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Stadtwerke Geldern präsentieren verschwundene Orte (3): Die Löwen - vom Mahnmal zum Wächter

Stadtwerke Geldern präsentieren verschwundene Orte (3) : Die Löwen - vom Mahnmal zum Wächter

Die steinernen Tiere sind ein Überbleibsel von Gelderns Kriegerehrenmal. Im Jahr 1932 wurde es nach langem Ringen eingeweiht. Später musste es dem Straßenbau und Parkplätzen weichen. Übrig geblieben ist ein Kunstobjekt.

Geldern Friedlich liegen sie da, die beiden Löwen am Ende der Hartstraße, Ecke Nordwall. Dabei waren sie immer wieder Anlass für großen Streit, im Gelderner Rat, aber auch in der Bevölkerung.

Damals, vor mehr als 80 Jahren, waren die beiden Steinlöwen Teil des Kriegerehrenmals. 77 Leute waren im Denkmalausschuss, auf den der Spruch "Viele Köche verderben den Brei" mit Sicherheit zutraf.

Während Straelen bereits 1928, Weeze ein Jahr später und Winnekendonk 1930 sein Kriegerehrenmal hatte, haderte die Kreisstadt Geldern noch. Es wurde mehr gestritten als entschlossen. Uneinigkeit herrschte über den Standort, aber auch über das Wann und Wie.

Als mögliche Standorte für das Denkmal zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges kamen der Friedhof, der Mühlenberg, der große Markt, der Haagsche Weg und die Wallstraße in Frage. Die Wahl fiel auf die Wallstraße, heute Parkplatz der Deutschen Bank. Keine so gute Wahl, wie sich später herausstellen sollte.

Den Entwurf für die Stätte legte der Architekt Josef Lepelmann vor, der auch den Zuschlag bekam. Dann stand die Finanzierung auf dem Plan. Bereits am 20. Februar 1925 gab es einen Aufruf an die Gelderner durch Bürgermeister Werners. Dabei waren die Vereine nicht nur willig zu spenden, sondern auch kreativ. Beim Staffellauf des Sportvereins 09 wurden etwa Blumen zugunsten des geplanten Ehrenmals verkauft. 200 Mark spendete der Verein. Eine großzügige Geldzuwendung gab es auch von Gelderns inoffiziellem Ehrenbürger, dem Generalkonsul Carl Gustav Rommenhöller, im August 1930. Die Einweihung des Denkmals bekam der im Jahr 1931 verstorbene Wohltäter dann nicht mehr mit.

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Eigentlich war die Einweihung zur 700-Jahr-Feier Gelderns im Jahr 1930 geplant gewesen. Allerdings wurde der Bau des Denkmals immer mehr zur Polit-Posse, so dass das Krefelder Blatt schon spottete, dass die beiden Löwen wohl erst noch gefangen werden müssten, die das Ehrenmal einrahmen sollten.

Dann war es endlich soweit: Am Sonntag, 16. Oktober 1932, wurde das Kriegerehrenmal eingeweiht — mit allem, was dazu gehörte. Es gab einen Umzug, Gottesdienste und feierliche Ansprachen, die unter anderem zur Einigkeit aufriefen.

Lange währte die Freude aber nicht. Bereits 22 Jahre später wurde "Gelderns Ehrenmal gerupft", titelte die Rheinische Post vom 23. Oktober 1954. Die Silberlinden verschwanden, um dem Straßenbau Platz zu machen. Zehn Jahre später war in der RP von einer möglichen Verlegung des Ehrenmals zu lesen. Der Verkehr staute sich an den Wochenenden vom Nordwall bis nach Veert, eine Verbreiterung der Straße war unumgänglich. In der Ratssitzung vom 9. Oktober 1967 fällt die Entscheidung für den Abriss. Die Löwen landen bei den Kindergärten Poststraße und Schlossstraße.

"Es war gar nicht so einfach, die Löwen wieder aus den Kindergärten herauszuholen", erinnert sich Peter Busch. "Die Kinder hatten sich an ihre großen Beschützer gewöhnt." Gemeinsam mit Aloys Cremers arbeitete der Gelderner an der neuen Bestimmung der Löwen. "Metamorphose" nennt sich das Kunstobjekt am Ende der Hartstraße. Die Löwen liegen friedlich neben farbenfrohen Skulpturen. Auch diese Entwicklung sei mit einiger Skepsis beobachtet worden, sagt Busch. Die Löwen ruhen nun nicht mehr bedrohlich auf Säulen, sondern wachend über eine hoffentlich bunte Gesellschaft.

(bimo)