Projektwoche am Berufskolleg: „Die Pflicht, Menschen aufzunehmen“

Projektwoche am Berufskolleg: „Die Pflicht, Menschen aufzunehmen“

Bei einer Podiumsdiskussion am Berufskolleg trafen CDU-Politiker Stefan Berger, Gerrit Hermans vom Caritasverband und Gertrud Bühner-Lichtrauer vom Kinderheim St. Josef aufeinander. Die Frage: Wie kann Integration funktionieren?

Mit einem Rap startet die Podiumsdiskussion. Es geht um Integration. Im Hintergrund wird die Europafahne gehisst. Begeisterter Applaus brandet durch die volle Aula. Die zweite Projektwoche „Ihr gehört zu uns. Europa – eine integrative Gesellschaft“ fand nun am Berufskolleg Geldern statt. Die Begrüßungsrede zur Podiumsdiskussion hielt die stellvertretende Schulleiterin Petra Wiese. Ebenfalls anwesend: die Projektverantwortliche Pia Wirtgen. Abwechselnd moderiert wurde die Veranstaltung von Kai-Oliver Rauchel und Sebastian Lipke.

Als Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellten sich Dr. Stefan Berger, Kandidat der CDU für die Europawahl, Gerrit Hermans vom Caritasverband Geldern-Kevelaer und Gertrud Bühner-Lichtrauter vom Kinderheim St.-Josef-Stift Wachtendonk vor. Die Frage, wie Integration funktionieren kann, eröffnete die Diskussionsrunde.

„Wir sehen eine Welt, die sich verändert“, beginnt Berger. Er benennt Sprache als den Schlüssel für Integration. Bühner-Lichtrauter verweist auf die vielen Nationalitäten, die hier mittlerweile „unter einem Dach leben“. Über Freizeitaktivitäten und gemeinsames Spielen könnten Sprachen und Kulturen kennengelernt werden. 2005 übernahm Hermans die Flüchtlingshilfe. „Ich hatte noch gar nicht das Bewusstsein, dass es Geflüchtete in Geldern geben soll“, erzählt er. Sie seien für viele nicht präsent gewesen und sollten aus der Gesellschaft verdrängt werden. In der Flüchtlingsberatung habe er viele von ihnen jahrelang betreut. Es sei wichtig, eine Perspektive zu geben, zu integrieren.

Moderator Kai-Oliver Rauchel leitet zur Frage „ Was ist gelungene Integration?“ über. Hermans teilt mit dem Publikum seine Vision: Es gehe um Teilhabe. Das Zusammenleben sollte selbstverständlich sein und Berührungsängste genommen werden. Vielfältigkeit müsse in der Gesellschaft repräsentiert werden. Europawahl-Kandidat Berger rückt die unterschiedlichen Interessen der Gruppen in den Mittelpunkt der Diskussion. Es seien nicht nur Kriegsflüchtlinge. Die Frage, inwieweit man sie komplett integrieren sollte, stelle sich hier. Hermans schaltet sich ein. Es sei nicht richtig, Integration als Gruppen-spezifisch zu betrachten, als „die Gäste, die wieder gehen“. In Syrien sei kein Kriegsende in Sicht. Er halte es deshalb für fatal, keine Integrationsarbeit zu leisten, nur weil sie vielleicht irgendwann zurückkehren.

„Wir haben natürlich die Verpflichtung, Menschen aufzunehmen“, lenkt Berger ein. Aber es sei eine gesamteuropäische Aufgabe. Die große Entwicklung könne nur zusammen geleistet werden. „Wir brauchen eine faire Regelung auf europäischer Ebene“, meint der 49-Jährige. Dazu gehöre auch, die Flüchtlinge auf die Länder zu verteilen. Auch bestimmte „Probleme“ wurden angesprochen.

Fragebögen mit populistischen Aussagen, die die Schüler erstellt haben, werden an einer Leinwand gezeigt. Zitate wie „Wir importieren sozialen Sprengstoff“, vom AfD Politiker Björn Höcke, werden zur Diskussion gestellt. „Die AfD ist hier der Krawallmacher“, findet Hermans. Es gebe Herausforderungen, aber diese könnten bewältigt werden. Er sehe nirgendwo Sprengstoff außer den, den die AfD schafft. Das Publikum ist eingeladen, Fragen zu stellen. Dabei kritisiert Schüler Vincent Vervoorst den Fachkräftemangel in Deutschland. Fazit der drei Teilnehmer am Ende: Sprachen lernen, offen sein und wählen gehen.

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