Haus Püllen in Wachtendonk: Die Hüterin der Bienen

Haus Püllen in Wachtendonk: Die Hüterin der Bienen

Sabine Hillebrandt ist fasziniert von Insekten, vor allem von Honigbienen. Die 56-Jährige betreut seit Ende Mai als Imkerin zwei Völker, die nun im Bauerngarten des Naturparkzentrums Haus Püllen in Wachtendonk leben.

Es gab vieles, das Sabine Hillebrandt nicht wusste, bis sie Imkerin wurde. Zum Beispiel, dass Bienen die Pollen nach Farbe sortieren, denn sie unterscheiden sich je nach Pflanzenart. Oder dass im August die Drohnenschlacht stattfindet, bei der die Arbeitsbienen die Männchen nach der Begattung der Königin aus dem Stock vertreiben. Und leider auch, dass Bienen doch manchmal stechen.

Seit Ende Mai leben Bienen im Haus Püllen in Wachtendonk und Sabine Hillebrandt hütet sie. Die 56-Jährige arbeitet seit drei Jahren als touristische Hilfskraft im Naturparkzentrum. „Schon als ich mich beworben hatte, wusste ich, dass ich einen Imkerkurs machen will“, sagt sie. Also lernt sie: die Anatomie und das Verhalten der Bienen, Honig entnehmen und schleudern.

„Es ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Ich kann die Bienen nicht einfach stehen lassen“, sagt sie. Mindestens einmal die Woche kommt Sabine Hillebrandt für etwa zwei Stunden zu den beiden Bienenkästen, die unter den Apfelbäumen des Bauerngartens stehen. Dabei trägt sie keine dunkle Kleidung, sondern am besten Weiß, sonst wittern die Wächter eine Bedrohung und schlagen Alarm.

Jedes Mal kontrolliert Sabine Hillebrandt, wie es den Bienen geht. Denn die Völker sind anfällig für Varroamilben, Mottenbefall und Durchfallerkrankungen. „Daran können ganze Bienenvölker kaputt gehen“, sagt sie. In diesem Jahr seien auch viele Wespen und Hornissen unterwegs gewesen, die für die Bienen zur Gefahr werden können. Sie krabbeln in deren Bau, räubern Honig und fressen auch die Bienen. „Das ist Frischfleisch, pures Protein“, sagt Hillebrandt.

Sie überprüft auch, ob die Bienen eine neue Königin heranziehen. Das passiert, wenn die Königin zu alt oder schwach ist oder gestürzt werden soll. Dann füttern die Arbeitsbienen die Larven mit einem Harz namens Propolis. Das erkennt Sabine Hillebrandt an den besonderen Nestern, die die Bienen für ihre Königinnen bauen. Die muss sie dann meist zerstören, um ihre Königin und deren Volk zu erhalten.

Nach ihrem ersten Sommer als Imkerin hat Sabine Hillebrandt etwa acht Kilogramm Honig geerntet. „Das ist wenig, aber mit Mai habe ich auch spät angefangen“, sagt sie. Die Ausstattung für das Honigschleudern hat der Naturpark gestellt. „Ich war stolz auf jeden Honigtropfen.“

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Jetzt, im Herbst, muss Sabine Hillebrandt ihre Schützlinge auf den Winter vorbereiten. Sie repariert kaputte Zargen, schmilzt Honigwaben ein, kontrolliert die Bienen auf Erkrankungen. Als Wintervorrat bekommen die Bienen Glukosesirup zu fressen – schließlich wurde ihnen der Honig als Nahrung weggenommen. Den Sirup lagern die Insekten dann wieder in den Waben ein.

Wenn es kalt wird, fliegen die fleißigen Insekten nicht mehr raus. Erst wenn die Temperatur wieder über 15 Grad steigt, kommen die Bienen wieder an die frische Luft. Dann fangen sie wieder von vorne an, Nektar zu sammeln. Den saugen die Bienen mit ihren Rüsseln aus den Blüten. Zu Honig wird er erst im Magen der Bienen: Dort wird der Nektar durch Enzyme in Fruchtzucker und Traubenzucker aufgespalten. Im Bienenstock würgen die Insekten den Nektar als Honig wieder aus.

Von den Bienen profitiert auch der Bauerngarten am Haus Püllen: Denn die Insekten befruchten die Blüten der 25 Apfelbäume, die dann hoffentlich viele Früchte tragen.

Im kommenden Frühjahr will Sabine Hillebrandt auch Kurse für Kinder und Erwachsene anbieten, um ihnen die Imkerei und das Leben der Bienen näherzubringen. Angst brauchen die Besucher vor den Bienen nicht zu haben: „Dass sie stechen, kann mal vorkommen“, sagt sie.

Einmal in ihrem ersten Sommer als Imkerin hat es Sabine Hillebrandt erwischt. Sie ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob es nicht vielleicht doch der Stich einer Wespe war.

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