ich uns einsetzen", verspricht Biggi Saebisch am Ende. Auch Susanne Hackstein von der Gemeinde Issum hat sich Notizen gemacht. Bürgermeister Clemens Brüx sagte: "Wir werden die verschiedenen Probleme, die beim Busfahren auftauchen, sicher an entsprechender Stelle zur Sprache bringen." Was bleibt, ist die Überzeugung: Es muss sich was ändern.

(RP)
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