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Die Narren im Gelderland lassen sich von Corona nicht aufhalten

Karneval in der Corona-Pandemie im Gelderland : Lustig sein im Lockdown

Umzüge mit Menschenmassen am Straßenrand gibt es nicht. Auch keine Saalveranstaltungen mit Schunkelrunden. Doch so ganz verzichten die Karnevalisten im Gelderland nicht auf den Spaß. Sie haben sich Aktionen einfallen lassen.

In diesem Jahr ist alles anders, aber auf Karneval muss niemand verzichten. Vereine und Privatleute wurden kreativ, um auch in Corona-Zeiten Frohsinn zu verbreiten und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Issum Die Sitzung der Ko&Ka Spie­lerschar im Bürgersaal musste coronabedingt ausfallen. Aber auf Büttenreden und Showtänze muss keiner verzichten. Das Motto lautet in diesem Jahr: Jeck t’hüß, also zu Hause bleiben und sich Ausschnitte aus vergangenen Sitzungen anschauen. „Teilnehmen? - das ist wirklich kinderleicht, ein kurzer Klick auf unseren KoUndKaIssum YouTube-Channel reicht!“, heißt es auf der Internetseite von Ko&Ka Issum. Viel Spaß!

 Die Wachtendonker Karnevals-Gemeinschaft begrüßt die Jecken im verschneiten Wachtendonk.
Die Wachtendonker Karnevals-Gemeinschaft begrüßt die Jecken im verschneiten Wachtendonk. Foto: Klatt

Kevelaer Über eine närrisch süße Überraschung durften sich die Bewohner des Seniorenheims Regina Pacis in Kevelaer freuen. Zum Auftakt an Altweiber gab es eine Tüte selbst gebackene Plätzchen (insgesamt sage und schreibe 20 verschiedene Sorten), die zusammen mit einem fröhlichen Gedicht an die Senioreneinrichtung übergeben wurden. Beides soll einerseits die Wartezeit auf das Ende der Corona-Zeit versüßen und Mut machen. Außerdem soll ein Zeichen gesetzt werden: „Wir denken an euch!“

Herongen Andrea Carls, Alexandra Eberwein und Julia Kroll hatten die Idee: Mitten im Corona-Lockdown sollten Kinderaugen zum Leuchten gebracht werden. Über soziale Medien wurden Heronger gebeten, mitzumachen. Am Kleinkarnevalssonntag sollten Hauseingänge bunt geschmückt und für die Kinder ein Korb mit Süßigkeiten vor die Tür gestellt werden. Die Kinder konnten so verkleidet und unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln von Haus zu Haus ziehen und Süßigkeiten sammeln. Jeanette Steigner von der örtlichen Metzgerei Trienekens sorgte dafür, dass der lokale Einzelhandel auch mitmachte. Mehr als 100 Heronger Haushalte beteiligten sich und boten den Kindern buntgeschmückte Hauseingänge und Süßigkeiten. Im verschneiten Dorf machten sich verkleidete Kinder mit Schlitten und in Kinderwagen auf den Weg, um die Süßigkeiten einzusammeln. Aus manchen Häusern klangen Karnevalslieder, andere brachten die Karnevalsmusik auf dem eigenen Schlitten gleich selbst mit. Rund vier Stunden dauerte das bunte Treiben, Kinder und Eltern hatten einen Riesenspaß. Am Ende des Tages blieb den Organisatorinnen nur ein ganz großer Dank an alle Heronger, die aus der kleinen Idee von drei Müttern eine so große und erfolgreiche Aktion gemacht haben, bei der die Kinder und auch viele Eltern für einen Nachmittag Corona vergessen konnten.

Wachtendonk Die Wachtendonker Karnevals-Gemeinschaft (WKG) muss sich wie alle Jecken lauter Jubelrufe inmitten von Zuschauern enthalten. Statt dessen schickt sie einen stillen Gruß an alle Besucher des historischen Ortskerns auf einem Transparent, das quer über die Straße gespannt ist. Der Wankumer Carnevals Club (WCC) ist mit allen Aktiven zu sehen: im Internet. Die Fotocollagen sind mit einem aufmunternden Spruch garniert: „Ist die Wellt um uns herum auch etwas grau – wir stehen trotzdem zusammen und rufen Wankum Helau, WCC Helau, Wachtendonk Helau.“

Weeze Schon seit Jahren stellt Carola Hermsen auf der Roggenstraße ihre Schaufenster dem Arbeitskreis Weezer Heimatgeschichte zur Verfügung. Jetzt hat der Gemeindejugendring auf Bitten des Arbeitskreises zwei Schaufenster auf der Roggenstraße 10–12 karnevalistisch dekoriert. In einem Schaufenster finden sich die Fotos der Kinderprinzenpaare der vergangenen Jahre, das zweite erinnert an die Tanzgarden, die der Gemeindejugendring immer aktivierte. Ein weiterer Verein, der den Karneval stets aktiv mitgestaltet hat, ist die Kolpingfamilie Weeze. Sie präsentiert im dritten Schaufenster ihre Karnevaltradition. Darüber hinaus gibt es weitere Gruppen wie den Karnevalsclub Ratsstube und den MGV Weeze, die für Karnevalsstimmung in der Gemeinde sorgen.

Auch der Bürgerhausverein hat sich ins Zeug gelegt, um den Jecken eine Freude zu bereiten. In einer gemeinschaftlichen Aktion – und unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen – schmückten die Vereinsmitglieder das Weezer Bürgerhaus, in dem in diesen Tagen üblicherweise ein buntes Programm stattgefunden hätte.

„Was können wir bloß machen, damit die narrenlose Zeit nicht so langweilig wird?“, fragte sich der Gemeindejugendring. Einige Vorstandsmitglieder haben – selbstverständlich unter Einhaltung der gängigen Regeln – einen bunten Mega-Strohclown angefertigt und an der Ortseinfahrt B9 (Hamscherweg) aufgestellt. „Ein dreifaches ,Weeze Helau’ - auf das wir alle im nächsten Jahr die liebgewonnene Tradition der Feierlichkeit wieder ausgelassen und angebracht feiern können“, heißt es.