Issum: Die Hüter der heiligen Barbara

Issum: Die Hüter der heiligen Barbara

Nach 15 Jahren geben zwei Ehrenamtler die Sorge um die Kapelle an der Neustraße ab: Gottfried Höfken und Karlheinz Grütter. Es ist Zeit, auch wenn sie Freude an der Aufgabe hatten. Die Ortsgruppe Issum der IGBCE setzt ihre Arbeit fort.

Um die Ecke pfeift ein scharfer Wind. In der Hand hält Gottfried Höfken einen Schlüssel. Es fällt ihm sichtlich schwer, den wegzugeben. Schnell zeigt und erklärt er Albert Dahl noch ein paar Dinge, dann ist die Übergabe perfekt. Beide Männer sind in der Ortsgruppe Issum der IGBCE, der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Sie stehen vor der kleinen Kapelle an der Neustraße in Issum. Sie ist der heiligen Barbara gewidmet, der Schutzpatronin der Bergleute.

15 Jahre lang kümmerte sich Höfken um die Kapelle und die Außenanlage, fast genauso lange Karlheinz "Kalla" Grütter. "Keiner hat von uns gesagt, ich kann nicht mehr", sagt Grütter, der 79 Jahre alt ist. "Wir haben das einfach beschlossen", fügt Höfken an, der 74 Jahre alt ist und auf 45 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit zurückblickt. "Wir haben uns immer gut ergänzt", sagen die Hüter der heiligen Barbara in Issum.

Meistens haben sie sich montags an der Kapelle getroffen. "Dann konnten wir uns über den Fußball vom Wochenende unterhalten. Wenn unsere Mannschaften gewonnen haben, ging die Arbeit gut von der Hand", erzählen die beiden Männer lachend. Ob Unkraut zupfen, Hecke stutzen oder den Innenraum streichen, weil die vorherige Farbe zu grell war: Die beiden haben angepackt. "Ihr habt das bei Wind und Wetter ehrenamtlich gemacht. Ich weiß, dass ihr bei euren Runden durchs Dorf mal eben auch zum Heiligenhäuschen geradelt seid", sagt die Vorsitzende der Issumer Ortsgruppe der IGBCE, Iris Lischewski-Schmetter. Um das zu würdigen, ist am Tag der Schlüsselübergabe auch Matthias Jakobs, Bezirksleiter der IGBCE, in Issum. Der hat für Höfken und Grütter nicht nur Dank dabei, sondern auch Präsente, unter anderem eine Kühltasche. Der Kassierer der Issumer Ortsgruppe, Albert Dahl, hat gleich eine Idee. "Ach so, dann setzt ihr euch auf die Bank und schaut uns bei der Arbeit zu", wendet er sich an Höfken und Grütter.

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Die lächeln verschmitzt und lassen die alten Zeiten wieder aufleben. "Wenn wir saubergemacht haben, das war schön, wenn die Kumpel zum Plaudern kamen", sagt Höfken und fügt nachdenklich hinzu: "Viele alte Kollegen sind verstorben."

Viel zu früh auch der ehemalige Vorsitzende der Issumer Ortsgruppe, Jochen Lischewski. Als er Vorsitzender war, hatten zwei alte Kumpel die Idee, an die Bergmannstradition zu erinnern. Der Platz an der Neustraße, der von der Gemeinde Issum den Bergleuten dafür zugewiesen wurde, ist historisch. "Am Eichbaum", benennt Grütter die Stelle, wo früher eine prächtige Eiche stand, die Napoleon gepflanzt haben soll. Die Eiche musste allerdings schon vor dem Kapellenbau weichen. Geblieben ist ein Platz, an dem es sich gut aushalten lässt, mit Ruhebank und Tisch. An heißen Sommertagen sorgt Nachbar Herbert Ehmke dafür, dass nichts verwelkt, und schneidet den Rasen.

Höfken und Grütter, die werden nicht mehr mit Eimer und Schuffel kommen, aber vielleicht ab und zu mit gekühlten Getränken und zum Fachsimpeln über Fußballfragen. In Zukunft werde sich der Vorstand um die Kapelle kümmern, verspricht Iris Lischewski-Schmetter.

(RP)