Issum: Die Krippe mit dem rosafarbenen Engel

Issum: Die Krippe mit dem rosafarbenen Engel

Issum: Die Super-Krippe in der Kirche St. Nikolaus

In der St.-Nikolaus-Kirche in Issum kümmert sich ein elfköpfiges Team um die Krippe. Johannes van Leuck hat die orientalische Landschaft auf die riesigen Bühnenelemente gemalt. Weihnachten kann das Werk bewundert werden.

Leise raschelt der Stoff, im Hintergrund rotiert der Akku-Schrauber. Mehrere Menschen laufen geschäftig durch die St.-Nikolaus-Kirche in Issum. Trotzdem ist die Atmosphäre ruhig, fast besinnlich. Alle haben ein Ziel: Die Krippe wieder so schön aufzubauen wie im vergangenen Jahr. Aber das ist nicht irgendeine Krippe. Vor ein paar Jahren entschlossen sich die Issumer nämlich zu einem Rundumschlag. "Die Krippe sollte an früher erinnern", erklärt Hildegard Fuchs vom Krippen-Aufbauteam. Das heißt, Weihnachtssterne und Weihnachtsbäume kamen nicht mehr in die Nähe der Krippe. "Denn die gab es damals auch nicht." Stattdessen wird jede Menge Sand in die Kirche geschleppt, es werden Steine verlegt, und dann ist da noch das Geheimnis um den rosafarbenen Engel.

Aber eins nach dem anderen. Erst einmal werden Paletten benötigt, um der Krippe den passenden Untergrund zu liefern. Das Herankarren der Paletten ist Männersache. "Wir Frauen sind nachher für die Feinarbeiten da", sagt Hildegard Fuchs. Warten müssen sie trotzdem nicht. Nach und nach holen sie die einen Meter hohen Figuren aus ihrem Vor-Weihnachtsschlaf. Die stellvertretende Küsterin Petra Lippe trägt eines der Schafe. Sie gehört zum harten Kern des Krippenteams aus elf Leuten. Ihr Mann Hans-Dieter Lippe und Sohn Daniel, Joachim Fuchs, Heinz Rörthmans, Arnold Teuwsen und Franz-Josef Kleinmanns haben den Aufbau im Griff. Geschickterweise wird der Namenspatron der Kirche, der Heilige Nikolaus, gleich in die Landschaft eingebunden. Am Ende, wenn alles aufgebaut ist, schaut die Figur interessiert auf das Krippengeschehen.

Willi und Hilde Boss sind etwas fernab vom Geschehen mit einer anderen, nicht gerade unwichtigen Aufgabe beschäftigt. Sie kleiden die Figuren ein, jedes Jahr aufs Neue. Aus einem großen Koffer werden die frisch gebügelten Umhänge hervorgeholt und vorsichtig um die Figuren gelegt und festgezurrt. Am Ende haben die Weisen aus dem Morgenland prächtigen Kopfschmuck auf und edle Gefäße in der Hand, in denen man sich Weihrauch und Myrrhe vorstellen kann. Wie lange sie das schon machen, überlegt das Ehepaar, "20 Jahre oder länger", während er noch überlegt, zupft Willi Boss das nächste Gewand aus dem Koffer.

Die Könige aus dem Morgenland sind dem Stern gefolgt und erreichen den Stall in Bethlehem. Foto: Seybert Gerhard

In der Zwischenzeit erklärt Petra Lippe, was es mit dem rosafarbenen Engel auf sich hat. Der wird rechts an der Krippe seinen Platz finden, denn Heiligabend ohne Engel gibt es nicht. Immerhin waren Engel diejenigen, die den Hirten erklärt haben, dass in der Krippe der Gottessohn liegt. Und rosa ist das Gewand in Issum, weil auch auf dem Gemälde im Hochaltar der Engel ein solches Gewand trägt und beide sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Engel hat noch ein weiteres Geheimnis. Ihm fehlt das Unterteil. Weil er so leichter ist und in der rechten Ecke über der Krippe schweben kann. Für das Unterteil, was nun übrig war, wurde das passende Oberteil gefertigt, und schon gab es eine Krippenfigur mehr.

"Ich habe nur ein Schaf getragen." Die Mitglieder des Krippenaufbauteams bringen die großen Figuren zur Krippe. Willi und Hilde Boss haben die Figuren zuvor eingekleidet. Foto: Gerhard Seybert

Johannes van Leuck hat die orientalische Stadt und Landschaft auf die riesigen Bühnenelemente gemalt und damit den passenden Rahmen geschaffen. "Was Johannes da geleistet hat, ist der Wahnsinn", sagt Bärbel Teuwsen bewundernd. Nach vier Stunden hat jede Figur ihren Platz gefunden, und auch der Komet, der den Weisen den Weg gewiesen hat, hängt in schwindelerregender Höhe. "Jetzt kann Weihnachten kommen", sagt Bärbel Teuwsen und lehnt sich nach getaner Arbeit zufrieden im Kreis der anderen Helfer zurück.

"Die Issumer kennen ja die Krippe", sagt Hildegard Fuchs. Alle anderen können sie auch besuchen. Die St.-Nikolaus-Kirche ist am ersten und zweiten Weihnachtstag von 15 bis 18 Uhr geöffnet und am Samstag, 30. Dezember, ebenfalls von 15 bis 18 Uhr.

(RP)